edition fünf
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Alice Pung

Ungeschliffener Diamant

Roman
edition fünf (Band 11)

Deutsch von Marieke Heimburger
Nachwort von N.N.

Deutsche Erstausgabe
Ganzleinenband, fadengeheftet, mit Prägung,
Geschenkbanderole und Lesebändchen, 344 Seiten
€ (D) 19,90
€ (A) 20,40

ISBN 978-3-942374-21-7

Erschienen August 2012
Ungeschliffener Diamant
Inhalt

Wunderland Australien: Über das Erwachsenwerden in einer globalisierten Welt

Alice kommt als Tochter chinesisch-kambodschanischer Einwanderer kurz nach deren Ankunft in Melbourne zur Welt und wächst dort zwischen zwei Kulturen auf, wie sie gegensätzlicher nicht sein könnten: hier die strenge Tradition der chinesischen Enklave, Hausgötter, Aberglauben und Alltagszeremonien, dort die Freiheit des westlichen Wunderlands, in dem alles möglich scheint. Schon bald kommt ihr die Welt der Eltern exotischer vor als die neue Heimat, wo der Vater einen Elektrohandel betreibt und sich in Arbeit stürzt, während die Mutter Goldschmuck fertigt und an der neuen Sprache scheitert. Irgendwann gehen Alice die Worte aus, um sich mit ihrer Mutter zu verständigen. Mal ernst und verzweifelt, dann wieder leichtfüßig ironisch entfaltet dieses erzählerische Juwel seinen unwiderstehlichen Charme.

 

Zur Autorin
Alice Pung
© privat

Alice Pung, geb. 1981, lebt als Anwältin und Schriftstellerin in Melbourne, engagiert sich an Schulen und hält zahlreiche Vorträge an Universitäten in aller Welt. Ungeschliffener Diamant ist ihr erster Roman, er erschien 2006, stand auf zahlreichen Shortlists und wurde 2007 als bestes australisches Debüt ausgezeichnet.

»Alice Pung ist ein Juwel. Ihre Stimme ist einzigartig.« Amy Tan

Pressestimmen

»Ein überaus lesenswerter Roman.«
Doris Hermanns, Virginia

»Ein intelligenter Kulturvergleich.«
Ellen Pomikalko, BuchMarkt

»Ein faszinierender autobiografischer Roman.«
Gabriele Pagenhardt von Mainberg auf Suite101.de

»Alice Pung ist ein Juwel. Ihre Stimme ist einzigartig.«
Amy Tan

»Ganz großes Geschichtenerzählen.«
The Australien

»Pung besitzt Sylvia Plaths Talent für köstlich trockenen Humor und leidenschaftliche, messerscharfe Prosa. Ihre Autobiographie ist zum Lachen, zum Weinen und erstaunlich weise.«
Sunday Times

 

Textauszug

»Hast du schon einen richtigen Namen für das Baby gefunden?«, fragt meine Großmutter ihren Sohn. Sie empfindet nur Verachtung für Eltern, die ihren Kindern keine chinesischen Namen geben. Glaubten die denn wirklich, neue, kalkweiße Namen würden die Augen der Außenwelt dafür öffnen, dass die gelbe Rose genau so schön ist wie die weiße Daisy?

»Aber ja«, sagt mein Vater. »Und nicht bloß Strahlender Diamant oder Blühende Orchidee – wie jedes zweite Mädchen heißt!« Er hält ein kleines Buch hoch, auf dessen Umschlag außergewöhnlich schöne lächelnde Menschen aller Hautfarben die Köpfe stocksteifer Tiere tätscheln. Die chinesischen Schriftzeichen auf dem Umschlag bedeuten Die gute Nachricht für dich. Er hat das Buch von freundlichen Weißen geschenkt bekommen, und es verspricht das Ende aller Leiden.

»Gute Nachricht.«

»Gute Nachricht?« Meine Großmutter klingt konsterniert.

»Ja, Gute Nachricht!«, erwidert mein Vater, weil hier das Paradies ist und sein Baby darin geboren wurde.

Nun muss mein Vater noch einen englischen Namen finden, weil seine Tochter einen Namen braucht, den die Scharen ihrer künftigen weißgesichtigen Freundinnen sich merken können, aber es darf keiner sein, in den sie nicht auch hineinwachsen kann.

Die meisten Eltern gehen auf Nummer sicher und halten sich an die Liste im Namensbuch aus dem Krankenhaus. Aber neben den Lin-dahs und Day-vids dieser Welt finden sich auch Namen mit tieferer Bedeutung. Auf der anderen Straßenseite zum Beispiel wohnt ein Junge, der Ao heißt – nach der ersten Hälfte des kantonesischen Wortes für Australien. Im New Star Supermarkt arbeiten ein chinesischer Junge, der Freedom heißt, und ein vietnamesisches Mädchen, das Visa heißt. Und Richard hat seinen Namen, weil es das Wörtchen »rich« enthält – reich. (…)

Mein Vater erinnert sich an eine Geschichte aus England, die er als Junge gelesen hat und die von einem Mädchen handelt, das sich in einem Zauberland wiederfindet. Und jetzt hat er eine Tochter, die hier in diesem Wunderland aufwachsen und Dinge wie Sicherheit, Überfluss, Demokratie und das kleine grüne Ampelmännchen für selbstverständlich halten wird. Sie wird ohne Hungersnöte großwerden. Sie wird auf die Große Schule gehen und alles lernen, was sie möchte. Und dann wird sie an der Universität studieren und natürlich Anwältin werden und Day-vid, den Herzchirurgen, heiraten.

»Dieses Mädchen wird ein gutes Leben haben«, sagt meine Großmutter. »Sieh sie dir an, wie sie den Reisbrei wegschiebt! Welches Kind unter Pol Pot hätte sich den Luxus leisten können, Essen zu verweigern. Ja, dieses Mädchen wird wirklich ein gutes Leben haben!«

 

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