Howard Zinn
Schweigen heißt Lügen
AutobiografieAus dem Englischen übersetzt von Jürgen Schneider
Deutsche Erstausgabe
Broschur, 288 Seiten
€ (D) 22,–
€ (A) 22,70 / sFr 37,50
ISBN 978-3-89401-604-3
Erschienen Februar 2010

Über 40 Jahre lang stand Howard Zinn in der ersten Reihe des sozialen Wandels in Amerika, vom Hörsaal des ausschließlich von schwarzen Frauen besuchten Spelman College in den 1950er Jahren über die Bewegungen gegen den Vietnam-Krieg in den 1960ern bis zu seiner scharfen Kritik am »Krieg gegen den Terror«. Mit dieser Autobiografie ist ein bewegendes Porträt seiner Epoche entstanden.
Wer mehr über die die Sit-In-Bewegung der sechziger Jahre in den Südstaaten erfahren möchte: 50_Jahre_SNCC
Howard Zinn, geboren am 24. August 1922 in Brooklyn, gestorben am 27. Januar 2010, war Hochschullehrer. Historiker und sein Leben lang politischer Aktivist. Das bekannteste Standardwerk seiner zahlreichen Veröffentlichungen ist Eine Geschichte des amerikanischen Volkes (1980, dt. 2007). Noam Chomsky würdigte es als seinen »wichtigen Beitrag zur amerikanischen intellektuellen und moralischen Kultur«.
Seine Autobiografie erschien unter dem Titel You can't be neutral on a moving train 1994 und erhielt für die deutsche Ausgabe, ein neues Nachwort.
Ein Interview mit Chomsky,Klein, Arnove und Walker zum Gedenken an den legendären Historiker und Aktivisten: Interview_Zinn_TV_Doku
»Die Beschreibung seines Lebens sollte sich niemand entgehen lassen, der an der Geschichte der Klassenkämpfe und des Pazifismus in den Vereinigten Staaten interessiert ist.«
Lorenz Jäger, Frankfurter Allgemeine Zeitung
»Ein Buch, das zur rechten Zeit auf Deutsch erscheint. In einem Augenblick, in dem in Deutschland allerorten eine Unzufriedenheit zu spüren ist, die aber nicht in politisches Handeln umschlägt. Wer sich nicht engagiert, weil er oder sie glaubt, man könne doch nichts verändern, dem sei dieses Buch unbedingt zur Lektüre empfohlen. Allen anderen natürlich auch.«
Martina Groß, SWR2, Buchkritik
»Allein die Kapitel über die sieben Jahre, die Zinn mit seiner Familie in Atlanta verbracht hat, lohnen die Lektüre des Buches; schon um zu verstehen, welch großen Mut selbst kleine Protest- und Widerstandsaktionen erforderten und unter welch hohem Preis selbst geringste Erfolge im Kampf gegen die Rassensegregation erzielt wurden. (...) Unter einer Politik der kleinen Widerstandsaktionen verstand Zinn eine subversive Alltagspraxis, die den herrschenden Konsens der Macht aufbrechen und zu ›einer mit unbeugsamer Ausdauer betriebenen Aushöhlung der verkrusteten Regeln der Rassentrennung‹ frühen solle.«
Reinhard Sauer, junge Welt
»Zinn berichtet in seinem neuen Buch von zahlreichen Einzelschicksalen und persönlichen Erfahrungen und gibt dabei tiefe Einblicke in die politisch angespannt Zeit der fünfziger und sechziger Jahre in Amerika. Ein Leckerbissen für alle, die sich für die jüngere US-Geschichte interessieren.«
Profil. Das unabhängige Nachrichtenmagazin Österreich
»Von den Studenten in seinen Hörsälen bis zum Publikum bei seinen vielen Vorträgen und Lesern seiner Bücher – Howard Zinns hoffnungsvolle Stimme wirkt inspirierend.«
Buch-Magazin
»Eine Geschichte und ein Geschichtsschreiber, die uns Hoffnung geben.«
Alice Walker
»Ein starkes, politisch beigeisterndes Buch von einem der engagiertesten Gesellschaftskritiker der Nation.«
Jonathan Kozof
»Diese Autobiografie des bedeutenden Aktivisten und Historikers ... bietet einen eloquenten, persönlichen Bericht vom Kampf um Bürgerrechte und gegen den Vietnamkrieg und ist ein universaler Lobgesang auf Protest und Widerstand.«
Matthew Rothschild, The Progressive
Für einige Leute stand nicht nur mein Buch, sondern mein ganzes Leben außerhalb der Ordnung – meine Kritik an vielem, was in dieser Gesellschaft vor sich ging, hatte etwas Unpatriotisches, Subversives, Gefährliches. Während des Golfkrieges von 1991 hielt ich einen Vortrag an einer Highschool in Massachusetts, einer Privatschule, deren Studenten aus begüterten Familien stammten und den Ruf genossen, »zu 95 Prozent Kriegsbefürworter zu sein«. Ich sagte offen meine Meinung und erhielt zu meiner Überraschung großen Applaus. Als jedoch danach in einem Unterrichtsraum eine kleine Gruppe von Studenten zusammenkam, ergriff eine Studentin, die mich während der Diskussion feindselig angestarrt hatte, mit wütender Stimme das Wort: »Warum leben Sie in diesem Land?« – Das traf mich. Es war eine Frage, die – wie ich wusste – viele Leute beschäftigte, wenn auch unausgesprochen.
Ich versuchte zu erklären, dass meine Liebe dem Land gilt, den Menschen, nicht aber der Regierung, die gerade an der Macht ist. An Demokratie glauben hieße, an die Prinzipien der Unabhängigkeitserklärung glauben – daran, dass die Regierung ein künstliches Gebilde ist, eingesetzt vom Volk, um die gleichen Rechte aller auf Leben, Freiheit und Glück zu verteidigen. Die Geschichte ist voller Beispiele dafür, dass Menschen trotz enormer Widrigkeiten zusammengekommen sind, um für Freiheit und Gerechtigkeit zu kämpfen und gewonnen haben – nicht oft genug natürlich, doch häufig genug, um zu demonstrieren, wie viel mehr möglich ist. Noch die kleinste, unheroischste Tat fügt dem Kienholz etwas hinzu, das sich durch irgendeinen überraschenden Umstand entzünden und zu einem stürmischen Wandel führen kann. Es kommt auf die Individuen an, von denen ich in meinem Leben viele kennengelernt habe, gewöhnliche und außergewöhnliche, deren bloße Existenz mir Hoffnung verliehen hat.
Ich bestehe auf Hoffnung. Es ist ein Gefühl, ja. Doch es ist nicht irrational. Menschen respektieren Gefühle, sie wollen jedoch auch Gründe erfahren. Gründe, um weiterzumachen, um nicht aufzugeben, um sich nicht in den privaten Luxus oder in die private Verzweiflung zurückzuziehen. Menschen wollen Beweise für jene Möglichkeiten im menschlichen Verhalten, von denen ich gesprochen habe. Ich habe angedeutet, dass Gründe existieren. Ich glaube, es gibt Beweise. Doch es gibt zu viele, als dass ich sie dem Fragesteller an jenem Abend in Kalamazoo hätte nennen können. Dazu war ein ganzes Buch nötig.