edition fünf

Zora Neale Hurston

Vor ihren Augen sahen sie Gott

Roman
edition fünf (Band 7)

Deutsch und mit einem Nachwort von Hans-Ulrich Möhring

Neuübersetzung
Ganzleinenband, fadengeheftet, mit Prägung,
Geschenkbanderole und Lesebändchen, 272 Seiten
€ (D) 19,90
€ (A) 20,50

ISBN 978-3-942374-12-5

Erschienen August 2011
Vor ihren Augen sahen sie Gott
Inhalt

Eine Frau, ein Mann, die Liebe

Florida 1928. In einer einzigen Nacht erzählt Janie ihrer besten Freundin Pheoby, wie sie aufbrach, ein anderes Leben zu führen, wie sie den viel jüngeren Tea Cake traf, endlich das Glück fand und was geschah, als der große Hurrikan kam ... In Janies Geschichte geht es um nicht weniger als um das, was Menschen, ob Frau oder Mann, schwarz oder weiß, im Innersten ausmacht.

Von ihrer Reise kehrt Janie als ein neuer Mensch zurück – und mit ihr alle, die ihre Geschichte hören. Zu Recht gilt der Roman als eine der schönsten, traurigsten und herzergreifendsten Liebesgeschichten, die je geschrieben wurden.

Zur Autorin
Zora Neale Hurston
© Carl Van Vechten

Zora Neale Hurston (1891 – 1960) wuchs in Eatonville, Florida, einer rein schwarzen Gemeinde, auf. Erst als Erwachsene wurde ihr die soziale Bedeutung ihrer Hautfarbe bewusst. Im New York der 1920er gehörte sie zur Harlem Renaissance und veröffentlichte erste Texte. Als Anthropologin reiste sie viel, so auch nach Haiti, wo sie in nur sieben Wochen Vor ihren Augen sahen sie Gott schrieb. Sie starb von der Öffentlichkeit vergessen und in Armut. Heute wird sie in der englischsprachigen Welt gefeiert und verehrt. Hierzulande ist sie (noch) eine Entdeckung.

Pressestimmen

»In seiner Verankerung in Ort und Zeit liegt der Reiz dieses Romans – darin, dass Zora Neale Hurston die spezifische Situation einer schwarzen Frau in den Südstaaten zu Anfang des 20. Jahrhunderts nicht als Chiffre für eine allgemeingültige Selbstfindungsgeschichte benutzt, sondern sie als eigenständiges literarisches Thema ausgestaltet. Gerade deshalb hat dieser Roman in der amerikanischen Literatur traditionsbildend gewirkt.«
Jana Kühn, Bücher

»Zu loben ist vor allem die ganz wunderbare Neuübersetzung, in der dem Black American English genau der Raum gelassen wird, der Hurstons Sprache auch auf Deutsch zum Klingen bringt.«
Jana Kühn, Bücher

»Es ist nicht nur die anrührende Liebesgeschichte oder das Alltagsleben eines Negerdorfes, das den Leser in Bann schlägt. Es ist diese andere Sprache, ein langsamer, trauriger Gesang, der wie ein Nebenschleier über den Worten liegt. Ein fremder, aber zugleich vertrauter Ton. Hans-Ulrich-Möhring, der den Roman übersetzt hat, schrieb ein beachtenswertes Nachwort. Auch über die Herausforderung, die gesprochene Sprache der Zora Neale Hurston im Deutschen zum Klingen zu bringen.Es ist ihm bestens gelungen.«
Inge Obermayer, Nürnberger Zeitung

»Was für ein tolles, tolles Buch!«
Isabel Bogdan, is a blog

»Zora Neale Hurstons Literatur liest sich, als gäbe es sie seit Anbeginn der Welt, mehr noch, als wäre sie der Sound der Welt selbst. ... ›Vor ihren Augen sahen sie Gott‹ ist ein Buch über die Welt.«
Mithu Sanyal, Emma

»Ein 250 Seiten langer Blues-Song, eine außergewöhnliche Autorin.«
Stefanie Junker und Mithu Sanyal, WDR 5 Scala

