edition fünf

Susanna Alakoski

Bessere Zeiten

Roman
edition fünf (Band 6)

Deutsch von Sabine Neumann
Mit einem Nachwort von Karen Nölle und Christine Gräbe

Deutsche Erstausgabe
Ganzleinenband, fadengeheftet, mit Prägung,
Geschenkbanderole und Lesebändchen, 304 Seiten
€ (D) 19,90
€ (A) 20,50

ISBN 978-3-942374-10-1

Erschienen August 2011
Bessere Zeiten
Inhalt

Eine Kindheit am Rand der Gesellschaft

Als Leena und ihre Familie eine neue Wohnung finden, scheint sich alles zum Guten zu fügen. Drei Zimmer mit Balkon, Parkett und Farbfernseher, ein Spielplatz direkt vor der Tür. Doch bei den Schweden heißt das neue Viertel für die finnischen Gastarbeiter abfällig „Schweinehäuser“. Die Eltern sind arm. Und sie trinken. Wo ist Leenas Platz in dieser Welt? Einfühlsam beschreibt das Bestsellerdebüt Kinderarmut in der Wohlstandsgesellschaft, mitten im südschwedischen Ystad, wo sonst Wallander seine Fälle löst. Die Brisanz reicht weit über die 1960er und 1970er Jahre hinaus.

Das Bestsellerdebüt aus Schweden wurde verfilmt mit Noomi Rapace (Lisbeth Salander aus der Millennium-Trilogie von Stieg Larsson), Filmstart war im Herbst 2011

Zur Autorin
Susanna Alakoski
© Sara Mac Kay

Susanna Alakoski, geboren 1962 in Vaasa, Finnland, wuchs in Ystad auf, dem Schauplatz von »Bessere Zeiten«. Heute lebt sie als Journalistin in Stockholm. »Bessere Zeiten« verkaufte sich in Schwedenüber 500 000 Mal und wurde mit Noomi Rapace in der Hauptrolle verfilmt.

Pressestimmen

»Der großartige Roman einer verlorenen Kindheit: Nüchtern sind Susanna Alakoskis Schilderungen und trotz allem hoffend. Und die Hoffnung nimmt man aus dem Buch mit.«
Evelyn Beyer, Neue Presse 

»Der junge Verlag ›edition fünf‹ hat den Roman in hervorragender Übersetzung durch Sabine Neumann herausgebracht.«
Katrin Mirtschink, DAS MAGAZIN

»Eine Entwickungsgeschichte, die bei aller Härte Raum für die Ironie der Verzweiflung und für Hoffnung lässt.«
Ruth Bender, Kieler Nachrichten

»Ich kann dieses Buch uneingeschränkt empfehlen. Es schildert ein Stück Zeitgeschichte, und es ist gleichzeitig zeitlos. Und es ist richtig gut geschrieben.«
Katja Güth, Radio Bremen

»Mit einer eindrucksvoll-klaren nichts beschönigenden Sprache setzte Susanna Alakoski Themen in Szene, die allzuoft hinter vorgehaltener Hand besprochen werden. Mit ihrem Mut, diese literarisch umzusetzen, erregt sie europaweit Aufmerksamkeit.«
Marie-Luise Wache, AVIVA Berlin

»Susanna Alakoskis Roman ist kein kitschiges Sozialdrama, es ist eine erschütternde, auch poetisch zarte Studie über eine arme Kindheit in einem reichen Land – vielleicht Lese-Trostpflaster für Menschen, die ähnliches erlebt haben.«
Annemarie Stoltenberg, NDR Kultur

»Es sind sparsame, sorgenvolle und genaue Bobachtungen, mit denen die Autorin ihre Leser in den Bann schlägt. Susanna Alakoski hat mit diesem Buch einen Nerv getroffen und Gespür für soziale Relevanz bewiesen.«
Volker Behrens, Hamburger Abendblatt

»Susanna Alakoski bringt mit ihrem entschieden gesellschaftskritischen Blick einen neuen Ton in die schwedische Literatur ein.«
Katharina Granzin, Frankfurter Rundschau

»… einer der fesselndsten und unterhaltsamsten Romane seit langem.«
Svenska Dagblad

»Susanna Alakoski schreibt aus der Kinderperspektive, sie schreibt von unten, mit einem besonderen Blick für die Frauen, sie schreibt authentisch und kraftvoll. Sie schreibt nicht sentimental und sie sucht keine Sündenböcke, ihr geht es nicht um Worte wie Schuld oder Scham. Ihr einfacher Stil tut der Geschichte gut, er ist ein raffiniertes Gewand für das, was sie uns zu erzählen hat.«
Ystads Allehanda

