Belletristik / Krimi / Unterhaltung

Deutscher Krimi-Preis 2007 (Platz 1)
Friedrich-Glauser-Preis 2007 (Debüt)
Corine-Preis 2007 (Weltbild-Leserpreis)
Martin-Beck-Award 2008 (Krimi International)

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Andrea Maria Schenkel

Tannöd

Kriminalroman

Originalveröffentlichung
Broschur, 128 Seiten
€ (D) 12,90
€ (A) 13,30

ISBN 978-3-89401-479-7

Erschienen Januar 2006
Tannöd
Inhalt

Sie nennen ihn nur noch den Mordhof, den einsam gelegenen Hof der Danners in Tannöd. Eine ganze Familie wurde in einer Nacht ausgelöscht, mit der Spitzhacke erschlagen. Gemocht hat sie kaum jemand, mürrische, geizige Leute waren sie, und den ein oder anderen hat der alte Bauer wohl auch übers Ohr gehauen. Aber selbst die Kinder wurden grausam ermordet, und so geht die Angst um im Dorf, denn vom Mörder fehlt jede Spur.
Diese Spur muss der Leser aufnehmen. Unheimlich wird es, weil man jeden Schritt des Mörders mit verfolgt, ihn beobachtet bei seinen alltäglichen Verrichtungen, ohne seine Identität zu kennen. Die spannende Unruhe, die einen bis zum Ende nicht verlässt, löst sich erst auf, wenn das Mosaik komplett ist.
Die Autorin legt mit ihrem Debüt nicht nur einen dramatischen, literarisch reizvollen Kriminalroman vor. Sie zeichnet schonungslos und eindrücklich das Porträt einer bigotten und ganz und gar nicht idyllischen dörflichen Gemeinschaft mit einem traumatischen Beziehungsgeflecht, das schließlich zum Mord führt.
Dem Buch liegt ein ungeklärter Mordfall an einer Bauernfamilie zugrunde.

Zur Autorin
Andrea Maria Schenkel
© Classic Foto Regensburg

Andrea Maria Schenkel, geboren 1962, lebt in Regensburg. 2006 erschien ihr Debüt Tannöd, mit dem sie großes Aufsehen erregte. Der Roman wurde 2007 mit dem Deutschen Krimi Preis, dem Friedrich-Glauser-Preis und der Corine, 2008 mit dem Martin Beck Award für den besten internationalen Kriminalroman ausgezeichnet. Das Buch verkaufte sich bisher eine Million Mal und wurde in bislang 20 Sprachen übersetzt. Es gibt eine Hörbuch- sowie eine Hörspielfassung, auch sind bereits mehrere Theaterinszenierungen auf deutschsprachigen Bühnen zur Aufführung gekommen; 2009 kam der gleichnamige Spielfilm (Regie: Bettina Oberli) mit Monica Bleibtreu in ihrer letzten Rolle in die Kinos. Für ihr zweites Buch Kalteis, das im Herbst 2007 erschien, bekam sie erneut begeisterte Kritiken und erhielt zum zweiten Mal in Folge den Deutschen Krimi Preis. Eine Verfilmung unter der Regie von Hark Bohm ist geplant. Bislang sind 260.000 Exemplare verkauft worden. Ihr dritter Roman Bunker erschien im Frühjahr 2009.


Wer mehr über die Autorin erfahren möchte:
www.andreaschenkel.de

Weitere Titel in der Edition Nautilus:
Bunker
Kalteis
Tannöd (Geschenkausgabe)

Pressestimmen

»Ein großartiges Buch! Fabelhaft! Ein unglaubliches Buch!«
Elke Heidenreich in Lesen!

»Sie konstruierte eine düstere Geschichte, so düster und packend, dass sie nun mit dem Deutschen Krimipreis 2007 ausgezeichnet wurde. Die 44 Jahre alte Andrea Maria Schenkel hat sich mit ihrem Debüt-Roman ›Tannöd‹ auf ein Niveau geschrieben, das dem früherer Preisträger wie Wolf Haas entspricht. Wie Haas in seinen Brenner-Krimis hat sie eine neue Erzählform gefunden: Tannöd ist zusammengesetzt aus Schilderungen von Zeugen, wobei einer dieser Erzähler der Mörder sein muss.«
Süddeutsche Zeitung

»Eine gewisse ›Fremdheit im eigenen Leben‹ ist es wohl, die Schenkel einen Blick ›auf das Dunkle in den Figuren‹ ermöglicht. Nichts entgeht ihren wachen grünen Augen. So präzise fallen ihre Milieuschilderungen aus, dass sie ihr Romanpersonal gezielt verfremden muss, ›damit sich der Franz aus der Nachbarschaft nicht wieder erkennt‹. Sie schafft eine Distanz, die ihre Sprache und Szenerie vor der Banalität heimattümelnder Regionalkrimis bewahrt.«
Bettina Musall, Der Spiegel

A. Neumann: Ein genialer Erzähleinfall
D. Kügow: Ein geniales Buch.
A. Neumann: Ein spannendes, düsteres, unheimliches Buch. Unser Rezensent wünscht sich:
A. Ammer: Gebt mir Worte zu schwärmen!
D. Kügow: Ein Meisterwerk?
A. Ammer: Ja.
A. Neumann: Ein Geniestück?
A. Ammer: Auch das.
D. Kügow: Herr Rezensent, wir kennen Sie nicht wieder.
A. Ammer: Und nur 11 Millimeter dick! Sagenhaft!
A. Neumann: Wir fassen zusammen: ›Tannöd‹ von Andrea Maria Schenkel ist bisland der dünnste und klügste Krimi des Jahres! Passt in jede Jeanstasche.
A. Ammer: Und gehört auch in jede hinein.«
Krimikolumne von Andreas Ammer, im Büchermagazin Diwa auf Bayern2Radio

