edition fünf
Auch als epub in Ihrem
ebook-shop erhältlich.

Marilynne Robinson

Haus ohne Halt

Roman
edition fünf (Band 13)

Deutsch von Sabine Reinhardt
Neu überarbeitet und mit
einem Nachwort von Karen Nölle

Neue, überarbeitete Ausgabe
Ganzleinenband, fadengeheftet, mit Prägung,
Geschenkbanderole und Lesebändchen, 256 Seiten
€ (D) 19,90
€ (A) 20,40

ISBN 978-3-942374-23-1

Erschienen August 2012
Haus ohne Halt
Inhalt

Von Landstreicherinnen und Heimatlosen – ein Buch über Fremdheit, Stille, Anderssein

Ein kleiner Ort inmitten grandioser, übermächtiger Natur an einem Gebirgssee in den Rocky Mountains, Mitte der 1950er. Hier wachsen im Haus ihrer Großeltern die Schwestern Ruth und Lucille auf, die beide Eltern verloren haben. Nach dem Tod der Großmutter kehrt ihre exzentrische Tante Sylvie zurück, um die Erziehung der Mädchen zu übernehmen. Trotz aller Bemühungen ihnen ein Heim zu bereiten, ist es ihr nicht gegeben, einen Haushalt zu führen, wie es sich gehört – das Haus selbst scheint sich gegen alle Ordnung aufzulehnen, und im Ort werden die drei zunehmend zu Außenseiterinnen. Doch während die träumerische Ruthie sich vom unkonventionellen Vagabundenleben der Tante angezogen fühlt, sehnt sich die jüngere Lucille nach einem geregelteren Leben. Die beiden Schwestern werden einander immer fremder ...

Eine gefühlskluge Geschichte über Heimatlosigkeit und Zugehörigkeit, voller Magie und Poesie. Die Pulitzer-Preisträgerin Marilynne Robinson, hierzulande noch nahezu unbekannt, ist eine der wichtigsten Schriftstellerinnen der Gegenwart.

Zur Autorin
Marilynne Robinson
© Nancy Crampton

Marilynne Robinson wurde 1943 in Sandpoint, Idaho, am See aus Haus ohne Halt geboren. Sie studierte in Rhode Island Englische Literatur, promovierte in Washington und lehrte als Writer-in-Residence und Gastprofessorin an zahlreichen Universitäten. Heute unterrichtet sie am Writer’s Workshop in Iowa.

Pressestimmen

»Marilynne Robinson hat dieser dramatischen Landschaft, in der sich die Menschen täglich aufs Neue ihrer Hilflosigkeit bewusst wurden, mit ihrem Roman ein eindrucksvolles Denkmal gesetzt.«
Nicole Henneberg, Frankfurter Allgemeinen Zeitung

»Ein verstörendes Buch, weil es nicht in Kategorien zu fassen ist […]. Ich hoffe sehr, dass diese Wiederentdeckung in der edition fünf … dazu führt, dass diese Autorin auch hierzulande bekannter wird.«
Rainer Moritz im »Literaturclub« des Schweizer Fernsehen

»Während man diese Geschichte einer Entfremdung liest, erwartet man, dass sich die an ihre Kindheit erinnernde Ich-Erzählerin am Ende in einer reifen und gewöhnlichen Erwachsenenwelt eingerichtet haben wird. Dass und wie die Autorin diese Erwartung konterkariert, das ist überraschend und von großer literarischer Stärke: Sie hält ein Plädoyer für das – nicht nur literarische – Außenseitertum.«
Manuela Reichart, Deutschlandradio Kultur

»Ein eindrucksvoller Roman, der durch seine genaue Beobachtung fasziniert.«
Sabine Grunwald in »Aviva«

»Ein ungemein dicht geschriebenes Buch«
Rainer Moritz bei NDR Kultur

»Der Roman lässt Dinge einfach stehen, das heißt, die Figuren oder Situationen behalten ihr Geheimnis. Es gibt Passagen, die durchaus verrückt sind oder wahnhaft, ohne aufgelöst zu werden. Es gibt einen Sog, in den man hineingerät, und fragmentarische Momente, obwohl es eine in sich geschlossene und zusammenhängende Geschichte ist. Er hat einen großen Reiz, eine große Kraft, einen als Leser, als Leserin hineinzuziehen.«
Manuela Reichart im Gespräch mit Barbara Wahlster bei WDR3

