Patrick Pécherot
Nebel am Montmartre
KriminalromanAus dem Französischen übersetzt von Katja Meintel
Original: Les brouillards de la Butte, Gallimard
Deutsche Erstausgabe
Broschur, 192 Seiten
€ (D) 14,90
€ (A) 15,40 / sFr 25,50
ISBN 978-3-89401-720-0
Erschienen Februar 2010

Nestor ist ein anarchistischer Privatdetektiv von zartem Gemüt. Zusammen mit seinem Freund Lebœuf, einem massigen Lumpensammler und Jahrmarktringer, versucht er, im Paris der Zwanzigerjahre für etwas Gerechtigkeit zu sorgen. Nebel am Montmartre ist eine Hommage an Léo Malet. Folgerichtig treiben sich auch bei Pécherot skandalumwitterte Grafen, verführerische Dienstmädchen und gewissenlose Großindustrielle zwischen Trödelmärkten, Cabarets und Gewerkschaftsräumen herum. Es entspinnt sich eine verwickelte Geschichte, in der jeder jeden zu erpressen scheint und der Detektiv den Mörder mit einer Ausgabe der Révolution surréaliste entlarvt. André Breton höchst selbst nimmt gar an einer nächtlichen Schießerei auf dem Friedhof teil und dient dem jungen Detektiv bald als BriefkastenAdresse : »›Was für eine Geschichte!‹, seufzte Breton. ›Als Poet sind Sie zwar ein Stümper, alter Knabe, aber langweilig wird einem in Ihrer Gesellschaft nicht.‹«

© Elise Grynbaum
»Eine funkelnde Hommage an Léo Malets brodelndes Paris der Zwanziger Jahre: mitsamt Anmerkungen ein echtes Liebhaberstück. Nestor, ein anarchistischer Privatdetektiv und leicht als Malet zu identifizieren, trägt in den berühmten Cabarets schlechte Gedichte vor und treibt sich im surrealistischen Zirkel mit Breton und Artaud herum. Für ‚Nebel am Montmartre’, sein mit leichter Hand und ironisch gefärbter Poesie in Szene gesetztes Paris der Surrealisten, erhielt Patrick Pécherot den ‚Grand Prix de Littérature Policière’.«
Barbara Oetter, Literaturen, Heft 2/2010
»’Nebel am Montmartre’ enthält jede Menge Verweise und Wortspiele aus dem literarischen Repertoire dieser Epoche. Gleichzeitig führt das Buch auch den tristen Alltag der so genannten ‚einfachen’ Leute in drastischen Bildern vor Augen, und rückt so den oft verklärenden Blick auf die ‚Goldenen Zwanziger’ in ein wahrheitsgetreueres, nüchterneres Licht.«
Bruno Lässer, Vorarlberger Nachrichten
»Der Reiz dieses Krimis ist der Schauplatz, das Paris des Kabaretts, der anarchistischen Milieus und der künstlerischen Avantgarde wie der Surrealisten. Der Autor Patrick Pécherot, 1953 geboren, schreibt mit viel Ironie über Glanz und Elend, über Reichtum und Armut jener Zeit. Liebevoll zeichnet er seine pittoresken Figuren und lässt beispielsweise den Chefsurrealisten Breton höchst selbst auf einem Friedhof herumballern.«
Wolfgang Bortlik, 20 Minuten (Schweiz)
»Es kommt einem beim Lesen von Nebel am Montmartre beinahe so vor, als höre man ein vielstimmiges Chanson voller Anspielungen auf ein Leben, das untergegangen ist. Nebel am Montmartre kann seine Wurzeln im Roman noir nicht verleugnen. Allerdings ist er an vielen Stellen ironisch gebrochen und spielt versiert mit dem Etikett. (...) Dass Pécherot dieses Leben einzufangen vermag, besitzt Spritzigkeit.«
Wolfgang Franßen, Krimi-Couch.de
»Der besondere Reiz dieses Krimis liegt in der temporeichen, oft ausgesprochen witzigen Handlungsentwicklung, aber auch in der immer amüsanten respektlos-ironischen Diktion. (Klasse Übersetzung von Katja Meintel!) Viele historische Personen aus dem Paris der 20er Jahre, insbesondere aus dem Umfeld der Surrealisten und Anarchisten wie z.B. André Breton tauchen als mehr oder weniger karikierte Romanfiguren auf und geben dem Roman ein raffiniertes historisches Flair. Empfohlen!«