»Alakoskis Art zu schreiben wird mit Frank McCourt verglichen, und tatsächlich findet man bei ihr bisweilen den gleichen Überschwang, den gleichen schicksalsgeprüften Charme und den gleichen unmittelbaren Schockeffekt.« 
Swedish Book Review

»Susanna Alakoski hat einen faszinierenden Roman geschrieben … ihr ist die Vereinigung des Ästhetischen mit dem Existentiellen gelungen – Das Ergebnis ist große Literatur.«
Helsingborgs Dagblad

»Was Susanna Alakoskis Roman so eindringlich macht, ist, dass sie es schafft, Fakten und Ereignisse mit der gleichen Sparsamkeit aneinanderzureihen wie Hemingway und andere Vertreter des harten Realismus, und, ebenfalls wie sie, den Text mit einer elektrisierenden Spannung aufzuladen, die sofort auf die Leser überspringt und ihnen keine Chance lässt, den Deutungen zu entkommen, die im rasanten Erzähltempo auf sie einstürmen.«
Eskilstuna-Kuriren

»Die düstere Romanhandlung dreht sich um eine finnische Einwandererfamilie, die in so tiefer Armut lebt, dass der Alkoholrausch als einziger Ausweg erscheint. Und doch ist sie voll Vitalität und Überlebenswillen.«
Kulturrådet

Textauszug

Mama ging auf und ab. Unterm Tisch, wenn man den Rest vom Körper nicht sah, sahen ihre Waden viel dicker aus. Terrie und ich saßen mäuschenstill da, und obwohl wir uns die Ohren zuhielten, hörten wir alles, was sie sagte.

Papa fragte, ob es nicht normal war, dass sie einem die Regeln vorlasen. Mama schrie, nein, zum Teufel. Nicht so. Und diese Britta Petterson hat uns auch noch ein Nüchternheitsgelöbnis abverlangt, hast du das nicht gehört? Nicht einmal in Schweden darf man den Menschen ein Nüchternheitsgelöbnis abverlangen, wir wurden ja behandelt wie Menschen zweiter Klasse oder so, obwohl sie uns noch nie gesehen hatte. So schlimm war es auch wieder nicht, sagte Papa, und nun schien Mama richtig an die Decke zu gehen. Sie zählte Papa einen Haufen Sachen auf, die sie die Regeln nannte, mit einer Stimme, die ich nie zuvor gehört hatte:

Alle zwölf Jahre neue Tapeten.

Wir dürfen in der Wohnung nicht selbst streichen oder tapezieren – als ob wir das vorhätten.

Von der Stadt nicht genehmigte, selbst ausgeführte Renovierungsarbeiten werden vom Mieter bei Auszug vergütet – als ob wir trotz des Verbots als Allererstes renovieren würden.

Wir dürfen den Herd nicht eingeschaltet lassen, wenn wir einkaufen gehen – hast du das gehört, sie glaubt, dass ich den Herd eingeschaltet lasse!

Mamas Stimme wurde wütender und wütender. Die Waden wurden dicker und dicker.

Und die Waschküche soll ich wohl mit der Wurzelbürste scheuern, wenn ich mit Waschen fertig bin, und wir dürfen kein Essen an die Wände werfen, wenn wir uns streiten.

Wir dürfen keine Binden und Tageszeitungen in der Toilette hinunterspülen, und wir dürfen nach zehn Uhr abends keinen Krach machen. Und Rücksicht, wir sollen nicht vergessen, Rücksicht zu nehmen.

Verdammt noch mal, was glaubt die denn, dass wir Schweine sind oder was?

Jetzt ging Papa auf und ab. Dann sagte er, dass Mama nicht so viel darauf geben sollte. Das waren doch nur Regeln, und Regeln musste es schließlich geben. Alles würde gut, sagte er, wenn wir erst eingezogen waren.

Mama beruhigte sich, die Waden wurden wieder dünner. Sie sagte, ich wollte mich nicht so aufregen. Sie setzte sich, dann sagte sie, entschuldige, aber ich weiß nicht … ich hab mich so geärgert über … ja, über den Ton. Ich habe gehört, wie die von der Stadt Fridhem nennen: die Schweinehäuser.

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