Belletristik / Krimi
Platz 4 der SWR-Bestenliste, Mai 2012
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Maurizio Maggiani

Himmelsmechanik

Roman

Aus dem Italienischen von Andreas Löhrer

Deutsche Erstausgabe
Gebunden mit Schutzumschlag,
344 Seiten

€ (D) 22,–
€ (A) 22,70

ISBN 978-3-89401-751-4

Erschienen Februar 2012
Himmelsmechanik
Inhalt

Der Roman ist eine Hommage an die Menschen, die in den Wäldern und Tälern des Apennin seit Jahrhunderten ein freies Leben führen, das sich jeglicher Obrigkeit widersetzt. Über die Ereignisse der großen Geschichte hinweg erzählt Maggiani von den kleinen Leuten, ihren Gewitztheiten, Schrulligkeiten und hartnäckigen Überzeugungen: eine Liebeserklä­rung an dieses »Revier«, dem man entweder verfallen oder aus dem man auswandern muss.

In den Tälern voller Kastanienwälder leben die Menschen der norditalienischen Garfagnana in einer eingeschworenen Gemeinschaft. Seit Generationen in Armut, aber reich an freiheitlichen Traditionen, an Anmut, Zorn und Liebe.

Der namenlose Erzähler ist einer von hier. Er wird spät noch Vater, und seine Erinnerungen sind das Vermächtnis dieser Traditionen, die er seiner ungeborenen Tochter mitgibt: Geschichten von seiner Mutter, der Duse, einer Akkordeon spielenden Dorflehrerin; von der als Witwe geborenen Santarellina, der besten Freundin der Duse; vom Omo Nudo, Überlebender des KZ Sachsenhausen, der nackt und zu Fuß in sein Dorf zurückgekehrt ist, oder von Malvina, promovierte Astrophysikerin, die nun das feindselige Haus ihres Großvaters bewohnt. Und auch die Geschichte von Nita, der jungen Frau des Erzählers, die als Fremde kam und im Revier eine neue Familie gefunden hat – in diesem abgelegenen Winkel der Welt, in dem doch die ganze Welt anwesend ist.

 

Zum Autor
Maurizio Maggiani
© privat

Maurizio Maggiani, geb. 1951 in Castelnuovo Magra, hat u.a. als Gefängnislehrer, Erzieher von blinden Kindern, Fotograf, Kameramann und Regieassistent gearbeitet, bevor er fast zufällig ein erfolgreicher Schriftsteller wurde. Er lebt in Genua und schreibt regelmäßig für die Genueser Tageszeitung Il Secolo XIX und die Turiner La Stampa. Für seinen Roman Der Mut des Rotkehlchens erhielt er 1995 den »Premio Campiello«. Für die Erzählungen Die Liebe ist ein Schwindel (2004) erhielt er 2003 den Literaturpreis »Scrivere per amore«.

Pressestimmen

»Wer Maurizio Maggianis ›Himmelmechanik‹ liest, braucht in den Ferien nicht wegfahren. Man ist dann schon weg. Hin und weg, wie bei allen guten Büchern.«
Maximilian Probst, Die Zeit

»So entsteht hier ein Mosaik aus literarischen Kleinoden über Menschen, deren archaisches Leben auf den ersten Blich unspektakulär erscheint, bei näherer Sicht jedoch alles umfasst, was wahre Größe, Dramatik und innere Schönheit ausmacht. Schönheit ist auch das Stichwort, um die Sprache Maggianis auf den Punkt zu bringen: Mit leichter Hand streut er mit leiser poetischer Stimme tief philosophische Gedanken in sein Werk, das nahezu entrückt zu sein scheint aus den Begrenzungen von Zeit und Raum. Ein wunderbares Geschenk für alle, die leise Geschichten zu würdigen wissen.«
Mona Grosche, Neues Deutschland

»Was alles so wundersam zusammenhält, ist seine schwerelose epische Poesie.«
Franz Haas, Neue Zürcher Zeitung

