Elisabeth Blum / Peter Neitzke
Boulevard Ecke Dschungel
StadtProtokolleOriginalveröffentlichung
Broschur, 224 Seiten
€ (D) 19,90
€ (A) 20,50
ISBN 978-3-89401-397-4
Erschienen 2002
»Die Stadt wird ein zutiefst inhomogener Raum werden« Roger Willemsen
Boulevard Ecke Dschungel diskutiert prekäre Entwicklungen, die die offizielle Stadtpolitik relativiert oder übersieht. Er versammelt Befunde und Kommentare von unbestechlichen Experten der Aufmerksamkeit wie Robert Menasse, Mike Davis, Roger Willemsen, Hartmut Böhme, Loïc Wacquant, Sighard Neckel, Niels Werber und anderen.
Stadt heißt heute Event City: dynamisch und profitabel, Show und Shopping rund um die Uhr, Urbanität als Nonstop-Theater. Auf den Bühnen, im Parkett, auf den Rängen und Logen Kunden, Klienten, Konsumenten. Sicher soll die Stadt sein. Vor jenen vor allem, denen das Geld zum Mitspielen fehlt.
Stadt heißt heute aber auch und mehr als je: Angst vor dem Terror – und Angst vor denen, die den Kampf gegen den Terror zum Vorwand nehmen, demokratische Rechte einzuschränken und die Stadt äußerstenfalls zur Festung zu machen.
Das Lebensprinzip der Stadt, das ohne Widersprüche nicht zu haben ist, sieht sich bedroht. Inszeniert und gefeiert wird der Boulevard. Die Abgehängten und Verlorenen – Gelegenheitsarbeiter, illegal Beschäftigte, Langzeitarbeitslose, Menschen ohne sicheren Aufenthaltsstatus, diejenigen also, denen der Markt signalisiert, dass er sie je länger je weniger braucht – versuchen im Dschungel der Stadt zu überleben.
Der Band thematisiert Dynamiken des gesellschaftlichen Raumes und des stadtgesellschaftlichen Lebens, die, wie Roger Willemsen sagt, »ihr Pathos darin haben, Dinge zum Verschwinden zu bringen«.
Elisabeth Blum ist Architektin und Autorin und lehrt an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Zürich. Veröffentlichungen u.a.: Wem gehört die Stadt. Armut und Obdachlosigkeit in den Metropolen (1996)
Peter Neitzke ist Mitherausgeber von CENTRUM. Jahrbuch Architektur und Stadt sowie der Reihe Bauwelt Fundamente. Veröffentlichung: Konvention als Tarnung. Anmerkungen zur architektonischen Gegenmoderne in Deutschland (1995)
»Das Sicherheitsproblem ist immer ein Problem der Regierenden, die der wachsenden Komplexität der Stadt geistig nicht folgen können.« Robert Menasse
ESSAYS von
Mike Davis
Die Flammen von New York
Zwischen Fiktion und Patriotismus: der paranoide Untergrund einer epochalen Katastrophe
Hartmut Böhme
Global Cities, Terrorismus.
Fragile Urbanität in einer vernetzten Welt
McKenzie Wark
Telegramm aus Nirgendwo
Niels Werber
Terroristische Kommunikation.
Vom Medienkrieg zum Krieg im Raum
Trutz von Trotha
Ordnungsformen der Gewalt
oder Aussichten für die Zukunft des staatlichen Gewaltmonopols
GESPRÄCHE mit
Robert Menasse
Ich würde jeden Menschen als politischen Flüchtling bezeichnen, der verhungern würde, wenn er nicht wegginge aus seinem Land.
Roger Willemsen
Die Stadt wird ein zutiefst inhomogener Raum werden
Niels Werber
Auf welche Konflikte müssen wir uns einstellen?
Loïc Wacquant
Armut als Delikt
Sighard Neckel
Der Paternalismus der Postmoderne
Josef Früchtl
Es geht darum, einen nicht synthetisierbaren Zustand anzuerkennen
Werner Sewing
Über das Verschwinden der Öffentlichkeit aus dem städtischen Raum
