Belletristik / Krimi

Lesereise im Herbst 2017

Der Titel ist auch
als ebook erhältlich.

Shumona Sinha

Staatenlos

Roman

Aus dem Französischen
von Lena Müller

Deutsche Erstausgabe
Gebunden mit Schutzumschlag,
160 Seiten
€ (D) 19,90

ISBN 978-3-96054-047-2

Erschienen September 2017
Staatenlos
Inhalt

Shumona Sinha schreibt mit wortgewaltigem Zorn und in starken Bildern von drei Frauen, die sich einer unbarmherzigen männlichen Ordnung gegenübersehen – in Paris wie in Kalkutta.

Die Frauen in Shumona Sinhas neuem Roman sind entwurzelt, heimatlos, nie ganz angekommen in einer Gesellschaft, die unlebbar ist, vor allem für Frauen und Fremde. Voller Wut erzählt Sinha von Rassismus, Sexismus und Unterdrückung in Frankreich wie in Indien:

Esha stammt aus wohlhabendem, gebildetem Milieu in Kalkutta, sie ist aus Liebe zur Sprache nach Paris gekommen, einem romantischen Traum folgend. Doch während sie auf das Ergebnis ihres Einbürgerungsantrags wartet, häufen sich die rassistischen Bemerkungen, die abfälligen Blicke, die Enttäuschungen.
Mina ist Analphabetin und stammt aus einer Bauernfamilie, die seit Generationen Land in Bengalen bewirtschaftet, das ihr nicht gehört. Sie wird in einen Aufstand gegen den Bau einer Autofabrik hineingezogen. Doch sie hat eine viel drängendere Sorge, denn sie ist von ihrem Cousin Sam schwanger, der sie ganz sicher nicht heiraten wird.
Marie schließlich wurde schon als Säugling von liberalen französischen Eltern adoptiert. Sie reist regelmäßig nach Indien, auf unbestimmter Suche nach Exotik und ihrer eigenen unauffindbaren Herkunft.

In einer Gegenwart, die zunehmend von Misstrauen, Angst und sogar Hass dem Anderen gegenüber geprägt ist, ist Staatenlos eine wichtige und einzigartige literarische Stimme, die uns Fragen zur Gewalt, die wir tolerieren, akzeptieren und selbst ausüben, aufzwingt, sei es auch ohne unsere Absicht.

Zur Autorin
Shumona Sinha

Shumona Sinha, geboren 1973 in Kalkutta, lebt seit 2001 in Paris und studierte Literaturwissenschaft an der Sorbonne; ab 2009 war sie als Dolmetscherin für Asylsuchende tätig. Nach der Veröffentlichung von »Erschlagt die Armen!« 2011 (dt. 2015) verlor sie ihre Arbeit bei der französischen Migrationsbehörde, der Roman wurde mit vielen Literaturpreisen ausgezeichnet, die deutsche Ausgabe mit dem Internationalen Literaturpreis 2016. Ihr dritter Roman »Kalkutta« (dt. 2016) wurde ebenfalls vielfach ausgezeichnet.