»Eine unvergessliche, poetische Geschichte, durchtränkt von Wasser und Licht. … Einer der hundert besten Romane aller Zeiten.«
The Observer

»Marilynne Robinson hat im Laufe ihrer dreißigjährigen Schriftstellerkarriere nur drei Romane veröffentlicht, aber jeder dieser Romane ist ein Meisterwerk. Wenn ich sage, dass ich Marilynne Robinsons Werk liebe, dann meine ich nicht die Hälfte; ich meine jedes Wort.«
Mark O’Connell, The New Yorker

»Ein Roman von ganz außerordentlicher Raffinesse … so leise humorvoll wie herzzerreißend traurig.«
Evening Standard

»Dieser Roman macht die Natur der nördlichen Rocky Mountains genauso zur Figur des Romans wie die unvergesslichen Schwestern, die seinen Kern ausmachen und deren Heimatort ›durch eine übermächtige Landschaft und launenhaftes Wetter sowie durch das Bewusstsein geduckt war, dass sich die gesamte Menschheitsgeschichte anderswo abgespielt hatte.‹«
Philip Connors, The Guardian

 

 

Textauszug

Mein Name ist Ruth. Ich bin mit meiner jüngeren Schwester Lucille unter der Obhut meiner Großmutter, Mrs Sylvia Foster, aufgewachsen, und als sie gestorben ist, unter der Obhut ihrer Schwägerinnen, Miss Lily und Miss Nona Foster, und als die geflüchtet sind, unter der Obhut ihrer Tochter, Mrs Sylvia Fisher. Mit all diesen Ahnengenerationen haben wir in demselben Haus gewohnt, dem Haus meiner Großmutter, für sie gebaut von ihrem Mann, Edmund Foster, einem Eisenbahnangestellten, der diese Welt, Jahre bevor ich sie betrat, verließ. Durch ihn sind wir in diesem hoffnungslosen Kaff gelandet. Er war im Mittleren Westen aufgewachsen, in einem Haus, das in die Erde eingelassen war, mit Fenstern eben über dem Boden und eben auf Augenhöhe, so dass es von außen ein bloßer Buckel war, kaum mehr eine menschliche Behausung als ein Grab …

Eines Frühlings verließ mein Großvater sein unterirdisches Haus, wanderte zur Eisenbahn und bestieg einen Zug nach Westen. Dem Schalterbeamten sagte er, er wolle in die Berge, und der Mann sorgte dafür, dass er hier abgesetzt wurde, was vielleicht nicht mal als böser Scherz oder überhaupt als Scherz gemeint war, denn hier gibt es Berge, unzählige Berge, und wo keine Berge sind, gibt es Hügel. Das Gelände, auf dem die Ortschaft errichtet wurde, ist ziemlich eben, da es ehemals zum See gehörte. … Im Frühling kehrt der alte See noch manchmal zurück. Man öffnet eine Kellertür, und da schwimmen Gummistiefel mit den hellen Sohlen nach oben, und Bretter und Eimer schwappen gegen die Schwelle, und die Treppe ist von der zweiten Stufe an nicht mehr zu sehen …

Als mein Großvater seinen Zielbahnhof erreichte, hatte er eine Anstellung bei der Eisenbahn. Er muss sich mit einem Schaffner angefreundet haben, der ungewöhnlichen Einfluss besaß. Die Stelle war keine besonders gute. Er war Bahn- oder vielleicht Stellwärter. Jedenfalls ging er bei Anbruch der Nacht zur Arbeit und lief bis zum Morgengrauen mit einer Lampe umher. Aber er war ein pflichtbewusster und fleißiger Arbeiter, der zur Beförderung bestimmt war. Binnen zehn Jahren beaufsichtigte er das Be- und Entladen von Vieh und Fracht, und nach weiteren sechs Jahren war er der stellvertretende Bahnhofsvorsteher. Er hatte diesen Posten zwei Jahre inne, als sein irdisches- und sein berufliches Leben, bei der Rückkehr von einer Besorgung in Spokane, durch eine spektakuläre Entgleisung ein Ende fand.

Nach oben

© Edition Nautilus GmbH - Gestaltung: Maja Bechert