»Wird hier ein „Roman”„erzählt”? In Hinsicht auf dieses Buch besagen diese Begriffe zu wenig. Maggiani besingt die einfache Lebensart des Volkes, das, von steilen Bergkämmen umschlossen, sich unter allen Herrschaften immer einen gewissen Grad an Freiheit bewahren konnte.. Er besingt die Hirten und Bauern, die die Mühsal gewohnt sind, einem kargen und felsigen Boden ein Auskommen abzutrotzen. Er besingt ihre kräftige und ausdauernde Natur, ihre archaischen Bräuche, ihre Geschichte, ihre Mythen und Legenden, ihre abergläubischen, halbheidnischen Riten. Er besingt sie, wie antike Dichter Götter, Heldentaten und Schicksalsfälle besangen, um sie der Nachwelt zu überliefern. Weshalb einem auf jeder Seite das Wort „Epos“ in den Sinn kommt.
Andererseits: Es ist eine leise, vertrauliche, eine lyrische Stimme, die den Gesang anstimmt. Ein namenloses Ich, das vom Tiefinneren zu erzählen scheint, als hätte es sich alles einverleibt: die Geschichte der Menschen und die immer wiederkehrenden Erscheinungen der Natur.«
Aureliana Sorrento, WDR 3 Passagen

»Aus jeder Biografie, die aufscheint und wie in der Kunst des beinahe vergessenen, mündlichen Erzählens, entspringt eine Fülle von hinreißenden Nebengeschichten, sprudelnde kleine Bäche, die den ruhigen Hauptstrom begleiten, von ihm wegführen, sich wieder in ihm eingliedern. Ein hochpoetisches, eigenwilliges Panorama des 20. Jahrhunderts aus dem Blickwinkel italienischer Wälder.«
Sylvia Treudl, Buchkultur

»Poetisch-komische Geschichten, in denen, gleich einem Palimpsest, Zeitgeschichte durchschimmert: Der Zweite Weltkrieg, das Bombenattentat von Bologna, Barack Obama.«
Barbara Mader, Kurier Wien

»Dieses Buch ist mehr als nur ein schön geschriebener Roman, es ist eine wundervolle Liebeserklärung an eine Region und deren Menschen mit einer sehr ansprechenden wunderbaren Sprachmelodie. (...) Ich empfehle diesen Roman jedem, der eher die leisen Töne bevorzugt, dem der Sinn nach Tiefe in den Gedanken steht und der Menschen mit all ihren Eigenarten und Schrullen in einer abgeschiedenen Region begegnen möchte.«
wordpress.com

»Ein solcher Erzähler erweckt die italienische Gegenwartsliteratur zu neuem Leben.«
Der Tagesspiegel

»Maggiani ist ein besserer Eco, mit poetischeren Wässerchen gewaschen. Er vertraut ebenso auf die Exotik ferner Zeiten, doch er schöpft viel tiefer Luft.«
Neue Zürcher Zeitung

»Maurizio Maggianis ›Himmelsmechanik‹ ist ein detailreiches und liebevoll geschriebenes Buch für Leser, die der Hektik des Alltags entfliehen möchten und die das Besondere lieben. Es lohnt, sich einem Autor anzuvertrauen, der nahezu meditativ diese abgeschiedene italienische Gebirgslandschaft und ihre Menschen in vollendeter Sprache ehrt.«
Maria Panzer, Lesart

»Ein Wort unter uns einfachen, depressiven Lesern: Maurizio Maggianis ›Himmelsmechanik‹ ist ein Buch, das glücklich macht. Es macht froh in Zeiten der sogenannten Krise, weil es nichts mit Kapitalismus zu tun hat. Weil regierungsamtliche Schwätzer darin ebensowenig vorkommen wie ihre Meister aus den Hochetagen gläserner Bankhäuser, wo stündlich über die Vernichtung des Planeten beraten wird. Maggianis wunderbare Erzählung handelt von Menschen, sie beschreibt das reine Menschsein in gewaltiger, bis in unsere Tage hinein unzerstörter Natur. Und es macht deshalb Hoffnung – mag die auch trügerisch sein. (...) Es ist kein Missbrauch, mit den Handelnden eines Romans Geschichte abzubilden. Maggiani ist das trefflich gelungen in einem Buch, das – wir erwähnten es schon – glücklich macht.«
Hansgeorg Hermann, junge Welt

