edition fünf
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Marchesa Colombi

Ein Bräutigam fürs Leben

Roman
edition fünf (Band 14)

Deutsch von Christine Gräbe
Mit einer Einführung von Natalia Ginzburg

Neuübersetzung
Ganzleinenband, fadengeheftet, mit Prägung,
Geschenkbanderole und Lesebändchen,
mit Zeichnungen von Kathleen Bernsdorf, 136 Seiten
€ (D) 17,90
€ (A) 18,40

ISBN 978-3-942374-24-8

Erschienen August 2012
Ein Bräutigam fürs Leben
Inhalt

Hoffen, Bangen, Schweigen – die lakonische Geschichte eines Entkommens

Mit schnörkelloser Raffinesse und feiner Ironie wird die Geschichte von Denza erzählt, die früh die Mutter verliert. Der ohnehin ereignislose Alltag wird noch trister, als sie eine Stiefmutter bekommt. Nichts wünscht sie sich sehnlicher, als dem ebenso kleinbürgerlichen wie verschrobenen Elternhaus zu entkommen. Im Piemont des 19. Jahrhunderts gibt es nur einen Weg hinaus: Heiraten. Und so verliebt sich Denza in einen Verehrer, den sie gar nicht kennt. Schon bevor sie ihm endlich begegnet, weiß sie, es ist Liebe. Wann wird er ihr endlich den ersehnten Antrag machen?

Mitte der 1970er empfahl Natalia Ginzburg diesen kleinen Roman von 1885 Einaudi zur Neuveröffentlichung: Als Kind habe sie den Text wieder und wieder gelesen, als Erwachsene neu entdeckt und überrascht festgestellt, dass sie in ihrem eigenen Schreiben jene bitterfrohen Züge zu schaffen suchte, die dieser Geschichte ihren Reiz verleihen. Diese Klassikerin des späten 19. Jahrhunderts ist ein edition fünf-Titel par excellence: Ein Vorbild weiblichen Schreibens der italienischen Literatur.

 

Zur Autorin

Marchesa Colombi ist das Pseudonym der italienischen Schriftstellerin Maria Antonietta Torriani (1840-1920), die Lehrerin war, bevor sie sich mit Soziologie und Feminismus beschäftigte und zu schreiben begann. In der Mailänder Gesellschaft des späten Ottocento eine Berühmtheit, war sie nach ihrem Tod lange in Vergessenheit geraten.

Pressestimmen

»Man darf den Bericht aus Mädchensicht getrost als doppelbödig einstufen. Mehr noch, er ist von beißender Ironie.«
Niklas Bender in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

»Von der ersten Seiten an erkennt man die Stimme einer Autorin, die einem alles erzählen kann. Dass man ihr immer zuhört, liegt an der feinen Ironie, die über allem liegt.«
Italo Calvino

»Mit großer Bravour gelingt es der Autorin, die Gedankengänge und Gedankensprünge der Protagonistin glaubhaft zu schildern.«
L’Occidentale

 

 

Textauszug

Aus der Einführung von Natalia Ginzburg

Diesen Roman las ich vor sehr langer Zeit. Meine Mutter entdeckte ihn zufällig an einem Stand mit alten Büchern. Sie wollte ihn mir schenken, weil ich oft jammerte, ich hätte nichts zu lesen. Das Exemplar, das sie erwarb, war in dunkelblaues Packpapier eingeschlagen, auf dem der Name der Autorin sowie der Titel in Tinte geschrieben standen, in kantiger, krummer, schwankender Schrift. Ich war damals etwa sieben Jahre alt. (…) Zwischen meinem siebenten und vierzehnten Lebensjahr las ich den Roman immer und immer wieder. (…) Ich fand ihn nicht einmal besonders schön und las ihn heimlich, weil man mir vorwarf, ich wäre faul und würde immerzu die gleichen Bücher lesen, dabei kannte ich ihn in bis ins letzte Detail und wusste ihn satzweise auswendig. (…) Irgendwann ging das Buch verloren. Ich las andere Bücher, die ich sehr mochte, und während ich heranwuchs, wuchs meine rigorose Abscheu gegenüber allem, was hinter mir lag. (…)

Erst viel später hielt ich »Ein Bräutigam fürs Leben« erneut in Händen. In der Zwischenzeit war ich erwachsen geworden. Als ich es nun wieder las, stieß ich in jedem Wort auf meine Kindheit. Außerdem fiel mir auf, dass ich, wenn ich daran gedacht hatte, eigene Romane zu schreiben, diese ziemlich oft in ein winterliches Licht getaucht hatte, dass ich immer gehofft hatte, den Schauplätzen und Figuren die gleichen bitterfrohen Züge zu verleihen, wie ich sie hier vorfand. Ohne mir dessen bewusst zu sein hatte ich diesen Roman immer im Gedächtnis behalten, ihm aber irgendwann keinerlei bewusste Aufmerksamkeit mehr geschenkt.

(…) Ich glaube für jeden von uns gibt es im Leben so ein Buch, das wir als Kinder nicht nur gelesen, sondern wie ein Zimmer erkundet und bis in den letzten Winkel durchstöbert haben. Ein solches Buch, das wir erkundet haben wie ein Zimmer, in dem wir geforscht haben wie in einem Gesicht, in allen Zügen, in jeder Falte, können wir nicht mehr beurteilen wie andere Bücher, weil es für uns aus dem Reich der Literatur herausgetreten ist, um in unserer Erinnerung und in unserem Herzen zu leben.

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