Robert Brack
Und das Meer gab seine Toten wieder
KriminalromanOriginalveröffentlichung
Broschur, 224 Seiten
€ (D) 13,90
€ (A) 14,30
ISBN 978-3-89401-574-9
Erschienen Juni 2008

In der aufgeladenen politischen Situation Anfang der 30er Jahre will Jennifer Stevenson die Hintergründe eines Skandals aufklären. Zwei Polizistinnen sind angeblich freiwillig in den Tod gegangen. Hielten sie die Machtkämpfe innerhalb der »Weiblichen Kriminalpolizei« nicht aus oder wurden sie ermordet? Die Nachforschungen führen Jennifer Stevenson von Hamburg nach Pellworm, wo die Leichen gefunden worden sind. Bald wird ihr klar, dass sie nicht die einzige Fremde auf der Insel ist ...
Der Roman erzählt die wahre Geschichte eines Hamburger Polizeiskandals aus dem Jahr 1931, dessen Umstände nie aufgeklärt wurden.

© Charlotte Gutberlet
Robert Brack, Jahrgang 1959, lebt in Hamburg. Als Virginia Doyle ist er bekannt für seine historischen Kriminalromane. Er wurde mit dem »Marlowe« der Raymond-Chandler-Gesellschaft für Das Mädchen mit der Taschenlampe und mit dem »Deutschen Krimi-Preis« für Das Gangsterbüro ausgezeichnet (beide Edition Nautilus). Zuletzt erschien in der Edition Nautilus Und das Meer gab seine Toten wieder (2008).
Aktuelle Lesungen von Robert Brack sind immer zu erfahren unter www.gangsterbuero.de
Weitere Titel in der Edition Nautilus:
Blutsonntag
Haie zu Fischstäbchen
Kalte Abreise
Lenina kämpft
Nachtkommando
Schneewittchens Sarg
Unter dem Schatten des Todes
»Brack gelingt ein literarischer wie historischer Coup. Die Krimihandlung schürt die Spannung, führt in plastisch geschilderte Milieus und entfernt sich trotzdem nirgendwo aus der sozialen, politischen und kriminalistischen Wirklichkeit jener Krisenzeit. Das i-Tüpfelchen in Bracks Kabinettstück: Er präsentiert eine überzeugende Lösung. Seine faktenstarke Fiktion erhellt ein Stück Polizei- und Frauengeschichte, das so noch niemand sah.«
Tobias Gohlis, Die Zeit
»Er habe kein üppiges historisches Gemälde malen wollen, betont Robert Brack, er wollte einen zeitgeschichtlichen Roman, der auf Fakten beruht, schreiben. Das ist ihm in bemerkenswerter und äußerst spannender Weise geglückt – mit pointiert charakterisierten Figuren, einem stringenten Handlungsverlauf und kurzen, erhellenden Schlaglichtern auf das Leben Anfang der 30er Jahre in Hamburg (...) ›Und das Meer gab seine Toten wieder‹ ist eine faszinierende Mischung aus Fakten und Fiktion. Und Geist wie Atmosphäre der frühen 30er-Jahre in Hamburg weiß Brack wunderbar einzufangen.«
Volker Albers, Hamburger Abendblatt
»Es geht um die Monate vor der Machtergreifung, um jenen Prozess, in dem ein Land samt seiner Behörden nationalsozialistisch wird. Die Bedrohung geht von den Gesetzeshütern aus, und sehr gekonnt ist, wie Brack das Diffuse dieser Bedrohung erzählt, wie sich der Kriminalfall und der zeitgeschichtliche Hintergrund gegenseitig durchdringen und das Buch trotzdem immer ein atmosphärisch dichter, kurzweiliger Krimi bleibt.«
Klaus Irler, die tageszeitung
»Der
sich ausbreitende Einfluss der Nationalsozialisten, der Widerstand
