Autobiografien / Biografien
Buch des Monats April 2010 der Deutschen Kinemathek

Werner Grassmann

Hinter der Leinwand

Film- und Kinogeschichten

Mit einem Vorwort von Michael Töteberg

Originalveröffentlichung
Broschur, 288 Seiten,
mit vielen S-W-Illustrationen
€ (D) 16,90
€ (A) 17,40 / sFr 28,50

ISBN 978-3-89401-723-1

Erschienen Februar 2010
Hinter der Leinwand
Inhalt

Anfang der 50er Jahre gab es kaum Filmkunsttheater. Werner Grassmann eröffnete 1953 in einem alten Buchlager, das nicht mehr genutzt wurde, ein kleines Filmkunstkino mit 25 Plätzen, das Studio 1. Das Interesse unter Hamburgs Cineasten war mäßig und das kleinste Kino der Welt war häufig nicht ausverkauft, obwohl es Filme präsentierte, die kaum in Deutschland zu sehen waren. Das Kino musste 1956 wieder schließen.

Grassmann arbeitete dann als Filmproduzent (Studio 1 Filmproduktion), Filmkritiker, Radioreporter, Regisseur eigener Filme und als Regisseur beim NDR. Er war Mitbegründer der Hamburger Filmcoop.

1970 startete Grassmann seine zweite Karriere als Kinobesitzer. Er gründete zusammen mit Winfried Fedder in einer alten Garage das Abaton-Kino, bis heute eines der wichtigsten Programmkinos Deutschlands, vielfach ausgezeichnet für das filmkulturelle Engagement.

Werner Grassmann selbst erhielt 2006 vom Hamburger Senat die »Biermann-Ratjen-Medaille« für sein unermüdliches Bemühen um die Filmkunst. Anekdotenreich berichtet Werner Grassmann vom Wiederaufbau der deutschen Kinowelt nach 1945 und von der Unverfrorenheit und Hartnäckigkeit, die nötig waren, seine Vision eines anspruchsvollen Kinos zu verwirklichen.

 

Zum Autor
Werner Grassmann
© Günter Zint
Werner Grassmann (hier bei der Arbeit in der Gründerzeit des Abaton-Kinos), geb. 1926, Seekadett, Anzeigenwerber, Filmkritiker, Filmproduzent und -regisseur (Filmband in Gold und in Silber), Radioreporter, Kinobetreiber, lebt und arbeitet in Hamburg.
Pressestimmen

»Walter Grassmann verdanken wir mit ‚Hinter der Leinwand – Film- und Kinogeschichten’ eines der schönsten und charmantesten Bücher über die Lust am Film im Allgemeinen und der des Kinomachens im Besonderen.«
SWR 2

»Das Buch musste kommen. Es war nur die Frage: wann? Werner Grassmann, als Gründer des Hamburger Programmkinos Abaton so etwas wie eine Institution, ist inzwischen 83 Jahre alt. Da sollte man schon mal auf all das zurückblicken, was sich in einem interessanten Film- und Kinoleben ereignet hat, und sich die Zeit nehmen, das auch in der richtigen Form aufzuschreiben. Nun ist es endlich passiert.«
Buchempfehlung der Deutschen Kinemathek

»So sind diese Memoiren auch eine kleine Geschichte des deutschen Films. Dass man sie mit Lust und anstrengungslos liest, liegt aber daran, dass Grassmann kein Wichtigtuer ist, sondern ein Erzähler, der die Pointe nicht nur liebt, sondern sie auch beherrscht.«
Ulrich Greiner, Die Zeit

»Dass Grassmann, 83, ein lustvoll pointierender Erzähler ist, zeigt seine mit Anekdoten gespickte Autobiografie ohne Selbstbeweihräucherung: ›Hinter der Leinwand‹.«
Der Spiegel

»... ›Hinter der Leinwand‹ ist mit das schönste, anregendste und freundlichste Buch, das ich seit langer Zeit gelesen habe.«
Dietrich Kuhlbrodt

»Ein spannendes, ebenso zeitgeschichtlich wie persönlich humorvolles Buch über die legendären Pioniertage im Programmkino und über das erfolgreiche Schwimmen gegen den Strom.«
Hellmuth Karasek

»Das ist sehr unterhaltsam geschrieben, voller witziger Anekdoten. Auch ein Stück lebendige deutsche Kulturgeschichte der Nachkriegszeit.«
Jochen Kürten, Deutsche Welle

Leseprobe

»Filmemacher sind Geschichtenerzähler. Und Werner Grassmann ist einer von denen, die uns geprägt haben!« Senta Berger

Eingang Studio 1

Der Eingang zu Werner Grassmanns erstem Kino: Studio 1

Die ersten Wochen waren sehr schwierig, das heißt publikumsarm. Axel hatte schon Recht. Ein leeres oder auch nur halbleeres Kino ist keine schöne Sache. Das Publikum war irritiert, die wenigen Besucher kamen sich doch sehr verloren vor. Problematisch war schon der Eingang, der zwischen zwei hohen Mietshäusern lag. Man schritt durch eine hohle Gasse, über einen meistens unaufgeräumten Hinterhof zu einer kleinen Eisentreppe, die aufwärts zum Eingang des Kinos führte. Das war für viele Besucher etwas gewöhnungsbedürftig. Aber alle genossen das pariserische Flair in Hamburg. Dann stand man in der »Eingangshalle«, dem Foyer, das nicht größer war als ein altdeutscher Kleiderschrank, etwa anderthalb Quadratmeter. Links ein Holzverschlag, das war der Projektorraum, und rechts eine Zimmertür, die in den Kinosaal führte. Der war etwa 6 mal 4 Meter groß. Die 18 Kinosessel hatte ich zu 6 Reihen formiert. Später, als die »Besuchermassen« nicht mehr unterzubringen waren, kaufte ich noch 7 Gartenstühlchen dazu und verfügte damit über 25 Kinoplätze, die oft ausverkauft waren. Ein Kinosesselplatz kostete 2,50 DM und war etwa so teuer wie die Konkurrenzplätze in den Filmpalästen der Innenstadt. Die Gartenstühlchen kosteten 1,80 DM – Studenten ließ ich für 1,30 DM rein.

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