Christoph Twickel
Hugo Chávez
Eine BiografieOriginalveröffentlichung
Broschur, 352 Seiten, Chronik im Anhang
€ (D) 19,90
€ (A) 20,50
ISBN 978-3-89401-493-3
Erschienen August 2006

Das Buch erzählt vom Aufstieg des zur Zeit einflussreichsten Politikers Lateinamerikas und die Geschichte der Bewegungen, die seine Politik tragen. Die Bewohner der Armenviertel sahen in dem jungen Offizier mit dem roten Barett schon bei seinem fehlgeschlagenen Militärputsch 1992 ihren Helden.
Im Schatten der neuen Weltordnung hat es der charismatische Ex-Putschist geschafft, die zersplitterte Restlinke, die Menschenrechtsbewegung, Teile der Kirche, der Militärs, der linksbürgerlichen Parteien und vor allem die Millionen der marginalisierten Venezolaner auf seine Seite zu bringen. In allen Landesteilen haben Basiskomitees – Landarbeiter, Fischer, Indigene, Frauen etc. – eine neue Verfassung erarbeitet. Die Verabschiedung dieser Verfassung markiert den Übergang zum Modell der »partizipativen Demokratie«.
Chávez schaffte es, die Ölindustrie unter seine Kontrolle zu bringen und legte so die ökonomische Grundlage für seine Sozialpolitik. In enger Zusammenarbeit mit Kuba wurden anderthalb Millionen Menschen alphabetisiert, medizinische Grundversorgung in die Barrios gebracht und eine Agrarreform angestoßen. Institutionen wie die »Frauen-Bank«, die Förderung alternativer Medien und die Unterstützung linker lateinamerikanischer Politiker festigen seine Position als Erneuerer. Seine vehemente Anti-Bush-Haltung hat ihn in den letzten Jahren zur Galionsfigur der neuen Linken in Lateinamerika gemacht.

© Dirk Pudwell
Christoph Twickel, Jahrgang 1966, Journalist und Buchautor, hat die Hamburger »Recht auf Stadt«-Bewegung als Journalist begleitet und ist als Mitinitiator und Sprecher von »Not In Our Name, Marke Hamburg« zu einem ihrer Protagonisten geworden. Er bereist Lateinamerika seit 1988. Seine Tätigkeit als freier Korrespondent hat ihn nach Mexiko, Panama, Kuba und Venezuela geführt. Arbeitet als freier Autor unter anderem für die tageszeitung, die Frankfurter Rundschau, die Frankfurter Sonntagszeitung, Brand Eins oder das Greenpeace Magazin.
Weitere Titel in der Edition Nautilus:
GENTRIFIDINGSBUMS oder Eine Stadt für alle
Läden, Schuppen und Kaschemmen
»Wie er die jüngste venezolanische Geschichte schildert – kenntnisreich und detailliert, ohne einen undurchdringlichen Strudel aus Namen, Begriffen und Daten zu erzeugen – erlaubt es dem Leser, sich ein eigenes, differenziertes Bild über Chávez Politik zu machen.«
Literaturen
»Wie der Sohn eines Dorfschullehrers zum wichtigsten Mann der neuen lateinamerikanischen Linken aufstieg, erzählt Christoph Twickel in seiner spannenden, akribisch recherchierten Biografie.«
Stern
»... eine hervorragende Biografie.«
Frankfurter Rundschau
»Die geschickte Mischung aus aufschlussreichen Anekdoten und kritischen Hintergrundanalyen machen das Buch zu einer spannenden und höchst informativen Lektüre.«
Die Zeit
»Christoph Twickel hat eine kundige Biografie von Hugo Chávez geschrieben, die nicht nur dessen Leben überzeugend darstellt, sondern auch die politische Entwicklung Venezuelas.«
die tageszeitung
Es ist diese eine Minute, die die Grundlage für Chávez' politische Karriere legt. Eine Minute, die aus dem geschlagenen, übernächtigten Putschisten einen Star macht, eine Ikone, einen Volkshelden. Der 37jährige steht zum ersten Mal in seinem Leben in der Medienöffentlichkeit. Zum ersten Mal zeigt sich sein Instinkt für den Augenblick, festgehalten für ein Millionenpublikum. Die Kameras lieben Chávez, doch es wird noch ein paar Jahre dauern, bis Chávez diese Liebe erwidert. Erst angesichts einer Welle der Sympathie, die ihm im Gefängnis entgegenschlägt, kann er ermessen, welche Wirkung sein Auftritt hatte. Als man ihn nach der kurzen Ansprache zurück in das Büro des Verteidigungsministers führt, schämt er sich. »Ich war völlig zerschlagen, ich fühlte mich zerstört. Ich glaubte, ich hätte mich zur Lachnummer des Jahrhunderts gemacht.« Er ahnt nicht, dass seine lapidar dahingesprochene Formulierung, man habe die Ziele nur »vorläufig« – spanisch »por ahora« – verfehlt, die militärische Niederlage in einen politischen Triumph verwandeln wird. Dass sein »por ahora« zum Slogan werden wird, der die Hoffnung auf einen gesellschaftlichen Umschwung zusammenfasst und der das militärische Chaos der Nacht vom dritten auf den vierten Februar 1992 verblassen lassen wird.