Belletristik / Krimi

Etel Adnan

Gespräche mit meiner Seele


Herausgegeben und aus dem Englischen übersetzt
von Klaudia Ruschkowski

Originalveröffentlichung
Gebunden mit Schutzumschlag,
128 Seiten
€ (D) 22,–

ISBN 978-3-89401-815-3

Erschienen Januar 2015
Gespräche mit meiner Seele
Inhalt

»Etel Adnans Neugier ist grenzenlos und ihre Lust auf das Leben ansteckend und immer wieder überraschend.« Corinna Harfouch

Etel Adnan, die am 24. Februar 2015 90 Jahre alt wurde, ist eine der wichtigsten literarischen Stimmen unserer Welt. Ebenso nomadisch wie kosmopolitisch ist sie durch ihr Leben gezogen: zwischen Ost und West, alten und neuen Sprachen, Poesie, Literatur und Malerei: eine Reise voller Entdeckungen, konfrontiert mit immer neuen Kriegen, voll der Erinnerungen. In Gespräche mit meiner Seele kulminiert das, was sich durch Etel Adnans gesamtes Schreiben zieht: ein poetisch-philosophischer innerer Dialog.

Wie spricht man mit der eigenen Seele? Die Seele, sagt Etel Adnan, ist ein eigenes Wesen, an das man vielleicht nie gedacht hat, das sich aber auf einmal bemerkbar macht: »Ich kann nicht anders, als mit dieser Seele zu sprechen, als wäre sie eine lebenslange Gefährtin. Wir waren eins, und wir waren verschieden. Wie begegneten wir einander? Was taten wir einander an?«

Etel Adnan hat sich zeitlebens mit den elementaren Fragen des Lebens auseinandergesetzt. Ihrer Wahrnehmung entgehen weder Momente des Alltags, Form und Funktion von Gegenständen, die Natur in ihren zahllosen Veränderungen, noch politische Konstellationen und Mächte, die skrupellos in unser Leben eingreifen. Sie versteht die Poesie als Mittel, Gegenwart sichtbar zu machen.

 

Zur Autorin
Etel Adnan
© Felix Grünschloß

Etel Adnan, Schriftstellerin und Malerin, wurde 1925 in Beirut, Libanon, geboren. Ihre Mutter war eine christliche Griechin aus Smyrna, ihr Vater ein muslimischer Syrer. Besuch französischer Schulen in Beirut, 1949 Studium der Philosophie in Paris, ab 1955 in den USA. Von 1958 bis 1972 unterrichtete sie Geisteswissenschaften und Philosophie in San Rafael, Kalifornien. 1972 Rückkehr nach Beirut, Feuilletonredakteurin der Zeitung Al-Safa. Zwei Jahre nach Ausbruch des Bürgerkriegs zog sie nach Paris, 1979 ging sie wieder nach Kalifornien. Heute lebt sie wieder in Paris, mit regelmäßigen Aufenthalten in Beirut, auf der griechischen Insel Skopelos, in der Bretagne. Für ihre Verdienste um die arabische Welt wurde Etel Adnan 2010 vom libanesischen Präsidenten Michel Slaiman mit dem Staatspreis ausgezeichnet.

Wir sind alle eine Synthese, ein Gewebe aus vielen Fäden, das unsere Persönlichkeit ausmacht. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass in jedem von uns mehrere Personen stecken. Für mich ist Identität nicht naturgegeben. Identität kann auch auf einer bewussten Entscheidung beruhen. Natürlich bin ich auch Araberin, neben vielen anderen Dingen. Ich fühle mich der arabischen Welt tief verbunden, gerade wegen all der Konflikte und der Schwierigkeiten, die die arabische Welt durchlebt hat und immer noch durchlebt. Selbst wenn man sie vergessen wollte: Es geht einfach nicht. Denn man wird jeden Tag an diesen Teil der Welt erinnert. In diesem Sinne fühle ich mich loyal und auch verantwortlich. Etel Adnan im Gespräch mit Martina Sabra, 2009

Das Al-Madina Theater im Herzen Beiruts hat die Dichterin, Schriftstellerin und Malerin Etel Adnan 2010 in einer großen Hommage gefeiert. Zum Abschluss riefen die Direktorin des Al-Madina Theaters, Nidal Al Achkar, und die Direktorin des Riksteatern Stockholm, Birgitta Englin, den „Etel Adnan Award for Female Playwrights in the Arab World“ ins Leben, dotiert mit 5000 Euro für das beste Stück, das dann sowohl in Beirut wie in Stockholm aufgeführt wird.Auf der dOCUMENTA (13) 2012 war sie eingeladen, ihre Bilder und Zeichnungen zu zeigen, Geheimtipp und Shooting Star zugleich.

 

Textauszug

Die Instinkte des Meeres arbeiten mit den unseren zusammen, um Denken zu erschaffen. Unsere Gedanken kommen und gehen, mit Geburt und Auflösung. Wir meinen, sie gehörten uns, dabei sind wir es, die den Strahlungen angehören, die sie sind, leichter als Nebel, aber zärtlich in ihrer Unzuverlässigkeit …

Gern, desorientiert, aber mit Höchstgeschwindigkeit, stürzt sich ein intakter Körper verrücktem Wasser entgegen; die beiden Massen, die eine speergleich und ozeanisch die andere, treffen sich, prallen aufeinander, dann vereinigen sie ihr Gewicht in einer endgültigen Abrechnung mit dem Dasein.

Wachen in der Landschaft, Element unserer Erinnerung, man spürt das Gewicht des Geistes. Reglos der Nachthimmel. Wir Reisende atmen den übrig gebliebenen Rauch eines archaischen Feuers.

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© Edition Nautilus GmbH - Gestaltung: Maja Bechert