Helmer Passon, Buchprofile, Jg. 55/2010, Heft 2
»Den Zeitgeist steht charmant und amüsant einfangend. Und wir lernen, wie André Breton vom automatischen Schreiben zum automatischen Schießen fand. (...) Fein.«
Thomas Wörtche, kaliber.38, 3/2010
»Nebel am Montmartre ist ein bissiger, ironischer, sinnlicher Roman, der sich vor seinem deutlichen Vorbild nicht verbergen muss, voller kleiner Anekdötchen und Anspielungen. (...) Unterhaltsam, lehrreich, temperamentvoll und kurzweilig... Tip!«
Markus Dewes, derdigitaleflaneur.blogspot.com
»Wer wie der Rezensent mit ein wenig Skepsis ob solcher ›Hommagen‹ an das Buch herangegangen ist, klappt es jedenfalls befriedigt zu. Ein Spiel mit dem nötigen Respekt, dem nötigen Augenzwinkern – und der nötigen Tiefe. Sehr schön!«
www.hinternet.de, »Watching the detectives«
»Pécherot führt und durch allerlei Spelunken, Kabaretts und Hinterzimmer. Überdies blicken wir en passant noch in das surrealistische und anarchistische Antlitz von Paris. Im Vordergrund dieser ironischen, aber aufrichtigen Hommage an Malet steht jedoch ein ahndfester Skandal, der nicht in den Absteigen der Armen, sondern in der Beletage der französischen Gesellschaft zu Hause ist.«
Jörg von Bilavsky, titel-magazin
»Die Lektüre von ›Nebel am Montmartre‹ macht also nicht nur Spaß, sie schließt nebenbei etliche Wissenslücken in den Bereichen Kunst, Anarchie, Banden, Geschichte, Plätze in Paris und macht Lust, sich mit der Gattung des französischen Kriminalromans zu beschäftigen.«
Maria Panzer, Lesart, 1/2010
»Pécherot ist nicht nur ein prima Schreiber, er hat zur Freude des objektiven Lesers auch jenes Feuer, ohne das ein Schriftsteller nicht mehr als ein läppischer Geschichtenerzähler bleibt.«
Hansgeorg Hermann, junge Welt
»Neben einer spannenden Handlung versteht es Pécherot gekonnt, das Paris der 1920er-Jahre wieder lebendig werden zu lassen und wurde deshalb auch mit dem großen französischen Krimipreis ausgezeichnet. (...) Fazit: Kurzweiliger Krimi mit der richtigen Dosis an nostalgischem Flair.«
Buchkultur, Februar/März 2010
»Ein Krimi mit nostalgischem Flair. Ein Buch, das man seinen Freunden weitergibt.«
Pascal Busset, Le Matin
»Die schönste Hommage an sein Werk, die sich Léo Malet erträumen könnte.«
Le Monde des Poches
»Was für eine Geschichte!«, seufzte Breton. »Als Poet sind Sie zwar ein Stümper, alter Knabe, aber langweilig wird einem in Ihrer Gesellschaft nicht.«
»Oh! Mein Gott!« Sie legte eine Hand an ihre Wange. »Ihr Gesicht! Was ist Ihnen denn zugestoßen?
Nach ihrer entsetzten Miene zu urteilen, schien ich einen Blick wert zu sein.
»Ähm ... Phantom der Oper. Ich dachte, das würde Ihnen gefallen.«
»Sie sind ja ganz voller Blut. Kommen Sie rein, im Arzneischrank ist Alkohol.«
Am Ende der Eichenholztreppe führte sie mich in ein gefliestes Bad mit einem Waschbecken à la Hollywood und einer bombastischen Badewanne, so ausladend wie ein Swimmingpool. In einer Ecke versteckte sich schamhaft das Bidet. Pauline wurde rot.
»Hier ist das Desinfektionsmittel.«
Sie öffnete den Arzneischrank und holte ein Fläschchen und Gaze heraus. Behutsam fing sie an, mir das Gesicht zu säubern. Ich konnte nicht anders und zog vor Schmerz eine Grimasse.
»Tu ich Ihnen weh? Was ist Ihnen denn nun zugestoßen?«
»Äh ... Einem Zuschauer hat meine Vorstellung in der ›Wütenden Kuh‹ nicht gefallen.«
Sie sah mich scharf an.
»Das würde mich nicht sonderlich erstaunen. Ich bin sicher, Ihre Gedichte sind fürchterlich.«
Also wirklich, ganz Paris hatte es auf mich abgesehen.