Robert Brack
Schneewittchens Sarg
Ein Fall für Lenina RabeOriginalveröffentlichung
Broschur, 192 Seiten
€ (D) 12,90
€ (A) 13,30
ISBN 978-3-89401-540-4
Erschienen Februar 2007

Die Aikido-Meisterin Lenina Rabe hat viel zu tun, denn zwei Aufträge verbinden sich auf unerwartete Weise. Ein geheimnisvoller Unbekannter bietet ihr einen astronomischen Vorschuss, wenn sie herausfindet, wer hinter der sogenannten Dänischen Befreiungsfront steckt. Mit ihrer Forderung, die Zwangsvereinigung Altonas mit Hamburg müsse rückgängig gemacht werden, macht diese Organisation nicht nur den Bürgermeister nervös.
Gleichzeitig soll Lenina Schneewittchens Mörder finden. Beim Abriss eines Teils einer alten Fabrikhalle wurde die Leiche einer jungen Frau entdeckt. Zwanzig Jahre lang lag sie dort im Keller begraben. Heute befinden sich in dem Gebäude Luxuswohnungen, aber damals hauste in der besetzten Fabrik eine alternative Lebensgemeinschaft.
Bei ihren Nachforschungen wühlt Lenina viel Zwist unter den verbürgerlichten Ex-Engagierten auf, so dass sie froh um ihre neue Mitarbeiterin Nadine ist.

© Charlotte Gutberlet
Robert Brack, Jahrgang 1959, lebt in Hamburg. Als Virginia Doyle ist er bekannt für seine historischen Kriminalromane. Er wurde mit dem »Marlowe« der Raymond-Chandler-Gesellschaft für Das Mädchen mit der Taschenlampe und mit dem »Deutschen Krimi-Preis« für Das Gangsterbüro ausgezeichnet (beide Edition Nautilus). Zuletzt erschien in der Edition Nautilus Und das Meer gab seine Toten wieder (2008).
Aktuelle Lesungen von Robert Brack sind immer zu erfahren unter www.gangsterbuero.de
Weitere Titel in der Edition Nautilus:
Blutsonntag
Haie zu Fischstäbchen
Kalte Abreise
Lenina kämpft
Nachtkommando
Und das Meer gab seine Toten wieder
Unter dem Schatten des Todes
»Halt einfach ein guter, ein spannender Kriminalroman. Allein das zählt«
Hamburger Abendblatt über »Haie zu Fischstäbchen«
»Ein guter Krimi packt einen im Genick und läßt einen erst wieder los, wenn die letzte Seite gelesen ist. ›Lenina kämpft‹ des Hamburger Krimiautors Robert Brack ist so ein Buch.«
Titel-Magazin
Der ganze Stadtteil war eine Baustelle. Überall stöberten Bagger im Untergrund herum. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sie die erste Leiche ausgruben. Dass es ausgerechnet Schneewitt-chen war, die sie dann fanden, war erstaunlich, und für die Gegend, in der ich wohne und arbeite, nur eine von mehreren fatalen Entwicklungen. Aber ich gebe schon wieder meiner schlechten Angewohnheit nach, das Letzte zuerst abzuhandeln. Ich will lieber der Reihenfolge nach berichten, sonst macht diese ganze verrückte Geschichte keinen Sinn. Alles fing damit an, dass eine Fahne gehisst wurde – so könnte man beginnen. Oder auch: Es war einmal ein alter Peugeot, der seinen Geist aufgab – nein, das klingt alles sentimental. Gefühle, jedenfalls meine eigenen, spielen in diesem Zusammenhang keine wesentliche Rolle. Bleiben wir also bei den Fakten: Es gab einen dumpfen Knall und der Motor ging aus. Ich schaffte es gerade noch, den Wagen von der Max-Brauer-Allee auf den Parkplatz vor dem Bahnhof Altona rollen zu lassen, bevor er stehen blieb.
Zwei Polizisten, die in ihren dunkelblauen Uniformen aussahen, als wollten sie im nicht weit entfernten Rathaus einen Staatsstreich inszenieren, schoben mich in eine Parkbucht und salutierten lachend, als ich ausstieg.
»Vielen Dank, Kollegen«, sagte ich. »Sieh mal an«, sagte der Jüngere, »eine von uns.«
»Nicht ganz«, korrigierte ich. Der Ältere musterte mich grinsend. »Welches Revier?«
»Ottensen.«
Die beiden sahen sich an. In der Gegend gab es keine Wache. »Privat.«
»Ach«, sagte der Jüngere enttäuscht.
»Kommen Sie doch zu uns«, meinte sein Kollege mit einem Blick auf meinen leicht verbeulten und angerosteten Peugeot. »Dann können Sie sich einen besseren Wagen leisten.«
»Wohin, in die Abteilung für Hochstapler?«, wollte ich fragen. Aber im gleichen Moment begann eine Blaskapelle die dänische Nationalhymne zu spielen. Die beiden Bullen drehten sich um und sagten gleichzeitig: »Scheiße, es geht schon los!«, fassten nach ihren Gummiknüppeln und rannten davon. Ich schaute ihnen nach. Im Laufen nahmen sie die Knüppel vom Gürtel und griffen nach den Handschellen, die an ihren Hintern hin und her wippten.