»Geschichten vor dem Hintergrund des 2. Weltkrieges – die große grausam-zufällige Geschichte im Spiegel der ›kleinenLebensgeschichten, die ihrerseits wiederum so schicksalhaft erscheinen. Maggiani erzählt sinnlich und eindringlich.«
ekz Bibliotheksservice

»Maurizio Maggianis Liebeserklärung an die Gegend und seine Menschen überzeugt mit leisen Tönen und nimmt die Leser mit in eine andere Art, zufrieden zu leben. Sehr empfehlenswert!«
Susanne Körber, Medienprofile Borromäusverein

»Maggiani schafft es, das Italien lebendig werden zu lassen, das im Bewusstsein der Menschen existiert.«
Meier

»Das schönste Liebesgedicht, das je über die Garfagnana geschrieben wurde.«
Il Tirreno

»›Himmelsmechanik‹ leidet an einer wunderbaren und seltenen Krankheit: am Überfluss von Schönheit. …
Maggiani erzählt gleichsam singend, er stilisiert und schwätzt nicht, sondern ist zugleich Bildhauer, Musiker und Maler. …
Maggiani erzählt mit epischer, denkwürdiger Gebärde vom nie versiegenden Klagelied der menschlichen Landschaft. …
›Himmelsmechanik‹ ist eine Geschichte von Geschichten, von Menschen, die wie Vögel von den Felsen fliegen und vom griechischen Meer der Ilias träumen. …
›Die Garfagnana kann die Welt sein, eine raue und wohlwollende Welt, die dich aufnimmt und der man sich beugen muss, im strengen Glanz von individuellen und kollektiven Erinnerungen, entlang zeitloser Jahreszeiten. Eine Welt, die man unermesslich wie Homer besingen kann, das Geheimnis der Himmelsmechanik in der schutzlosen Stille ihrer Nächte witternd: ‚Auch wenn jetzt ein Auto vorbeiführe, unten auf der Autobahn entlang des Flusses, würde es das gleiche Geräusch machen wie vor sechzig Jahren, und es würde diese Stille nicht zerstören, die der Klang ist, in dem ich aufgewachsen bin. Wie die Note, die im Universum noch immer den Klang der Schöpfung verbreitet – sie wird verklingen, wenn die Galaxien verklingen.‹«
Giorgio Cattaneo in Libre – associazione di idee (www.libreidee.org)

Textauszug

»Das ist eine einfache Sache, die man nicht verkomplizieren soll«, sagte Nita. »Einfach, mathematisch und vorhersehbar wie der Himmel heute Nacht«, präzisierte Malvina.

Dieses ganze Tal ist voll von Zeit und ist mit Menschen bevölkert gewesen, die sich durchschlugen und der Zeit misstrauten, weil sie den Verdacht hegten, es gäbe mehr davon, als man ihnen zusammen mit den Kalendern verkauft hatte. Und noch immer schlagen sie sich durch und vermehren sich weiterhin, damit sich auch ihre Kinder durchschlagen und deren Nachkommen bis zur hundertsten Generation. Und alles, was sie wollen, ist etwas mehr Zeit, als ihnen versprochen wurde von den Regierungen und den Heiligen und den Astronomen. Doch ich wäre gern so optimistisch und wohlgesinnt wie Nita.

Deswegen habe ich irgendwann auf den Gedanken verzichtet, sie mir vom Halse zu schaffen. Ich habe sie nur gebeten, es nicht zu wagen, öffentlich zu erklären, dass die Liebe etwas retten kann. Sie hat es versprochen, und sie sagt, sie geht nach Orto di Donna, um sich an ihr Versprechen zu erinnern, und wie sinnvoll und logisch es angesichts der Tatsachen doch ist. Unzähliger Tatsachen. Und ich weiß, dass sie mich verrät, und ich zögere, Maßnahmen zu ergreifen, nur weil ich sie liebe, das lässt mich zur Schwäche neigen.

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