Belletristik / Krimi

Thomas Meinecke / Klaus Walter / Frank Witzel

Plattenspieler (Hörbuch)


Originalveröffentlichung
Hörbuch
€ (D) 16,90

ISBN 978-3-89401-463-6

Plattenspieler (Hörbuch)
Inhalt

Das ultimative Fanbuch jetzt auch zum Hören. In der Tradition von Teipels legendärem Verschwende Deine Jugend. Frank Witzel, Klaus Walter und Thomas Meinecke reden: über GEMACHTE MÄNNER mit Fönfrisuren oder echte Rocker mit Haaren; über ihren gemeinsamen GEBURTSJAHRGANG 1955 und ihre Jugend in Hamburg und Frankfurt; über POP UND JOB – Musik, Codes, Fußball und Politik -, über den Trendscout Bernd KÜHL, der es auch bei Wolfgang Petry eigentlich doch geschafft hat, und über LUXUS und Not. Nicht nur für Pop-Forscher und Generationenversteher.

Frank Witzel, Romanautor und Kenner der Avantgarde-Musik, Klaus Walter, Radio-DJ und Journalist, und Thomas Meinecke, vieldiskutierter Pop-Autor, ebenfalls Radio-DJ und Musiker der Band FSK, treffen sich 2004 in Frankfurt am Main. Alle drei sind 1955 geboren. Alle drei führen ein generationsuntypisches Leben. Und sie unterhalten sich über Musik, Pop und kulturelle Praxis, über Kritik, Fantum und hegelianisches Denken; über Glamour und Schrecken von Stammheim.

Die Diskussion dreht sich etwa um die Frage, warum Jimi Hendrix, gleichzeitig androgyn und Macho, weißen Rock machte; warum der Afro nicht ironisch sein kann; worin die unästhetische Anziehungskraft der Politgruppen in den Siebzigern bestand oder ob Françoise Hardy zur vorpubertären Identifikation getaugt hätte. Bei der Frage, ob die Barbarisierung der gesellschaftlichen Verhältnisse zu erkennen und zu verstehen ein Luxus oder eine Notwendigkeit ist, ist sie in der Auslaufrille angelangt und überlässt das Weiterdenken dem Leser. Noch schwindlig sollte dieser das Buch sofort noch einmal lesen – gepitcht auf '55, sozusagen.

Zu den Autoren
Thomas Meinecke

Thomas Meinecke, geb. 1955 in Hamburg, lebt seit 1994 in einem oberbayerischen Dorf. Er ist Schriftsteller, Musiker und Radio-DJ. Zuletzt erschienen die Romane Musik (2004), Hellblau (2001) und Tomboy (1998).

Weitere Titel in der Edition Nautilus:
Die Bundesrepublik Deutschland
Plattenspieler

Klaus Walter

Klaus Walter, geb. 1955 in Frankfurt, lebt dortselbst. Er schreibt zu Popkultur, Sport und Politik. 1984 bis 2008 war er DJ der Sendung »Der Ball ist rund« im Hessischen Rundfunk. Seit 2008 ist er Mitarbeiter des Internetradios byte.fm, dort unter anderem mit der Sendung »Was ist Musik?«

Weitere Titel in der Edition Nautilus:
Die Bundesrepublik Deutschland
Plattenspieler

 

Frank Witzel

Frank Witzel, geboren 1955 in Wiesbaden, lebt als Schriftsteller, Musiker und Illustrator in Offenbach. Bei Edition Nautilus sind von ihm erschienen: Stille Tage in Cliché. Gedichte (1978), Tage ohne Ende. Poem (1980), Bluemoon Baby. Roman (2001), Revolution und Heimarbeit. Roman (2003); außerdem zusammen mit Thomas Meinecke und Klaus Walter die Gesprächbände Plattenspieler (2005) und Die Bundesrepublik Deutschland (2009).

Für den Roman Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969 (Matthes & Seitz 2015) wurde er mit dem Deutschen Buchpreis 2015 ausgezeichnet.

