Belletristik / Krimi

Kriki

Im Reich der Schnitte


Originalveröffentlichung
Gebunden, 144 Seiten, reichhaltig illustriert
€ (D) 5,–  Sonderpreis

ISBN 978-3-89401-384-4

Im Reich der Schnitte
Inhalt

Kriki leimt zusammen, was, bevor er mit Schere und Klebstoff in Aktion tritt, getrennt existierte. Er verbindet und sortiert neu und zeigt in seinen Collagen ungeahnte Zusammenhänge. Hier denkt einer gradlinig um die Ecke. Und der Kriki eigene hintergründige Humor läßt die Welt in einem ganz neuen Licht erscheinen.

Seine absurden Szenen, grotesken Einfälle und phantastischen Ausfälle haben Kriki zu einem souveränen Gestalter des Wort- und Bildwitzes gemacht. Kriki erweist sich als humorvoller Gegenwarts-Collagist, der im Geiste von Wilhelm Busch, Max Ernst, Wolfgang Neuss und Monty Python klebt und dichtet.

In diesem Buch findet der Betrachter nebst diversen Collage-Serien auch eine Reihe von Texten Krikis zu seiner unverwechselbaren Technik, seinem Stil, seiner Vorstellung vom Witz und seinem eigenen, humorvoll betrachteten Werdegang.

Zum Autor
Kriki

Der Kollagist und Kartoonist Kriki wurde 1950 in Lamstedt auf einem Kopiergerät gefunden. Dann zog es ihn in die Hafenstadt Hamburg, von wo er als Leichtmatrose zum erstenmal nach Kopistan segelte. In Solingen sollte er später lernen, mit Scheren umzugehen.
In Frankfurt gründete er anschließend die Frankfurter Schule und in Berlin den Comicladen Grober Unfug. Schnitt für Schnitt ging es weiter, Collagenkompendien pflasterten seinen Weg, wie In der Klinik für komisch Kranke, Das Schlimmste ist der Juckreiz und Durchs wilde Kopistan. Sein Hauptziel war, in allen Zeistchriften mit »Z« zu veröffentlichen: taz, Zitty, Hör Zu, Schmutz und Schund, Kowalzki, Zeit und Strapazin, aber auch undogmatischerweise in rAd ab, Stern, Eulenspiegel und im Kleinen Lemur.

Pressestimmen

»Der als ,Historiker der Wahrheit' apostrophierte Forscher ohne Lehrstuhl und Doktorhut hat sich zu keiner Zeit davon abbringen lassen, Verdecktes, Verborgenes, meist Unbequemes ... ans Licht zu bringen«.
Wulf Kirsten, Laudatio der Deutschen Schillerstiftung Weimar 1992

Textauszug

»Die Birne platzt, die Schere schweigt – was nicht entsteht, ist wohl vergeigt!«

Oft werde ich gefragt: »Wie wird einer Collagist?« Dann senke ich meine Schere, antworte: »Meistens per Kaiserschnitt« und habe die Lacher auf meiner Seite. Doch die meisten zukünftigen Collagisten wissen nach den ersten einschneidenden Geburtserlebnissen noch nicht, was sie einmal werden werden. Aber spätestens, wenn ihnen die Eltern Messer, Schere, Licht verbieten, wissen sie, daß es etwas mit Messer, Schere oder Licht sein muß. Viele landen dann bei der BEWAG (Licht), werden kriminell (Messer) oder werden Journalist (Schere im Kopf). Und die ganz Hartgesottenen unter ihnen ergreifen die superverbotene Laufbahn als Collagist (die Schere braucht man, das Schneidemesser auch und ohne Licht läuft beim Collagieren gar nichts)!
Hah, was für ein Beruf!
Zu dem unvergleichlichen Reiz des Verbotenen kommt der Reiz des Abenteuers, denn jeder Collagist ist auch Jäger und Sammler. Er kann alles aufheben und behalten, kann sich auf dem Flohmarkt mit Kindern um liegengelassene Kisten voller unverkäuflicher Dinge streiten, denn er ist ja Collagist und ein Collagist kann alles brauchen. Was für ein Beruf!
Und da ein Collagist alles zerschneidet und zerschnippelt, wird die Sammlung wieder kleiner und muß aufgefüllt werden.
Der Collagist muß also wieder hinaus auf die Jagd, kann stolz über Flohmärkte und durch Antiquariate streifen, denn er ist ja einer der letzten modernen Jäger und Sammler auf der Pirsch.
Selten wird er dabei die nachdenklichen Blicke der schönen Frauen wahrnehmen, die ihm folgen, denn wenn ein Collagist Witterung aufgenommen hat, will er nur eins: Beute machen! So wird er sich scheinbar zufällig einem Bücherkarton nähern, ihn wie absichtslos durchwühlen und zwei Bücher herausnehmen, die er gar nicht braucht und die er im Grunde dem Verkäufer zuliebe kauft. Eine seltene Beute ist etwas Wunderbares, aber eine seltene, billige Beute ist das Allerschönste auf der Welt! Darum kaufen wir auch immer mindestens zwei Dinge, damit der Händler nicht merkt, worauf wir wirklich scharf sind. Ein guter Händler wird dann auch so tun, als ob er das nicht wüßte, denn so wird er zwei unnütze, überteuerte Artikel los, anstelle von einem ... Was für ein Beruf!

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