Belletristik / Krimi

Gail Jones

Der Traum vom Sprechen

Roman

Aus dem Englischen übersetzt von Conny Lösch

Deutsche Erstausgabe
Gebunden mit Schutzumschlag, 224 Seiten
€ (D) 22,–
€ (A) 22,70

ISBN 978-3-89401-491-9

Erschienen August 2006
Der Traum vom Sprechen
Inhalt

Für Alice Black ist es ein großartiges Gefühl: »Der gewölbte, endlose schwarze Himmel und weit unten ein Teppich unregelmäßiger Lichter, dicht und wunderschön. Leuchtende Formen schlossen sich zusammen und rutschten unter ihnen weg. Muster aus grellem, glühendem Leuchten« – so empfindet die junge Australierin den Landeanflug auf Frankfurt. Schon als kleines Mädchen in ihrer Heimatstadt voller Kohlegruben und Industrie war sie von Maschinen und Technik fasziniert. Jetzt schreibt sie in Paris über die Erfinder jener Gegenstände, die uns täglich umgeben: Zellophan, Neonreklamen, Kopiergeräte und dergleichen. Als Alice Mr. Sakamoto kennen lernt, einen Überlebenden des Atombombenabwurfs auf Nagasaki, entwickelt sich zwischen beiden eine inspirierende Freundschaft.
In eindringlichen Bildern entfaltet Gail Jones die Familien- und Lebensgeschichten zweier ganz unterschiedlicher Menschen und erzählt zugleich von Glück und Verheißung, von Schrecken und Gewalt der Moderne. Wie sich dabei Mitgefühl und distanzierte Betrachtung beständig abwechseln und durchdringen, ist ebenso beeindruckend wie die eigenwillige Sprache, die den Leser in ihren Bann zieht. Gail Jones' Bücher gewannen bereits zahlreiche Preise, dieser Roman ist für den Orange Prize 2006 nominiert. Eine starke literarische Stimme, die es in Deutschland zu entdecken gilt!

Zur Autorin
Gail Jones
© Jan Schenck

Gail Jones, geb. 1955 in Westaustralien. Hat bisher zwei Erzählungenbände und fünf Romane veröffentlicht. Ihre Bücher sind im englischsprachigen Original mehrfach ausgezeichnet.

Ihr erster Roman, Black Mirror, wurde mit dem ›Nita B. Kibble Award‹ ausgezeichnet. Er war in der engeren Auswahl für den ›IMPAC Award 2004‹ und nominiert für den ›Age Book of the Year Award‹ und den ›Brisbane Courier Mail Book of the Year Award‹. Ihr zweiter Roman Sixty Lights erschien 2004 und war für den ›Booker Prize‹ nominiert. 
Perdita, im Original unter dem Titel ›Sorry‹ erschienen, stand 2008 auf der Shortlist des Miles Franklin Award und auf der Longlist des Orange Prize. Die französische Übersetzung wurde für den Prix fémina étrangère nominiert.

Ihren neuesten Roman Ein Samstag in Sydney schrieb sie nach einem erstmals ausgeschriebenen Stadtschreiber-Stipendium in Schanghai.

Derzeit lehrt sie als Professorin für Kreatives Schreiben an der University of Western Sydney und forscht über die sozialen Dimensionen des Lesens und Schreibens.

Weitere Titel in der Edition Nautilus:
Ein Samstag in Sydney
Perdita
Sechzig Lichter

Pressestimmen

»(…) Nicht nur wegen der ausdrucksstarken Sprache ein Hochgenuss .... Man wird sich an diesen zauberhaften Roman erinnern.«
Maria Panzer, Lesart 

»… kein aktionsgeladenes Buch zum schnellen Durchlesen. … breit zu empfehlen.«
ekz-Informationsdienst

»Ein bewegendes Buch, das zum Nachdenken anregt und Mitfühlen erregt.«
Kommune 

»… Zeichnet ein facettenreiches Bild einer jungen Frau, die einen ganz eigenen Weg durchs Leben findet.«
dpa-Kulturredaktion 

»... ein feinfühliges Frauenportrait...
Badische Neueste Nachrichten 

»… sprachlich und stilistisch besonders stark.«
FRAP, Freies Radio Paderborn

Textauszug

Die Lichter wurden ausgeschaltet und die Passagiere schienen unmittelbar darauf schon zu schlafen. Sie waren träge geworden, gelangweilt. Nun begegneten sie der zusätzlichen Nacht mit geschlossenen Augen, die Köpfe zurückgelegt, die Münder schlaff offenstehend wie Dorsche. Ungefähr um vier Uhr morgens der Nichtzeit gingen die Lichter an. Angeschlagene Passagiere wachten zu einem provisorischen Frühstück auf. Bevor die Tabletts mit der Standardauswahl und den Plastikutensilien weggenommen wurden, machte Alice einer Stewardess Zeichen und bat einen Blick ins Cockpit werfen zu dürfen. Sie zeigte ihren Universitätsausweis und erklärte unehrlicherweise, sie schriebe ein Buch übers Fliegen. Es war beinahe wahr, überzeugte sie sich. Fast schon plausibel. Die Stewardess, blondiert, Mitte vierzig und verlebt, beäugte Alice misstrauisch und meinte, sie wolle sehen, was zu machen sei. Nach weniger als zehn Minuten jedoch wurde Alice in den vorderen Teil des Flugzeugs geführt, vorbei an den Passagieren der ersten Klasse in ihren absurd breiten Sitzen, durch königsblaue Vorhänge und eine mit digitalem Code gesicherte Tür hindurch ins Cockpit. Dort lernte sie die beiden Piloten kennen, Walter und Briggs. Vor ihr lag in einer gedrängten Lichterkuppel, wie in der Kirche einer seltsamen, unorthodoxen Religion, der gewölbte, endlose schwarze Himmel und weit unten ein Teppich unregelmäßiger Lichter, dicht und wunderschön. Leuchtende Formen schlossen sich zusammen und rutschten unter ihnen weg. Muster aus grellem glühendem Leuchten, elektrisch erleuchtete Zielorte. »Frankfurt«, verkündete Briggs sachlich.

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