Hanjo Kesting (Hg.)
Friede den Hütten, Krieg den Palästen
Georg BüchnerEingeleitet und kommentiert
von Hanjo Kesting
Neuausgabe
Broschur, 128 Seiten
€ (D) 9,90
€ (A) 10,20
ISBN 978-3-89401-399-8
»Die Gesellschaft mittelst der Idee, von der gebildeten Klasse aus reformieren? Unmöglich! Unsere Zeit ist rein materiell...« Georg Büchner
Büchners Briefe als Lektüre gegen seine Verharmlosung in der
Literaturwissenschaft! Durch die erstaunliche Lebendigkeit und Modernität
seines Stils lassen sich die Schriften des jungen Sozialrevolutionärs heute wie
zeitgenössische Texte lesen. Hanjo Kesting hat alle bekannten erhaltenen Briefe
und Briefauszüge Georg Büchners neu herausgegeben und gibt allen, die Büchner
neu entdecken wollen, eine aktuelle Sichtweise auf Leben und Werk.
Als Georg Büchner vor 165 Jahren dreiundzwanzigjährig starb, war er als Dichter
beinahe unbekannt. Erst zu Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der lange
Verkannte ein großer Name der Literatur: Dichter von Gottfried Benn bis
Elfriede Jelinek beschwören Büchners Aktualität und Gegenwart. Zur Zeit wird
Büchner auf vielen Theaterbühnen gespielt.

Büchner war Materialist und Republikaner, vertraut mit den Theorien des utopischen Sozialismus. Er hatte verstanden, daß die Revolution von 1830 den Massen des Volkes keine Freiheit und materielle Wohlfahrt, dem herrschenden Bürgertum aber schnell neuen Reichtum gebracht hatte. Als Student in Straßburg konnte er die blutigen Straßenkämpfe verfolgen, mit denen das bürgerliche Frankreich 1831/32 die Aufstände der Arbeiter von Paris und der Seidenweber von Lyon niederwarf. Von daher rührte Büchners Mißtrauen gegen die besitzende Klasse und ihre liberale Rhetorik, gegen alle Versuche, zwischen den Besitzenden und den Besitzlosen, zwischen Reich und Arm zu vermitteln. Büchners Werk markiert die Bruchstelle mit den überkommenen Vorstellungen und Normen der idealistischen Epoche. Eben das begründet seine Modernität.
Hanjo Kesting, geb. 1943, Studium der Philosophie, Geschichte und Literatur in Köln, Tübingen und Hamburg. Seit 1969 beim Norddeutschen Rundfunk. Dort seit 1973 Leiter der Redaktion Kulturelles Wort. Gründete 1977 die Reihe Autoren lesen, 1981 das Kulturjournal Texte und Zeichen.
Bücher u.a.: Theodor Fontane. Bürgerlichkeit und Lebensmusik, Göttingen 1998 und Nachlese. Essays zur Literatur, Göttingen 2000.
Büchners Modernität ist immer wieder bemerkt worden; jedenfalls von dem Zeitpunkt an, da man, siebzig Jahre nach seinem Tod, da-mit begann, seine Dramen aufzuführen. Auch Hanjo Kesting, der Herausgeber der schönen, wohlfeilen und -kommentierten Paperbackausgabe in der rührigen Edition Nautilus, weist darauf hin, wenn er in seiner Einleitung schreibt: ,Büchners Werk markiert die Bruchstelle mit den überkommenen Vorstellungen und Normen der idealistischen Epoche.'
Martin Krumbholz, Neue Zürcher Zeitung
