Thomas Meinecke / Klaus Walter / Frank Witzel
Die Bundesrepublik Deutschland
Originalveröffentlichung
Broschur, 192 Seiten
€ (D) 16,–
€ (A) 16,50
ISBN 978-3-89401-600-5
Erschienen August 2009

Dass Pop als Weltaneignungsmodell taugt, haben die Autoren und Musiker Frank Witzel, Klaus Walter und Thomas Meinecke schon in ihrem Rede-und-Antwort-Buch Plattenspieler unter Beweis gestellt. In Die Bundesrepublik Deutschland dreht sich ihr Gespräch nicht mehr nur um generationstypische und stilbildende Musik, sondern um die Menschen, Bilder und Sprechweisen, die auf sehr verschiedene Art für die BRD prägend waren.
Wann etwa sagte man überhaupt »Deutschland«, und was drückte es aus, wenn man die Abkürzung BRD verwendete? Bis wann waren Kioskbesitzer und Lehrer alte Nazis, und wann ist einem das aufgefallen? Worauf gründete sich der ideologische Konsens repressiver Toleranz, und woher rührte der Widerstand dagegen?
Mit solcher Art Fragen unterwandern »die Drei von der Punkstelle« (WoZ) die in diesem Jahr zu erwartenden Gedenkreden zu 60 Jahren BRD und 20 Jahren Mauerfall – oral history live!
Thomas Meinecke, geb. 1955 in Hamburg, lebt seit 1994 in einem oberbayerischen Dorf. Er ist Schriftsteller, Musiker und Radio-DJ. Zuletzt erschienen die Romane Musik (2004), Hellblau (2001) und Tomboy (1998).
Weitere Titel in der Edition Nautilus:
Plattenspieler
Plattenspieler (Hörbuch)
Klaus Walter, geb. 1955 in Frankfurt, lebt dortselbst. Er schreibt zu Popkultur, Sport und Politik. 1984 bis 2008 war er DJ der Sendung »Der Ball ist rund« im Hessischen Rundfunk. Seit 2008 ist er Mitarbeiter des Internetradios byte.fm, dort unter anderem mit der Sendung »Was ist Musik?«
Weitere Titel in der Edition Nautilus:
Plattenspieler
Plattenspieler (Hörbuch)
Frank Witzel, geb. 1955 in Wiesbaden, lebt als Schriftsteller, Musiker und Illustrator in Offenbach. Zuletzt erschien sein Roman Vondenloh (2008).
Weitere Titel in der Edition Nautilus:
Bluemoon Baby
Plattenspieler
Plattenspieler (Hörbuch)
Revolution und Heimarbeit
»Obwohl hier von einer minoritären Sprecherposition aus der poplinken Ecke heraus und noch dazu sehr subjektiv geredet wird, fügen sich die hochpersönlichen Fetzen aus reflektierten Erinnerungen auf wunderbare Weise doch zu einem allgemeinen Bild der alten BRD.«
Barbara Eisenmann, SWR2
»Thomas Meinecke, Klaus Walter und Frank Witzel haben sich für ihr Bändchen ›Die Bundesrepublik Deutschland‹ ein angemessenes Arrangement einfallen lassen: die freie Trio-Improvisation. (...) Meist geht es um konkrete Details wie Fernsehserien oder Namen von Sängern und Gruppen. In guten Momenten spielen die drei traumhaft zusammen (...) man hat diese zweifellos sprechenden Namen eigentlich längst vergessen und ist jetzt berauscht, in welch entlegenen Ecken des Gedächtnisses man kramen kann. Das ist das Geheimnis von Pop!«
Helmut Böttiger, Süddeutsche Zeitung
»Das Buch ist ein wohltuendes Gegenmittel zur Verklärung der BRD. Wahrscheinlich ungeeignet für Nachgeborene. Für die Zielgruppe aber ein guter Anlass zur (Selbst-)Reflexion.«
FIN, Meier. Das Magazin für das Rhein-Neckar-Delta
Thomas Meinecke: Aber vielleicht ist es doch ganz normal, dass man 77 gegen die alte BRD war und 2009 gegen das neue große Deutschland. Immer gegen die Regierung sein, die klassische Rolle des Intellektuellen natürlich.
Klaus Walter: Jetzt mal so kurz für den Buchrücken gesprochen.
Thomas Meinecke: Warum das eine gegen das andere ausspielen?
Klaus Walter: Das ist beides Scheiße. Das eine ist eine aufgeklärte, zentralistische Berliner Republikscheiße, das andere der Föderalismus als Hülle für einen Provinzialismus. Die Macht der Provinzen. Ich hätte zum Beispiel vor ein paar Jahren gedacht, dass Kurt Beck in die Fußstapfen von Kohl tritt, das sozialdemokratische Pendant zu Kohl, auch so erfolgreich. Was aber ’ne vollkommene Schnapsidee war, weil Kohl noch ein Produkt der alten BRD war. Die sind ja mentalitätstechnisch wie Brüder.
Thomas Meinecke: Auch gewebetechnisch.
Klaus Walter: Die kommen aus demselben Saumagen. Aber Beck funktioniert nicht in der neuen BRD, so wie auch Kohl hier nicht mehr funktionieren würde.
Thomas Meinecke: Aber es ist auch schon ein Wunder, dass es damals funktioniert hat, das habe ich damals schon nicht verstanden, der war ästhetisch die größte Zumutung von allen. Zwar kein Nazi gewesen, aber von der Rhetorik, der Grammatik, dem Wortschatz eine völlige Zumutung.
Klaus Walter: Deutschland war damals noch nicht mal so modern, dass Kohl unmöglich war.
Thomas Meinecke: Man braucht nicht mehr so patriarchale Figuren, sondern so ’ne Art Verwaltungsbeamte.
Klaus Walter: Moderatoren. Ist nicht Merkel ’ne Moderatorin? So ’n bisschen strenge Mutter.
Frank Witzel: Aber sie ist doch da auch die Schülerin Kohls, in der Unbeholfenheit.
Thomas Meinecke: So beschränkt ist die nicht. Ich find die moderner, schneller, klüger. Aber ästhetisch gesehen hab ich gedacht: Das kann doch nicht möglich sein.
Klaus Walter: Aber Deutschland steht dahinter. So wie Hessen hinter jemandem wie Roland Koch steht.
Frank Witzel: Aber das stimmt doch nicht.
Klaus Walter: Entschuldige bitte, Roland Koch regiert dieses Land zehn Jahre, und es gibt die schweigende Mehrheit, die hinter diesem Typen steht, die diesen Mann wählt. Würden wir gern von Sarkozy regiert sein oder von Gordon Brown oder Barack Obama?
Thomas Meinecke: Berlusconi?