dagegen, ein Geflecht aus Verrat und Korruption und eine Polizei, die
versucht, ihre Beteiligung zu verheimlichen, all das sorgt für Spannung
nicht nur bei historisch Interessierten. Mit der Wahl einer
selbstbewussten, weiblichen Protagonistin gelingt es Robert Brack
zugleich, die Lebens- und Arbeitsbedingungen einer ungewöhnlichen Frau
in den 1930er Jahren lebendig zu machen.«
Heike Langenberg, ver.di-News
»Robert Brack erzählt einen auf historischen Fakten basierenden, gründlich recherchierten und atmosphärisch dichten Krimi, in dem es um politische und menschliche Abgründe geht – in Pellworm wie in Hamburg. Ein Buch, das ebenso wenig ›regional‹ ist wie Andrea Maria Schenkels ›Tannöd‹.«
Börsenblatt des Deutschen Buchhandels
»Absolut lesenswert, nicht nur für Krimifans!«
hamburg pur
»›Und das Meer gab seine Toten wieder‹ ist ein ausgesprochen dicht erzählter Kriminalroman. Die Schilderungen des Hamburger Milieus und der Insel Pellworm samt ihrer teils schrulligen Bewohner sind präzise und auf das Wesentliche reduziert. Langatmige Beschreibungen gibt es an keiner Stelle, stattdessen authentisch anmutende Figuren vom korrupten Politiker bis zur Kiez-Journalistin, die offen mit den Kommunisten sympathisiert. Stilistisch also ein echter Robert Brack. (...) Ein guter Krimi, dank der atmosphärischen Dichte, der Spannung und dem sensiblen Umgang mit politischen und menschlichen Abgründen.«
Roland Krüger, Deutschlandradio Kultur
Ein Pfiff ertönte. An einer dunklen Ecke winkte jemand. »He, Emmy, warum so trübsinnig?« Eine Gestalt in langem Mantel und etwas zu weit geschnittenem Anzug mit Nadelstreifen, rotes Halstuch, Zigarette im Mund.
»Wer ist das?«, zischte Berta nervös. »Dein Lude?« Anscheinend war sie kurzsichtig.
Beinahe hätte ich laut aufgelacht. Der »Lude« kam auf uns zugeschlendert, die Hände in den Hosentaschen, den Mantel zurückgeschoben. Ein Ludengang war es schon, aber die Person, die sich so bewegte, war eine Frau.
»Moin, Frau Wachtmeister«, sagte Klara Schindler. »Wollen Sie die dünne Emmy etwa nach England entführen?«
Berta erkannte sie jetzt. »Was wollen Sie denn?«
»Du hast ja immer noch den Wachhund bei dir. Wird das nicht lästig?«, sagte Klara zu mir und schaute mir dabei direkt in die Augen. Ich spürte, wie mir ein leichter Schauer über den Rücken lief. Diese Frau konnte einen wirklich aus der Fassung bringen.
»Keine Beleidigungen, bitte!«, sagte Berta.
Die dünne Emmy wollte die Ablenkung nutzen und sprang zur Seite, um wegzulaufen. Ich packte sie am Ellbogen. Sie schrie auf und musste sich zwangsweise ein wenig nach vorn beugen. Dann lockerte ich den Griff wieder.
»Ich dachte, du bist hergekommen, um eine politische Intrige aufzudecken«, sagte Klara. »Wieso vergehst du dich denn jetzt am jungen Gemüse?«
Gute Frage, dachte ich. Warum hat Berta mich hierher geführt? Um mich von meiner eigentlichen Aufgabe abzulenken?
Emmy stöhnte noch mal laut auf, wofür es wirklich keinen Grund gab. Klara wurde zornig: »Macht dir das Spaß, sie zu quälen, Wachtmeisterin? Ist das eure Art, Fürsorge auszuüben?«
»Wir wollen lediglich die Personalien aufnehmen«, sagte Berta.