Weitere Titel in der Edition Nautilus:
Erschlagt die Armen!
Kalkutta

Termine
Shumona Sinha liest: Hamburg | Dienstag, 26. September, 20.30 Uhr | | Lesung und Gespräch | Lesung des deutschen Textes: Sigrid Behrens | | Veranstaltungsort: Buchhandlung cohen + dobernigg, Sternstraße 4 | | Eintritt: € 8,-
Wien | Mittwoch, 27. September, 19 Uhr | | Lesung und Gespräch | Moderation und Lesung des deutschen Textes: Isolde Schmitt, Universität Wien | Übersetzung: Elisabeth Poleschinski | | Veranstaltungort: Hauptbücherei, Urban-Loritz-Platz 2A | | Eine Kooperation mit dem Insitut Français Autriche
Graz | Donnerstag, 28. September, 18 Uhr | | Steirischer Herbst | FreiSchreiben / Hoffnung als Provokation. Literatursymposium | Mit Lesungen von Shumona Sinha, Hamed Abboud, Ghayath Almadhoun, Radka Denemarkova, Asli Erdogan, Fiston Mwanza Mujila, Serhij Schadan, Vladimir Sorokin u.a. | | Veranstaltungsort: Kulturzentrum bei den Minoriten, Minoritensaal, Mariahilferplatz 3 | | Eintritt: € 7,- / ermäßigt 5,-
Köln | Freitag, 6. Oktober, 19.30 Uhr | | Lange Nacht der französischen Literatur | Es lesen Shumona Sinha, Laurence Tardieu, Sylvain Prudhomme, Hédi Kaddour, Marie Darrieussecq und Camille de Tolédo | Moderation: Antje Allroggen und Markus Messling | | Die Veranstaltung ist zweisprachig und wird simultan übersetzt. | | Veranstaltungsort: COMEDIA Theater, Roter Saal, Vondelstraße 4-8 | | Eine Veranstaltung von Deutschlandfunk Kultur, Deutschlandfunk, Litertaurhaus Köln und dem Institut Français Köln | Mit freundlicher Unterstützung von Frankfurt auf Französisch – Frankreich Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse 2017, Heinrich Böll Stiftung | | Eintritt: € 13,- / ermäßigt 10,-
Düsseldorf | Samstag, 07.Oktober, 18 Uhr | | Lesung und Gespräch | Moderation: Maren Jungclaus, Literaturbüro NRW | Übersetzung: Stefan Barmann | Lesung des deutschen Textes: Latifa Lalee | | Veranstaltungsort: frauenberatungsstelle düsseldorf e.V., Talstraße 22-24 | | Eintritt: 3 bis 8 ,- (nach eigenem Ermessen)

Bonn | Montag, 09. Oktober, 19 Uhr | | "Die Franzosen kommen" | Lesung und Gespräch mit Shumona Sinha, Annie Ernaux und Christophe Boltanski | Moderation und Übersetzung: Patricia Klobusiczky | Lesung der deutschen Texte: Tatjana Pasztor | | Veranstaltungsort: Bundeskunsthalle Bonn, Friedrich-Ebert-Allee 4 | | Eintritt: 16,- / (12,80 für Mitglieder des LHB und Art Card-Inhaber) / ermäßigt 8,- |
Heidelberg | Mittwoch, 11. Oktober, 19 Uhr | | Lesung und Gespräch | Moderation: Erika Mursa | Übersetzung und Lesung des deutschen Textes: Thomas Städtler | | Veranstaltungsort: Heidelberger Kunstverein, Hauptstraße 97 | | Eintritt: 8,- / ermäßig 5,- / dfk- und hdkv-Mitglieder 5,- | | Einer Veranstaltung im Rahmen der Französischen Woche Heidelberg

Frankfurter Buchmesse | Donnerstag, 12. Oktober, 15 Uhr | | Dialog der Ideen, ein Gespräch | Moderation: Aurélie Maurin | Übersetzerin: Lena Müller | | Veranstaltungsort: Halle 4.1 Stand D 10 | | Eine Veranstaltung von Arte Deutschland | In Zusammenarbeit mit dem Institut français und der Robert Bosch Stiftung
Frankfurter Buchmesse | Samstag, 14. Oktober, 20 Uhr | | Lesung und Gespräch mit Shumona Sinha | Moderation und Übersetzung: Erika Mursa | | Veranstaltungsort: Evangelische Akademie Frankfurt, Römerberg 9, Großer Saal | | Eine Veranstaltung von OPEN BOOKS
Basel | Dienstag, 24. Oktober, 19 Uhr | | Lesung und Gespräch | Gespräch auf Englisch, Lesung auf Deutsch | Moderation: Isabelle Chariatte Fels | Lesung: Miriam Japp | | Veranstaltungsort: Literaturhaus Basel, Theaterstrasse 22 | | Eintritt CHF 18.- / 13.-
Zürich | Donnerstag, 26. Oktober, 20 Uhr | | Shumona Sinha bei Zürich liest | Lesung und Gespräch | | Moderation und Übersetzung: Corina Caduff | Lesung des deutschen Textes: Miriam Japp | | Veranstaltungsort: Theater Neumarkt, Neumarkt 5 |
EDITION NAUTILUS AUF DER FRANKFURTER BUCHMESSE 2017:

11.-15. Oktober, 9-18 Uhr, Halle 4.1, D 20-22


UND MIT FOLGENDEN VERANSTALTUNGEN:


