Belletristik / Krimi

Franz Dobler

Auf des toten Mannes Kiste

Get Country & Rhythm!

Mit Gastbeiträgen von Eugene Chadbourne, Wiglaf Droste, Jonathan Fischer und Ed Ward.

Originalveröffentlichung
Broschur, 160 Seiten, mit zahlreichen Abbildungen
€ (D) 13,80
€ (A) 14,20

ISBN 978-3-89401-337-0

Erschienen 1999
Auf des toten Mannes Kiste
Inhalt

Auf des toten Mannes Kiste« versammelt Momentaufnahmen eines Fans, der sein Terrain neugierig erkundet: Es sind eher Abenteuer eines Greenhorns als Verlautbarungen eines wandelnden Musiklexikons. Auf Doblers Streifzügen tauchen amerikanische Klassiker wie Hank Williams oder Johnny Cash ebenso auf wie große Außenseiter (etwa Charlie Feathers und Hasil Adkins), aber auch Klischee-Zerstörer und Newcomer jenseits von kommerzialisiertem Nashville-Sound und karnevalesker deutscher Spaßkultur. Angereichert sind die einzelnen Beiträge mit Anekdoten und Zitaten, mit Persönlichem und Aktuellem – sei es das Ende einer Lieblingskneipe, der Tod des Vaters oder der Krieg in Jugoslawien. Sie sind verfaßt für all jene, zu deren musikalischen Grundnahrungsmitteln auf des toten Mannes Kiste auch die Melancholie eines Lovesick Blues und das Stampfen des Honky Tonk gehören. Und wie man weiß, stoßen inzwischen auch hierzulande immer mehr Leute zu dieser heterogenen Bande.
Auch die Gastbeiträge von Eugene Chadbourne (über Nashville), Wiglaf Droste (über Kinky Friedman), Jonathan Fischer (über Black Country) und Ed Ward (über die Geschichte der Country Music), zahlreiche Abbildungen und das ausführliche Register unterstreichen die Aufforderung des Untertitels: Get Country & Rhythm!

Zum Autor
Franz Dobler

Franz Dobler, geb. 1959, lebt seit 1991 in Augsburg. Schriftsteller, Hörspiel-, Radio- und Zeitungsautor, Herausgeber der CD-Serie Perlen deutschsprachiger Popmusik (Trikont/Unsere Stimme), Discjockey.

Weitere Titel in der Edition Nautilus:
Bierherz
Sprung aus den Wolken
Tollwut
 

 

Textauszug

Hereinspaziert zur ersten Sitzung unserer netten kleinen Randgruppe! Wieso Randgruppe – haben wir nicht Tausende von Truckern (samt Ehefrauen) da draußen auf unserer Seite?! Von mir aus gerne, aber auf unserer Flagge steht der Schlachtruf von XXS-Records: »Corporate Country Still Sucks!« Allerdings habe ich auf vereinsmäßig organisiertem Countrygebiet auch schon die schönsten Sachen erlebt.
Also laßt alle Hoffnung fahren, Garth-Brooks-Fans! Ihr gebt am Eingang allen Brooks-Kram ab, und wenn ihr dann im Fegefeuer alle Truckstop-Platten zehnmal angehört habt, sehen wir weiter. Wir mögen für manche erschreckend amerikanophil sein, aber viel in Nashville sind wir nicht, jedenfalls nicht in dem, wie wir's zu kennen glauben – »Waylon Jennings hielt in einer langen schwarzen Limousine neben mir, als ich in einem früheren Leben in Nashville gerade zum Waschsalon ging, und sagte: Los, steig ein. Laufen ist schlecht fürs Image.« (Kinky Friedman).
Mich hat es vor gut zehn Jahren in dieses äußerst seltsame Land namens Country verschlagen. Schuld waren Tav Falco und seine brennenden Panther und mehr noch der alte Mann aus Memphis, dem er noch mal auf die Beine geholfen hatte, Charlie Feathers: nicht nur bekannt als der Mann, der Elvis die Gitarre erklärt hat, sondern auch als einer der größten Aufschneider vor dem Teufel. Dennoch will ich zu Beginn erst mal einen Blick vor die Haustür riskieren, was in der Regel heißt, sich im Geschützdonner deutscher Country & Western-Musik lieber gleich den Tod zu wünschen – aber halt: Da schleichen ein paar trübe Gestalten an den Hauswänden entlang. Deserteure, die sich zu einer Armee im Schatten formiert haben. Sie tragen so streitbare Namen wie One Million Dollar Records oder eben XXS-Records, die Anfang des Jahres als erste Veröffentlichung den (nur Vinyl) Sampler »13 Golden Kantrie Greats« abgeworfen haben – vorneweg mit der jedes menschliche Herz erobernden »Die Braut haut ins Auge«-Bassistin Peta Devlin, mit dem von Mobile, Alabama nach Köln ab-gedrifteten, erfahreneren Okra-Allstar Hank McCoy und mit der Hamburger Sonderschüler-Combo FINK. Und FINKs CD »Vogelbeobachtung im Winter« (XXS/Vertrieb: Indigo) schlägt jetzt gut ein. Damit war nicht zu rechnen, und man will's eigentlich auch nicht glauben: Es ist nicht nur eine Combo, die im Genre New Country bestens mithalten kann – Nils Koppruch singt auch noch deutsche Texte! Bei denen man nicht sofort in Schreikrämpfe verfällt! (...)

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