»Tannöd ist ein sehr individuelles, eigenständiges Buch. Es beweist einmal mehr, dass die allmählich wieder aufkeimende deutsche Kirmi-Landschaft eher von Solitären als von Trends geprägt wird. Und das ist gut so.«
Thomas Wörtche, Freitag

»Andrea Maria Schenkels Roman, der auf einem wahren Fall beruht, ist eine aufregende Entdeckung. Beste, spannende Kriminalliteratur.«
Volker Albers, Hamburger Abendblatt

»Alle, der Bauer, die Bäuerin, die alte Bäuerin, die Magd und die Kinder, sind erschlagen. Selten ist lakonischer auf die Einsicht hingeschrieben worden, dass es ›keinen Gott gibt auf dieser Welt‹, als in diesem kleinen, großartigen Krimidebüt.«
Tobias Gohlis, Die Zeit

»Andrea Maria Schenkel gibt in ihrem vorzüglichen Debüt, inspirert von einem Fall aus den 20er Jahren, keine Urteile ab. Sie fragt, sie beobachtet, sie erzählt, genau, präzise, ungemein dicht. Ein böser Heimatroman, ein abgründiger Krimi.«
Bielefelder

»›Tannöd‹ changiert zwischen Erzählung und Bericht, zwischen Chronik und Alptraum, zwischen Kriminalstück und Gesellschaftsportrait. Letztlich erzählt dieser kleine, wohl konstruierte, sprachlich perfekt reduzierte Kriminalroman, wie Weltabgewandtheit, Bigotterie und blinder Paternalismus Charaktere verformen, Lebenswege bestimmen – und wie sie letztlich diejenigen, die ihnen ausgesetzt sind, zwangsläufig ins Unglück führen. Das hat man in der einen oder anderen Form zwar durchaus schon öfter gelesen; ›Tannöd‹ steht in bester Tradition kritischer alpenländischer Heimatliteratur. Trotzdem birgt dieses Buch eine ganz besodere Aktualität: Es belegt die Alpträume, die falsch verstandener fundamentalchristlicher Glauben, wie man ihn überall in Bayern findet, verursachen kann. Und damit setzt Andreas Maria Schenkel einen Akzent – gegen blinden Glauben, für klares Denken.«
Ulrich Noller, Funkhaus Europa, ARTE

»Selten erlebt man einen Krimi im ländlichen Milieu als so gelungen. Der Autorin ist mit ›Tannöd‹ ein mehr als beachtliches Debüt gelungen! – Kriminalprosa mit seltener Wucht.«
Krimi-Datenbank der Hammett-Krimibuchhandlung

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Mitteilung des Rechtsanwalts Dr. Götz von Olenhusen zur Entscheidung des Oberlandesgerichts München, den Plagiatsvorwurf Peter Leuschners gegen Andrea Maria Schenkel und den Verlag abzuweisen und damit die Entscheidung des Landgerichts München vom Mai 2008 zu bestätigen: Erklärung_Plagiatsvorwurf

Leseprobe

»Der Dämon sitzt in jedem, und jeder kann seinen Dämon jederzeit herauslassen.«
Der Bauer, ein großer, kräftiger Mann, einsilbig. Während des Abendessens hat er nicht viel gesprochen. Er hat sie nur kurz begrüßt, als er in die Stube kam. Ein fester Händedruck, ein abschätzender Blick, das war alles.
Seine Frau, auch sie sehr still. Älter als ihr Mann. Verhärmt, verschlossen. Sie sprach das Tischgebet.
Die Tochter, sie war nett zu Marie. Hat gefragt, ob sie außer der Traudl noch andere Geschwister hat, Nichten und Neffen. Hat sich nach deren Namen erkundigt und nach dem Alter.
Mit der kann man noch am besten auskommen, denkt sich Marie.
Und die Kinder...
Die Kinder hier im Haus sind nett. Nette Kinder, besonders der kleine Bub. Der hat sie gleich angelacht. Der wollte immer mit ihr spielen. Sie hat mit ihm gescherzt. Hat ihn auf ihren Schoß genommen und auf den Knien reiten lassen, wie sie es immer mit den Kindern ihrer Schwester gemacht hat. »Hoppe Reiter« hat sie mit ihm gespielt, von ihrem Schoß hat sie ihn plumpsen lassen. Der Kleine hat vor lauter Lachen gegluckst.
Wie die junge Bäuerin die Kinder zu Bett geschickt hat, da ist die Marie auch aufgestanden.
Hat gesagt: »Ich geh auch gleich in die Kammer, muss meine Sachen noch einräumen. Dann kann ich morgen in aller Früh gleich anfangen.«
Sie hat allen eine gute Nacht gewünscht und ist in ihre Kammer gegangen.
Draußen ist das Wetter noch schlechter geworden. Der Wind nimmt immer mehr zu. Es stürmt.
Das Fenster ist nicht besonders dicht, der Wind pfeift durch die Ritzen. Marie bemerkt einen Luftzug. Sie dreht sich um zur Tür.
Die Tür steht leicht offen. Marie will sie schließen. Da bemerkt sie, wie sich die Tür langsam, knarrend immer mehr öffnet. Ungläubig staunend blickt sie auf den größer werdenden Spalt.
Marie ist unschlüssig, sie weiß nicht, was sie tun soll. Steif und starr bleibt sie einfach nur stehen. Den Blick auf die Tür gerichtet. Bis sie ohne ein Wort, ohne eine Silbe von der Wucht des Schlages zu Boden fällt.

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