Donnerstag, 12. Oktober, 15 Uhr | | Dialog der Ideen | Gespräch mit Shumona Sinha | | Moderation: Aurélie Maurin | Übersetzerin: Lena Müller | | Veranstaltungsort: Halle 4.1 Stand D 10 | | Eine Veranstaltung von Arte Deutschland | In Zusammenarbeit mit dem Institut français und der Robert Bosch Stiftung

Samstag, 14. Oktober, 13.05 Uhr | | Bücherherbst 2017 | Lesungen und Gespräche mit Isabel Fargo Cole und weiteren Autor*innen | Moderation: Kolja Mensing, Jörg Plath und Barbara Wahlster | | Veranstaltungsort: Halle 3.1 Stand J 37 | | Eine Veranstaltung vom Deutschlandfunk Kultur

Samstag, 14. Oktober, 20 Uhr | | Free Deniz! | Große Solidaritätslesung für Deniz Yücel mit Uwe Timm, Dietmar Dath, Margarete Stokowski, Daniel Cohn-Bendit, Leo Fischer, Eva Demski, Ilkay Yücel, Yonca Şik und Thomas von der Osten-Sacken
| Moderation: Doris Akrap, taz | Veranstaltungsort: Haus am Dom, Domplatz 3, Großer Saal | | Eintritt frei | | Eine Veranstaltung von OPEN BOOKS

Samstag, 14. Oktober, 20 Uhr | | Lesung und Gespräch mit Shumona Sinha | Moderation und Übersetzung: Erika Mursa | | Veranstaltungsort: Evangelische Akademie Frankfurt, Römerberg 9, Großer Saal | | Eine Veranstaltung von OPEN BOOKS

Alle Termine unserer Autoren finden Sie auf unserer News-Seite
Pressestimmen

»Was mich berührt hat, ist Sinhas Bild von Frankreich als einem gespaltenen, verängstigten Land – Indien gar nicht so unähnlich.«
Cécile Wajsbrot

 »Ein Roman wie ein Faustschlag.«
Le Canard enchainé

»Schön und verstörend.«
Le Soir

Textauszug

»Das erste Gebiet einer Frau ist ihr Körper. Wird dieser fremdbestimmt, vereinnahmt, belagert, dann ist sie staatenlos.« Shumona Sinha

Die Arbeiter und Mechaniker, die Provinzler an den Tischen der Cafés irrten sich nie. Von Weitem machten sie die Betrüger, die Eindringlinge, die schwarzen Schafe in dieser Landschaft aus, die Handvoll Menschen einer Klasse, die mehr oder weniger rechtmäßig in der Nähe des Turms lebte. Sie zog ihre Aufmerksamkeit auf sich, eine Frau ohne Begleitung, ohne Herrchen, nicht reinrassig, eine brennende Sonne unter der Haut als einziges Erbe. Die Stadt war letztlich bloß ein riesiges Dorf, eine Vorstadt, wo die Leute sich ihre Zeit damit vertrieben, die anderen zu beobachten, zu bewerten, zu billigen oder zu missbilligen. Eine Fliegen-Stadt mit einer Vielzahl gieriger Augen. Die Männer sprachen sie an, musterten und kommentierten sie, wenn sie vorbeiging, folgten ihr von einer Avenue in eine Straße; die Frauen, die die Hunde oder Kleinkinder ihrer Arbeitgeber spazieren führten, musterten sie ebenfalls, regten sich auf und murmelten etwas. Alle erinnerten sie daran, wo sie herkam, wo sie herkamen, sicher angetrieben von einem Gefühl seltsamer Brüderlichkeit, ihr verbunden in der Erinnerung an Elend, Pech und eine traurige Herkunft.

Sie musste einen Panzer tragen, eine Maske, Kopfhörer, und den Blick auf den rosa, orange und samtig purpurfarbenen Himmel am Ende der Straße zwischen den Haussmann-Fassaden mit den smaragdgrünen Kuppeldächern richten. Sie musste ihre Wohnung stets wie ein wachsamer Soldat verlassen, den Mund mit schwarzem Faden vernäht.

Nach oben

© Edition Nautilus GmbH - Gestaltung: Maja Bechert