»Eine der größten Schriftstellerinnen unserer Zeit.«
Toni Morrison

»Für mich gibt es kein wichtigeres Buch als dieses.«
Alice Walker

»Vor ihren Augen sahen sie Gott handelt von einer Frau, die eine Zeit braucht, bis sie den Mann findet, den sie wirklich liebt. Es handelt von der Entdeckung des eigenen Ichs im anderen und durch den anderen. Es zeigt, dass sogar die finstere, grausame Banalität des Rassismus weit in den Hintergrund treten kann, wenn man einen anderen Menschen versteht und von ihm verstanden wird. (…) Janie und Tea Cake »verfallen« einander nicht, sondern sie entdecken einander, und ihre gegenseitige Abhängigkeit erfüllt sie nicht mit Scham, sondern mit Stolz. (…) Ich habe das Buch verschlungen. Nach drei Stunden hatte ich es ausgelesen und viel geweint – über das tragische Ende, aber auch aus ganz anderen Gründen. (…) Was Hurston groß macht, ist nicht, dass sie ein Glied in der Kette schwarzer schreibender Frauen ist. Sondern Hurston selbst. Zora Neale Hurston – die genauso gut Ausdruck findet für menschliche Verwundbarkeit wie für ihre Stärke, die poetisch ist ohne kitschig zu werden, die romantisch und zugleich scharfsichtig ist und so beredt wie nur wenige über Sex zu schreiben versteht – ist genauso eine Ausnahme unter schwarzen Schriftstellerinnen wie Tolstoi unter weißen Schriftstellern.«
Zadie Smith

»Zora erfindet Tea Cake und schenkt ihn Janie, und weil seine Liebe so stark ist, dass er sie ganz nehmen kann, wird Janie zu sich selbst befreit und kann ihren Traum von Liebe gegen alle eigenen Bedenken und äußeren Angriffe wahrmachen.«
Hans-Ulrich Möhring im Nachwort

Textauszug

Schiffe in der Ferne haben jedermanns Wunsch an Bord. Für manche treffen sie mit der Flut ein. Für andere fahren sie immer am Horizont dahin, nie außer Sicht, nie ein in den Hafen, bis der Ausschauer resigniert die Augen abwendet, da ihm an der kalten Schulter der Zeit die Träume gestorben sind. So ist das Männerleben.

Frauen hingegen vergessen alles, was sie nicht behalten wollen, und behalten alles, was sie nicht vergessen wollen. Der Traum ist die Wahrheit. Dann gehen sie hin und handeln danach.

Am Anfang hier war nun eine Frau, und heimgekehrt war sie vom Begraben der Toten. Nicht dahingesiecht und entschlafen waren diese Toten, Freunde zu Häupten und zu den Füßen. Sie war heimgekehrt von den aufgedunsenen Wasserleichen, überrumpelt vom Tod, die richtenden Augen weit aufgerissen.

Die Leute sahen sie alle kommen, denn es war Abend. Die Sonne war schon fortgegangen, doch sie hatte ihre Fußspur am Himmel hinterlassen. Es war die Zeit, wo man am Straßenrand auf der Veranda sitzt. Es war die Zeit, wo man zuhört und sich erzählt. Die da saßen waren den lieben langen Tag zungenlose, ohrenlose, augenlose Nutzgegenstände gewesen. Mulis und anderes Viehzeug hatten in ihren Bälgen gesteckt. Jetzt aber war die Sonne fort und der bossman mit, und die Bälge fühlten sich stark und als Menschen.

Wie sie die Frau so daherkommen sahen, stieß ihnen der ganze Neid wieder auf, den sie von ehedem angesammelt hatten.

»Was denkt die sich, hier in so Latzhosen anzukommen? Hat die kein Kleid, was sie anziehen kann? – Wo ist das blaue Seidenkleid hin, wo sie hier mit weg ist? – Und wo ist das ganze Geld von ihrem Mann hin, was sie geerbt hat, wo er gestorben ist? – Was denkt die sich, mit vierzig noch die Zotteln so lang wie ’n junges Mädchen? – Wo hat sie den jungen Spund gelassen, mit dem sie hier abgezogen ist? – Wollte sie den nicht heiraten? – Wo hat der sie gelassen? – Was hat er mit ihrem ganzen Geld gemacht? – Wetten, der ist mit ’nem blutjungen Ding ab, dem noch nicht mal Haare wachsen. Was bleibt sie auch nicht in ihrer Klasse? – «

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