Selima Niggl
Pinot Gallizio
Malerei am laufenden MeterOriginalveröffentlichung
Gebunden mit Schutzumschlag, 224 Seiten,
mit vielen S-W-Fotos und 32 Farbabbildungen
€ (D) 28,–
€ (A) 28,80
ISBN 978-3-89401-544-2
Erschienen Februar 2007

Pinot Gallizio, Apotheker, Chemiker, Harz- und Bonbonfabrikant aus Alba, Italien, kam spät, aber mit Erfolg zur Kunst. Seine »Malerei am laufenden Meter« war ein früher Beitrag zur Programmkunst der 1960er Jahre, die sich die kollektive Kunst mit industriellen Mitteln auf die Fahnen geschrieben hatte. Selima Niggl, Kunsthistorikerin, hat diesen Künstler und seine Arbeit porträtiert.
Pinot Gallizio (1902-1964) wurde für seine pittura industriale bekannt: Malerei auf Leinwand- und Stoffrollen, die vom Meter verkauft wurde. Mit seiner unorthodoxen und experimentierfreudigen Kunst fand er sich an einem Knotenpunkt wichtiger internationaler Kunsttendenzen wieder: Mit dem Dänen Asger Jorn gründete er 1955 das laboratorio sperimentale, ein Forum für experimentelle Kunst; beide sind 1957 Gründungsmitglieder der Situationistischen Internationale.
1959 veranstaltete die Galerie van de Loo eine als Happening inszenierte Ausstellung von Gallizios Werken. Diese Ausstellung war ein Meilenstein für die Durchsetzung der internationalen modernen Kunst in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg.
Zwischen Paris und New York war München für kurze Zeit ein Zentrum der künstlerischen Avantgarde. Das anhaltende Interesse an den Situationisten, von dem unter anderem die Ausstellungen in Utrecht seit Dezember 2006 und in Basel im April 2007 zeugen, wird auch Pinot Gallizio endlich einem größeren Publikum bekannt machen.
Selima Niggl wurde 1978 in Starnberg geboren und studierte Kunstgeschichte, Italienisch, Medienrecht und Wirtschaftswissenschaften in Passau und München. Sie hat für verschiedene Galerien und Ausstellungsprojekte in Deutschland und Italien gearbeitet.
»Die Atmosphäre in dem Haus in Alba war einfach wunderbar. Überall roch es nach Trüffel. Wenn man mit Gallizio auf die Straße trat, war das immer ein Spektakel. (...) Vor allem aber war es Gallizios starke künstlerische Ausstrahlung, die mich sofort veranlasst hat, ihn nach München zu holen. Ich war ja ein Galerist, der suchte, und ich habe in Alba Bilder gesehen, die mich sehr stark beeindruckt haben.«
Otto van de Loo
»Außergewöhnlich ist letztendlich die künstlerische Qualität, die Gallizio (in wenigen Jahren) erreicht, verbunden mit einem politischen Einsatz, der sich zunächst im Mouvement pour un Bauhaus Immaginiste und dann in der Internationale Situationniste manifestiert.«
Manifesto 1992
»Ich habe nichts zu verlieren. Und meine Freunde vermutlich auch nicht. Wir sind in der Position von Katalysatoren, die in der Chemie (...) unsichtbare, aber unverzichtbare Elemente sind. Wir sind die graue Eminenz des Chaos!«
Pinot Gallizio an Enrico Baj
»Pinot war ein fantastischer Typ: Kommunist, studierter Chemiker, Inhaber einer Apotheke, Trüffelspezialist, Direktor der Weinakademie, ehemaliger Partisanenkommandant, Zigeunerkönig ehrenhalber usw.«
HP Zimmer, Mitglied der Gruppe SPUR