Belletristik / Krimi
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Anja Röhl

Die Frau meines Vaters

Erinnerungen an Ulrike Meinhof

Originalveröffentlichung
Gebunden mit Schutzumschlag,
160 Seiten
€ (D) 18,–
€ (A) 18,50

ISBN 978-3-89401-771-2

Erschienen Februar 2013
Die Frau meines Vaters
Inhalt

Als Tochter aus erster Ehe Klaus Rainer Röhls lernt Anja im Alter von fünf Jahren die neue Freundin und spätere Frau ihres Vaters kennen: Es ist Ulrike Meinhof.

Es entsteht eine unerwartet intensive Beziehung, die über Jahre anhält, auch  als Ulrike Meinhof in Isolationshaft in Köln-Ossendorf und später in Stammheim einsitzt. Anja Röhl besucht sie im Gefängnis, erhält von ihr Briefe. Ihr Buch ist ein eindrucksvoller Beitrag für einen neuen Blickwinkel auf Ulrike Meinhof.

 

Zur Autorin
Anja Röhl
© Jutta Ditfurth
Anja Röhl, geboren 1955 in Hamburg, Tochter aus erster Ehe von Klaus Rainer Röhl. Erster Beruf: examinierte Krankenschwester, später Studium: Germanistik, Psychologie, Sonderpädagogik und Kunst. Arbeit als freie Dozentin und Theaterrezensentin für die junge Welt und Ossietzky, zahlreiche Veröffentlichungen. Drei Kinder.
Pressestimmen

»Ein beklemmendes Bild der geistigen Enge der frühen Bundesrepublik.«
Neues Deutschland

»Eine herausfordernde, oft geradezu körperlich schmerzhafte Lektüre.«
Frank Kaspar, WDR Gutenbergs Welt 

»... ein leiser, zurückhaltender Text.“
Jörg Magenau, Deutschlandradio Kultur

Textauszug

So was hat es noch nie erlebt, dass eine so spricht. Ulrike, denkt das Kind, was die für Sachen sagt!

Nach einem Papi-Tag steigt das Mädchen aus dem Auto ihres Vaters. Da hält er sie noch mal zurück: »Übrigens, Anja! Ulrike und ich werden uns trennen.«
Das Mädchen starrt den Vater an. Der sagt, scheinbar lustig: »Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei.« Das Mädchen versteht nicht. Was passiert nun mit den Kindern? Und Ulrike? Ich werde sie nie wiedersehen, denkt das Mädchen, während sie auf die Blinklichter des Armaturenbretts starrt …

Später besucht sie den Vater in dem Haus in Blankenese, das nun fast leer ist. Die Teppiche sind weg, man sieht den Holzfußboden. Der Vater grölt im Keller und trinkt und schießt mit dem Kleinkalibergewehr, endlich dürfe er das, das sei doch erfreulich, sagt er. Er prostet anderen Männern, Freunden aus seiner Firma, mit Whisky zu. Es ist laut. Das Mädchen hört den Lärm bis in die kahlen und verlassenen Zimmer.
Einzig im Arbeitszimmer des Vaters stehen noch alle Möbel, dort liegen all die Mädchenbilder für seine Zeitung herum, die sie immer schon ansehen musste. Nun hasst sie das alles noch viel mehr. Ihr Vater ist daran schuld, er hat ihr das Liebste genommen, was sie hatte: für eine kurze Zeit die Illusion einer Familie.
Eine Familie, die ein wenig, nur durch die Bande des gemeinsamen Vaters, mit ihr verbunden war. Hier hatte sie sich eingebracht und war nützlich gewesen, hier war sie wiedergeliebt worden. Sie hatte in Ulrike einen Menschen kennengelernt, der sie verstanden hatte, wie sich das Mädchen nie zuvor von jemandem verstanden gefühlt hatte.

Wer noch mehr lesen möchte, findet hier eine längere Leseprobe.

 

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