Pressestimmen

»Die ›Plattenspieler‹ rekonstruieren und präsentieren in ihren Gesprächen aber Zeitgeschichte in den Dekaden vor ›Dem Ende der Jugendkultur‹, ob sie wollen oder nicht. Hier geht es nicht nur um drei verdiente Herren, sondern um den ›Katalog des Kühl‹, darum, dass Pop eben nicht schlicht Geschmackssache und Meinung ist, nicht im luftleeren Raum stattfindet. Was geht zu welcher Zeit und warum!? Warum gehen Roxy Music klar, aber Charlie nicht? Wie verhalten sich Pop und Politik zueinander? Was passiert, wenn die Eltern immer sagen, über Politik reden wir in ein paar Jahren, und einem dann der Schah über den Weg läuft? ›Plattenspieler‹ ist oral history, nicht mehr, nicht weniger.«
Spex, Das Magazin für Popkultur

 

Textauszug

»Für mich gehörte das zusammen, war ein Konglomerat, Dope rauchen, Kevin Ayers hören, mal sehen was die RAF wieder gemacht hat. Das war für mich immer auch Glam.«

TM: Ich war mir überhaupt nicht bewusst, dass Pop eine politische Komponente hatte. Ich dachte, ich bin ganz nur auf dem ästhetischen Sektor beschäftigt, also, wie so ein halbdurchsichtiger Seidenschal gebunden werden muss, und hab das im Grunde erst durch Cultural Studies gelernt, dass es eine politische Ebene hatte.
FW: Aber jetzt mal ganz banal gesagt, so ein Lied wie Revolution, das musst du doch irgendwie interpretiert haben.
TM: Das war für mich eine ästhetische Revolution. Ich hätte nicht gedacht, dass das etwas mit Politik zu tun gehabt hätte.
FW: »And if you go carrying pictures of chairman Mao«?
TM: Ich hatte mir ja mit zwölf meine Mao-Bibel gekauft, und das war für mich nicht das primär Politische. Ich war ja auch fasziniert von den Berichten, die ich von der Kulturrevolution aus China hörte. Das hatte etwas l'art pour l'art-mäßiges. Ich war auch später nie richtig bei den K-Gruppen dabei, mit lästigen Lektürekreisen. Ich war ein Typ, der damals aber auch wirklich nicht begriffen hat, dass das eine wirkliche politische Dimension hat. Erst war der Maokragen da, dann kam Mao, aber dann auch eher in Form des schön plastikgebundenen Büchleins.
KW: Der Warhol-Mao.
TM: Das hat sich erst mit Patti Smith zusammengedacht. So eine Art anarchistisches Rimbaud-Exegetentum. Aber vorher war mir das nicht bewusst, außer vielleicht bei sowas wie Give Peace a Chance, da hab ich auch beschlossen den Kriegsdienst zu verweigern.
KW: Vielleicht hast du dich auch als Impuls gegen die linken Lehrer nicht so stark politisiert.
TM: Es gab in Hamburg einfach auch immer ein britisches Element der Linken. Allein die Tatsache, mit der Prinz Hamlet über Nacht nach London fahren zu können. Das haben wir mit unserer Schulklasse allein drei-, viermal gemacht.
KW: Das war eine Prägung. Und hier war eben die Prägung ganz klar Amerika, durch den AFN.
TM: Nur kam die Spontiszene ja eher aus einer Westanbindung. Frankreich. Paris-Frankfurt Link. French rereading of German text, German rereading of French text. Und das ist doch irgendwie vorweggeshadowed durch Frankfurt 68, die Störungen von Adornos Lesungen, ist das nicht sowas eher? Das empfinde ich nicht als amerikanisch.
KW: Ich meine die amerikanische Popmusik. Also nicht die Prägung British Artschool, sondern eben Westcoast, Crosby, Stills, Nash & Young. Und dabei auch Vietnam als stärkere Chiffre als ich es jetzt bei dir raushöre, und dadurch wiederum die stärkere Politisierung der Musik.
TM: Nur hatte doch die Frankfurter Spontiszene für meine Begriffe überhaupt keinen Soundtrack.
KW: Satisfaction. Bis heute.

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