Belletristik / Krimi

Guido R. Schmidt

Woher der Wind weht

Ein Patagonienroman

Originalveröffentlichung
Gebunden, 384 Seiten
€ (D) 19,90
€ (A) 20,50

ISBN 978-3-89401-729-3

Erschienen August 2010
Woher der Wind weht
Inhalt

Die faszinierende, windzerzauste Landschaft Patagoniens stellt den Rahmen für diesen Roman dar: »Vereinzelte dunkle Wolkenfetzen rasten am kobaltblauen Himmel dahin, während ihre Schatten blitzschnell, als wären es monströse Sturmvögel, über die im grellen Sonnenlicht flimmernde Steppe hinwegfegten.«

Veit, ein junger Mann, sucht dort in den achtziger Jahren nach seinem Großvater Emil Sailer, der 1922 dort umgekommen ist. Sailer war bei seiner Ankunft in Südamerika mitten in die großen Streiks auf den Schaf-Farmen und anarchistischen Arbeiteraufstände geraten, die die Großgrundbesitzer mit Hilfe von Privatmilizen blutig niederschlagen ließen, und dann verschwunden.

Noch sechzig Jahre später stößt Veit bei seiner Suche überall auf misstrauisches Schweigen; die Angst, über die Vergangenheit zu sprechen, ist erdrückend, das Grauen der Militärdiktatur noch präsent. Veit deckt nach und nach die Geschichte seines Großvaters auf, der auf der Suche nach einem besseren Leben in der neuen Welt in die blutigen Kämpfe geriet und für sein Abenteuer mit dem Leben bezahlte.

Guido Schmidts Roman beruht auf wahren Begebenheiten und kann als politische Ergänzung zu Bruce Chatwins legendärem Buch In Patagonien. Reise in ein fernes Land gelesen werden.

»Ein faszinierendes Kapitel deutscher und lateinamerikanischer Geschichte, das hier weitgehender Vergessenheit entrissen wird. Woher der Wind weht ist auch eine Hommage an all jene leidenschaftlichen und aufrechten Akteure unserer Geschichte, denen die historische Wissenschaft bisher keine Denkmäler zu setzen gewillt war.« Robert Hültner

Zum Autor
Guido Schmidt
© Gabriela Schubert

Guido Rochus Schmidt, geb. 1953, Studium der Kommunikationswissenschaft, Politik und Geschichte in München, Druckerlehre, lebt und arbeitet als Schriftsteller, Musiker und Drucker in Andechs, Oberbayern. Bisher veröffentlichte er Die Soldaten der Jungfrau – Roman aus dem Süden Mexikos, Frankfurt a. M. und die Kurzgeschichte Der Grenzgänger in albumtotal, München. Woher der Wind weht ist sein zweiter Roman.

Pressestimmen

»Ein fesselnd geschriebenes, lesenswertes Kapitel deutsch-südamerikanischer revolutionärer Geschichte.«
Anna Bartholomé, Rote Fahne 

»… ungewöhnlich eindringlich und berührend. … eine faszinierende und anrührende Geschichte ….«
Erwin Wieser, Buchprofile/Medienprofile

»Eine abenteuerliche Spurensuche in einem Land der Schönheit und tragischer Geschichten.«
buchjournal  

»… ein gekonnter Mix aus Wirklichkeit und Fiktion mit ganz viel Atmosphäre ….«
Wolfgang Bortlik, 20minuten.ch

Textauszug

»Auch wenn die Hauptstadt weit weg ist, die Nase des Schakals ist unbeirrbar. Er weiß immer, woher der Wind weht!«

Señora Solanas kippte einen Schwall Wasser auf ihr Halstuch, rieb sich das Gesicht ab und legte sich das feuchte Tuch in den Nacken.
»Und?«, fragte ich. »Geht’s wieder? Können Sie's mir jetzt zeigen?«
»Geduld, Geduld, mi hijo! Meine alten Knochen brauchen ein wenig Ruhe!«
Sie lehnte sich mit einem tiefen Seufzer zurück und schloss die Augen.
Jenseits der Einfriedung dehnte sich die Steppe in ruhigen Wellen bis an den Horizont. Einzelne Wolken hingen wie zerpflückte Watte über den in der Ferne leuchtenden Gipfeln der Cordillera del Paine.
Nach einer Weile hatte sich Señora Solanas wieder erholt. Sie musterte eingehend jeden Fleck des verwilderten Gräberfeldes. Endlich rief sie: »Da! Ja, da muss es sein!«
Sie packte mich am Arm und dirigierte mich hinüber zur anderen Seite des Friedhofs.
Ich begann, an der bezeichneten Stelle das stachelige Gestrüpp wegzuzerren – und tatsächlich konnte man bald schon die Kontur eines Kreuzes erkennen.
Nuestro compañero alemán: Emilio Cordel, †1922
Cordel? Ich stutzte. Hatte sich die Señora geirrt?! Cordel, das war doch nicht … Natürlich war es das! Cordel von ›cordel‹, die Schnur, das Seil. Emilio Cordel.
Ich stieß einen Schrei aus und umarmte die Señora ungestüm. Nuestro compañero alemán! Ich stand am Grab meines Großvaters!

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