Dinner for One

Rüdiger Schulte

Dinner for One im Ruhrpott


Mit nen paa tofften Bildkes von Eckhard Wesener und ausse Glotze

Neuauflage
Gebunden, 64 Seiten,
mit 5 Standfotos der Originalverfilmung und
imaginären Porträts der Partygäste
€ (D) 7,90
€ (A) 8,20

ISBN 978-3-89401-531-2

Erschienen 2006
Dinner for One im Ruhrpott
Inhalt

Doktor Tomczyk, Obersteiger Schippenkötter, Herr Pompetzki und Bankdirektor Winterfeld, alle dargestellt durch Jupp Krummbügel, treuer Chauffeur, Koch und Mädchen für alles, spachteln bei Soffie Kurbjuweit in Gelsenkirchen-Erle. Bei Rindfleichsuppe mir Maakklößchen, lecker eingelegtem Braatshäring, Hähnchen und roter Grütze wird der 90. Geburtstag auf ruhrpöttisch gefeiert: Dat gleiche Gedöns wie jedet Jaar.

Zu den Autoren

Rüdiger Schulte, geb.1941 im tiefsten Ruhrpott – ganz nah bei Schalke. Bekennender Ruhri und Westfale. Studium zum Dipl.-Wirtschaftsingenieur und Marketingleiter in der chemischen Industrie. Nach der Pensionierung endlich Zeit für die vielfältigen Hobbys: neben Sport, Reisen und Medien insbesondere die Geschichte und Sprache des Ruhrgebiets. Beiträge in der Presse und im Fernsehen. Seit 2005 diverse Auftritte als Darsteller in Filmen und TV-Serien. Verfasser von Kurzgeschichten mit überwiegend lokalem bzw. internationalem Bezug.

 

Eckhard Wesener, Typografiestudium an der Werkkunstschule Wuppertal.
Arbeitsschwerpunkte: Grafikdesign, Malerei/Objekte. Lebt und arbeitet in Gelsenkirchen.

Pressestimmen

»... mindestens ein genauso großes Vergnügen wie die englische Variante.«
Ruhr Nachrichten

Textauszug

Dat gleiche Gedöns wie jedet Jaar

Im alten, holzvertäfelten Speisezimmer von Soffies Villa ist alles für die große Geburtstagsfeier ange­richtet. Seitdem Soffie einmal in einem alten eng­lischen Film einen Butler gesehen hat, der die Gäste mit einem Gong zum Dinner rief, muss Jupp das auch machen. Soffie erscheint, klein, gebrechlich, auf einen Spazierstock gestützt. Halt eine feine, ältere Dame der besten Gesellschaft.

Jupp: ’naamt, Frollein Soffie, guten Aamt.

Frollein Soffie: Guten Aamt, Jupp.

Jupp: Vadammt schnuckelig sehn Se heute Abend aus, Frollein Soffie.

Frollein Soffie: Ja, ich fühl mich auch schon viel besser als wie letzte Woche. Der Doktor hat mich mal wieder richtig aufgepäppelt. Danke für dat Kom­pliment. Bis ja heute widder nen richtgen Scha­manten.

Jupp: Macht nix.

Frollein Soffie: Na, ich muss schon sagen, den Tisch, dat sieht alles echt töffte aus, allet picco­bello.

Jupp: Danke, Frollein Soffie, vielen Dank.

Frollein Soffie: Sindse alle widder daa?

Jupp: Türlich sind die alle widder daa und sitzen hier annen Tisch, die sind alle für Ihrn Gebuurts­tach hier, um sich einen für lau zu ballern, Frollein Soffie.

Eine rein theoretische Frage. Soffies Freunde sind schon alle längst verstorben. Trotzdem wird dieses Fest aus Tradition jedes Jahr an Soffies Geburts­tag, dem 31.12., gefeiert. Jupp schlüpft dann je­weils in die Rolle der einzelnen Gäste – mit all ihren Eigenarten.

Frollein Soffie: Hasse auch richtich eingedeckt für alle? Auch allet richtich eingestielt?

Jupp: Für Ihre vier Kumpels, wie immer. Manno, hab ich damit widdern Brassel am Hals ge­habt.

Frollein Soffie: Dr. Tomczyk?

Jupp geht von Stuhl zu Stuhl und stellt die imagi­nären Gäste vor.

Jupp: Dr. Tomczyk, die alte Rappelfott, sitzt die­ses Jaar hier, Frollein Soffie, wennse nix dagegen ham.

Frollein Soffie: Obersteiger Schippenkötter?

Jupp: Obersteiger Schippenkötter, der alte Du­wen­vadder4, sitzt hier.

Frollein Soffie: Herr Pompetzki?

Jupp: Herr Pompetzki, der Laberkopp ausse Kol­lenie5, ich hab ihn hier platziert.

Frollein Soffie: Und mein gaanz lieber Freund, Herr Winterfeld?

Jupp: Der Eumel sitzt auf Ihre rechte Seite, wie Se gesacht ham, Frollein Soffie.

Frollein Soffie: Danke, Jupp, jezz kannze mal die Suppe bringen. Aber nich widder son Blubber wie letztet Jaar.

Jupp: Die Suppe, mach ich Frollein Soffie, mach ich. Die waaten schon alle drauf. Bissken Rind­fleischsuppe mit Maakklößchen, Frollein Soffie …

Frollein Soffie: Rindfleischsuppe mit Maak­klöß­chen, dat is wat für meiner Mutter Tochter.

Jupp: Ich weiß, deshalb hab ich se auch gemacht.

Frollein Soffie: Ich glaub, wir neem nen schönen Wein bei die Suppe, wie wär dat mit nem Mösel­chen?

Jupp: Wein bei die Suppe, prima.

Nachdem er Soffie die Suppe serviert hat, schenkt er nun allen »Gästen« den Wein ein. Dieses Ritual wiederholt sich bei jedem Gang.

Jupp: Maa so nebenbei – dat gleiche Gedöns wie letztet Jaar, Frollein Soffie?

Frollein Soffie: Dat gleiche Gedöns wie jedet Jaar, Jupp.

Jupp: Dat gleiche Gedöns wie jedet Jaar.

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