Belletristik / Krimi

Das Buch ist auch als
ebook erhältlich. 

Chloe Aridjis

Buch der Wolken

Roman

Aus dem Englischen
von Klaus Bonn

Deutsche Erstausgabe
Geb. mit Schutzumschlag,
208 Seiten
€ (D) 19,90

ISBN 978-3-96054-031-1

Erschienen März 2017
Buch der Wolken
Inhalt

Chloe Aridjis erfindet den ›urban surrealism‹ für die Literatur – mit Anklängen an Benjamin, Sebald und Murakami.

Eine junge mexikanische Jüdin, ein alter Historiker und ein ehemaliger Ameisenzeichner und Wolkenspezialist treffen aufeinander – und die Konturen der Welt beginnen sich aufzulösen.

Tatiana hat es eher zufällig aus Mexiko-Stadt nach Berlin verschlagen. Empfindsam für historisch belastete Orte wie für Wetterphänomene, durchstreift sie auf einsamen Spaziergängen die Stadt und beginnt schließlich, die Notizen des Stadthistorikers Weiss zu transkribieren. Über ihn trifft sie auf den Meteorologen Jonas Krantz, der schon als Kind in der DDR in der Flüchtigkeit der Wolken über Berlin Trost fand.

Doch jeder der drei ist für eine Freundschaft zu spröde, und lebendiger als die Menschen, denen Tatiana begegnet, sind für sie die Geister Berlins: Von einer überfüllten U-Bahn, in der Hitler als alte Frau verkleidet erscheint, über eine unterirdische Kegelbahn der Gestapo, an deren Wände Spielstände aus längst vergangenen Partien angeschrieben sind, bis zu einem unerklärlichen Nebel, der alles verschluckt, führt uns Chloe Aridjis durch eine unruhige Stadt und verwischt die Linien zwischen Wirklichkeit und Vorstellung.

Mit traumlogischem Surrealismus lässt Buch der Wolken uns spüren, dass Städte, genau wie Menschen, ihrer Vergangenheit nicht entkommen können.

Zur Autorin
Chloe Aridjis
© Hartwig Klappert

Chloe Aridjis, geboren 1971 in New York, aufgewachsen in Mexiko und den Niederlanden, studierte Komparatistik in Harvard und Oxford. Sie hat ab 2003 fünf Jahre in Berlin verbracht und lebt heute in London.

Book of Clouds (2009) ist ihr erster Roman und erschien bisher in den USA, Großbritannien, den Niederlanden, Spanien, Mexiko und weiteren Ländern. Mit ihrem Roman Asunder (2013) war sie 2014 zu Gast beim internationalen literaturfestival berlin. 2014 wurde Aridjis mit dem renommierten John-Simon-Guggenheim-Stipendium ausgezeichnet. 2015 war sie Mit-Kuratorin der Leonora-Carrington-Ausstellung in der Tate Liverpool.

Pressestimmen

»Ein ergreifender und poetischer Debütroman einer jungen Autorin mit herausragendem Talent.«
Paul Auster

»Chloe Aridjis’ Gedankenwelt ist unkonventionell, vielseitig und verstörend zugleich – doch immer ausgesprochen fesselnd.«
Tom McCarthy

»In dieser klugen, lyrischen und betörend andersartigen Beschreibung eines Lebens im Fluss vereint Aridjis Realismus und Staunen mit wahrer Originalität und einem Hauch von Dunkelheit.«
Irish Times

»In der Tradition von W. G. Sebald und Walter Benjamin ist Buch der Wolken eine Art gedanklicher Spaziergang durch Berlin nach dem Mauerfall, zugleich zwanglos und doch gut fundiert. Eines meiner Lieblingsbücher in diesem Jahr.«
Ali Smith

»Aridjis ist etwas ganz Außerordentliches gelungen: das Umdenken des historischen Romans, einer von sich selbst sehr eingenommenen Buchgattung. Sie erinnert an den Schriftsteller Haruki Murakami mit seinen ungelösten Rätseln und ultra-coolen Charakteren. Dieses Buch empfiehlt man seinen Freunden.«
The Times

»Pflichtlektüre zum Genießen.«
Wendy Lesser, New York Times

»Tatianas einsame surreale Vorstellungskraft ist ein faszinierender Handlungsort.«
Times Literary Supplement

»Die objektive, leicht sarkastische Erzählerin und ihre genauen Formulierungen erinnern an die frühe Atwood. Dieser brillante Debütroman folgt einer jungen, in Berlin lebenden Frau durch ihre ereignislosen Tage und illustriert dabei zum einen die besondere Beziehung zwischen dem Individuum und der Stadt, zum anderen entsteht hierbei eine der einfühlsamsten Darstellungen von Einsamkeit, die mir je untergekommen sind.«
Rosalind Porter, New Statesman Books of the Year

»Eine frische und einmalige Stimme … Das Buch ist ein Porträt Berlins, einer Stadt, die berühmt ist für ihre Vielfältigkeit und Andersartigkeit; unheimlich gut getroffen von Aridjis.«
Francesca Segal, The Observer

»Buch der Wolken beeindruckt als eine Darstellung der Gedankenwelt, die versucht zu begreifen wo das Selbst endet und die Welt beginnt, und als Porträt einer Stadt, deren Geschichte sich an jeder Ecke schmerzhaft aufdrängt.«
Financial Times

Textauszug

Sobald ich die Fenster geschlossen hatte, gab es nichts weiter zu tun als mich an den Küchentisch zu setzen und zu warten, bis der Sturm vorüberzog. Sekunden später geriet das ganze Gebäude ins Wanken, um einen Zentimeter nur, denke ich, vielleicht weniger, als Antwort auf das zornige Vakuum draußen. Ich spürte, wie es versuchte, uns in sein bewegliches Chaos hineinzuziehen, mitten hinein in den Wirbel seines Energie-Reaktors, genug Energie, um ein Dorf über ein Jahr mit Strom zu versorgen. Der Regen machte einen ohrenbetäubenden Lärm, ein ungleichmäßiger Platzregen, als würde man zehntausende Aquarien ausschütten. Ich stand an meinem Fenster. Nichts als zwei Glasscheiben trennten mich von der Sturzflut, und ich schaute zu, wie der Regen Dreck von Autofenstern, Versprechen aus ihrer Erfüllung und einen kleinen Vogel aus seinem Nest schwemmte.

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