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Mithu M. Sanyal

Vergewaltigung

Aspekte eines Verbrechens

Originalveröffentlichung
Broschur, 240 Seiten
€ (D) 16,–

ISBN 978-3-96054-023-6

Erschienen August 2016
Vergewaltigung
Inhalt

»Die Art, wie wir über Vergewaltigung denken, steht in einem erschütternden Verhältnis zu der Art, wie wir über Sex denken – und damit sind Sexualität und Geschlecht gleichermaßen gemeint.« Mithu Sanyal

Die Silvesternacht 2015/16. Zu Tode misshandelte Frauen in Indien. Kachelmann, Polanski, Assange, Strauss-Kahn … Am Thema Vergewaltigung entzünden sich immer wieder erbitterte Debatten, manifestiert sich die Haltung der gesamten Gesellschaft gegenüber Geschlecht, Sexualität und Verletzbarkeit. Doch trotz breiter medialer Berichterstattung gibt es bis jetzt keine umfassende, sachliche Auseinandersetzung mit diesen Zusammenhängen. Mithu M. Sanyal schließt diese Lücke.

Sie zeichnet nach, wie wir als Gesellschaft über Vergewaltigung reden und wie sich das wiederum auf die Realität von Vergewaltigung auswirkt. Beim Sprechen über sexuelle und sexualisierte Gewalt halten sich hartnäckig die Vorstellungen von aktiver, aggressiver Männlichkeit und passiver, bedrohter Weiblichkeit. In diesem Zusammenhang betrachtet Sanyal auch die Rolle, die Rassismus spielt, was sexuelle Selbstbestimmung und Konsens wirklich bedeuten, und wie über die Jahrhunderte nicht nur Sexualität, sondern auch Gewalt gegendert wurde.

Von Aristoteles bis #aufschrei und #ausnahmslos, über Foucault, feministischen Kämpfe um die Anerkennung von Vergewaltigung bis hin zu Gina-Lisa Lohfink geht Sanyal der Frage nach, wie Vergewaltigung gesellschaftlich verhindert werden kann. Was heißt »Nein heißt nein«? Was heißt »ja heißt ja«? Und welche Debatte müsste sich jetzt an die Reform des §177 StGB anschließen?

Zur Autorin
Mithu M. Sanyal
© Regentaucher.com

Dr. Mithu Melanie Sanyal ist Kulturwissenschaftlerin, Autorin und Journalistin. Für ihre Arbeit als Feature- und Hörspielautorin für den Rundfunk wurde sie bereits mehrfach ausgezeichnet. Sie ist Referentin für Genderfragen und Dozentin an verschiedenen Universitäten, schreibt unter anderem für WDR, Deutschlandfunk, taz, SPEX, Missy Magazine, VICE.

Ihr Buch Vulva. Die Enthüllung des unsichtbaren Geschlechts (Wagenbach, 2009) wurde bisher in fünf Sprachen übersetzt. Außerdem ist sie Co-Autorin von Ich bin kein Sexist, aber… (Orlanda). Ihr Buch Vergewaltigung. Aspekte eines Verbrechens ist im August 2016 in der Edition Nautilus erschienen.

Termine
Mithu M. Sanyal: Vergewaltigung:
Leverkusen | Donnerstag, 5. Oktober, 19 Uhr | | Benefiz-Veranstaltung mit Mithu M. Sanyal zu ihrem Buch Vergewaltigung | Buchvorstellung und Gespräch | | Veranstaltungsort: Stadtbibliothek Leverkusen, Friedrich-Ebert-Platz 3d, Eingang Rathausgalerie | | Eintritt: € 8,- | In Kooperation mit Frauenbüro und Stadtbibliothek Leverkusen
Stuttgart | Samstag, 14. Oktober, ab 13 Uhr | | WE ALL CAME OUT OF A PUSSY | Vorträge, Musik und Performances | mit Mithu Sanyal, Perigon, Queers and Guitars, amy.g.dala, Phyllis Blessing u.v.m. | | Veranstaltungsort: Theater Rampe, Filderstrasse 47 | | Eintritt frei | | Eine Veranstaltung von FF*GZ im Rahmen des Kick-Off-Fest

Landshut | Donnerstag, 26. Oktober, 19.30 Uhr | | Vortrag | | Veranstaltungsort: Bücher Pustet, Altstadt 28 | | Eintritt 5,- EUR / 3,50 EUR ermäßigt | | Eine Veranstaltung von den Frauenhäusern der AWO und Caritas, Hochschule Landshut/Fakultät Soziale Arbeit und Bücher Pustet
Alle Termine unserer Autoren finden Sie auf unserer News-Seite
Pressestimmen

»Mithu Sanyal bringt Aufklärung in einen irrationalen Diskurs, faktenreich, objektiv und plausibel«
Eva Thöne, SPIEGEL ONLINE

»Mithu Sanyal schreibt so souverän beschwingt, dass das Lesen gleichzeitig Spaß und klug macht. Vor allem enthysterisiert sie die Debatte, indem sie die Tat entmystifiziert und die Täter auf Menschenmaß stutzt.«
Pieke Biermann, Deutschlandradio Kultur

Textauszug

Im Vergewaltigungsskript gibt es nur zwei Geschlechter: Täter und Opfer. Wer Vergewaltigung sagt, denkt an aggressive Männer und ängstliche Frauen, an Penisse als Waffen und Vaginas als ungeschützte Einfallstore in ebenso ungeschützte Körper; oder weniger martialisch: an Männer, die meinen, »ein Recht« auf Frauenkörper zu haben. Um die Rechte dieser Frauenkörper zu verteidigen, prägte die Frauenbewegung in den 1970er Jahren die Parole »Nein heißt nein!«, die noch heute die Anti-Vergewaltigungs-Politik maßgeblich bestimmt. Diese Parole hat, wie im nächsten Kapitel ausgeführt wird, eine Geschichte und eine Funktion, doch bricht sie nicht mit den Vorstellungen, auf denen der Vergewaltigungsdiskurs basiert, nämlich: dass Männer sexuell aktiv bis überaktiv sind, während sich die Aktivität der Frauen auf Nein-Sagen beschränkt, dass männliche Sexualität monströs und gefährlich ist, gegenüber der »guten« weiblichen Sexualität und so weiter. 

Auch ich habe »Nein heißt nein!« auf zahllosen Demonstrationen, auf zahllosen Transparenten durch die Gegend getragen und mir mit Kajal auf den Bauch geschrieben (zusammen mit »Mein Körper gehört mir« und »Mein Bauch gehört mir«). Um die Welt von Vergewaltigung zu befreien, schien es ein kleiner Preis, dass sich unser Stil an diesem Punkt nur unwesentlich von der Rhetorik derjenigen unterschied, gegen die wir doch eigentlich kämpften. »Welchen Teil von Nein verstehst du nicht?« war wenigstens witzig und es enthielt noch einen Hauch von Austausch. Doch »Nein heißt nein« war das Äquivalent zu »Noch ein Wort und du gehst ohne Abendbrot ins Bett.« 

 

Mehr zum Lesen: Leseprobe 

 

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