Belletristik / Krimi

Paco Ignacio Taibo II

Auf Durchreise

Roman

Deutsche Erstausgabe
Gebunden mit Schutzumschlag, 139 Seiten
€ (D) 12,80
€ (A) 13,20

ISBN 978-3-89401-273-1

Auf Durchreise
Inhalt

Mit wenig mehr als einem Werkzeugkasten und einem Revolver ausgerüstet, treibt sich ein gewisser Sebastián San Vicente im Mexiko der zwanziger Jahre herum. Der Anarchist und Gewerkschaftsorganisator, Seemann und Mechaniker aus Gijón, Spanien, ist auf der Flucht vor dem FBI. Je mehr seine Spur sich in der Atmosphäre revolutionärer Gärung verliert, desto heftiger gerät er in die Dynamik des Widerstands. Das Mexiko Emiliano Zapatas und Pancho Villas gewinnt in diesem Roman die Konturen eines Kontinents, wie er als Vision in den Bildern eines Diego Rivera, einer Frida Kahlo erschien.

San Vicente, diesen Aktivisten auf Durchreise, zu orten – darin besteht das Abenteuer des Autors. In 55 kurzen Kapiteln heftet Paco Ignacio Taibo II sich an die Fersen einer Gestalt, deren Existenz zwischen verbürgten Tatsachen und dichterischer Phantasie zugunsten einer einer geheimnisvollen Bestimmung zu verglühen scheint.

Zum Autor
Paco Ignacio Taibo II

Paco Ignacio Taibo II, 1949 in Gijon (Spanien) geboren, lebt als Schriftsteller, Journalist und Historiker in Mexiko. Begründer des neuen lateinamerikanischen Kriminalromans. Seine bisher 19 veröffentlichten Bücher wurden in 21 Sprachen übersetzt.

Weitere Titel in der Edition Nautilus:
CHE
Olga forever

Pressestimmen
»Taibos Detektivgeschichten sind sowohl beste Krimi-Literatur als auch präzise Chroniken der mexikanischen Gesellschaft: realistisch, engagiert und von einem höchst subtilen Humor geprägt.«
ORF

»Taibos Roman zeigt faszinierende Momentaufnahmen, verwendet Dokumente, arbeitet mit Psychogrammen eines Mannes, der, obschon ein Bombenleger, mit Engelszungen reden kann.«
Neues Deutschland

»Ein schönes, ermutigendes – und sehr witziges Buch.«
Berner Tagwacht

»Auf Durchreise macht auf unspektakuläre Weise die Ingredienzen lateinamerikanischer Erzählkunst deutlich: Die Handlung ist knapp und durchgehend spannend aufgebaut, dementsprechend direkt und ohne schmückende Umschweife sind auch die Dialoge gehalten.«
Vorarlberger Nachrichten

»Der neue Roman von Taibo ist wieder ein wahres Feuerwerk aus Imagination, Dichtung und Wahrheit ... Ein spannend zu lesendes Zeugnis von einer Zeit, die hier längst vergessen ist, in vielen Teilen der Welt aber immer noch sehr lebendig ist.«
TERZ

Textauszug

»Hol den Mord aus der

venezianischen Vase

und schleuder sie auf die Gasse«

Raymond Chandler

 

»Und sieh zu, daß die Vase

(samt Inhalt und Mord)

deinen Verfolger in die Eier trifft«

Gerardo de la Torre

 

Ich wollte weder den Namen einer halb verhurten Erbin von Porfirio Díaz, noch habe ich darum gebeten, in der geschmacklosen Entbindungsanstalt der Colonia Valle das Licht der Welt zu erblicken, noch betätige ich mich als Freiwillige in Mexiko-Stadt, falls es in dieser Stadt überhaupt noch Freiwillige geben sollte. Und Journalistin wollte ich schon gar nicht werden, als ich fünf Jahre alt war.

Ich wollte keine Journalistin werden. Ich wollte zur Feuerwehr, wie jede normale Mexikanerin, wenn sie jung ist. Nachdem ich mit viereinhalb Jahren eine Identitätskrise durchgemacht hatte, die mich zwang, mich zwischen einer Zukunft als Trapezkünstlerin oder Eigentümerin einer Konditorei zu entscheiden, und angesichts der Möglichkeit, mich zu irren, war es dann also Feuerwehrfrau. Aber das Leben spielt Roulette mit den Einheimischen von Mexiko-Stadt und wirft uns von einer Ecke in die nächste. Es überhäuft uns mit Liebesbeweisen, wenn es uns nicht gerade in plumpen Haßtiraden verzehrt, die für den Aufstieg in die oberste Liga zählen. Mexiko-Stadt nutzt es aus, daß wir 23 sind und daß wir uns die Stadt nicht in die Pussy schieben können, so sehr auch die weibliche Masturbation durch den Hite-Bericht abgesegnet worden ist. Nix zu machen, wie der Kosake sagte, als er ins Horn blies. Ich war Journalistin. Nix zu machen.

»Olga Lavanderos, Sie sind ein nichtsnutziges Luder und scheren sich nun zwei Tage nach Hause zu Ihrer verfluchten Mutter«, erklärte mir am Morgen, an dem diese Geschichte

begann, der Redaktionschef, ein grober Flegel, der eigentlich nicht einmal des Machismus beschuldigt werden konnte, da er Männer und Frauen gleichermaßen beleidigte, und den es einen feuchten Dreck interessierte, was ich ihm über meine Nebenhöhlenverschleimung und Bindehautentzündung zu sagen hatte, mit denen ich mich herumplagte und die mich gezwungen hatten, drei Tage von der Arbeit fernzubleiben.

All das ging ihm also mehrere Meter am Arsch vorbei.

Einige Tage später hätte ich ihm dankbar sein müssen, dass er mich zufälligerweise in diese Geschichte gestoßen hat. Eine Geschichte, die mit dem besten Beruf der Welt zu tun hat, ein Beruf, bei dem du nicht genug zum Essen verdienst und der dir, solltest Du auf die Idee kommen, einen poetischen Satz in einen Leitartikel zu schmuggeln, nichts weiter als einen Tritt in die Eierstöcke einbringt, mit dem du forever zum Krüppel wirst.

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