Politisches Sachbuch
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Michael Warschawski

Mit Höllentempo

Die Krise der israelischen Gesellschaft

Aus dem Französischen von Barbara Heber-Schärer

Deutsche Erstausgabe
Broschur, 128 Seiten
€ (D) 10,90
€ (A) 11,30 / sFr 19,50

ISBN 978-3-89401-448-3

Mit Höllentempo
Inhalt

Warschawski beschreibt die rasende Geschwindigkeit, mit der Repression und Gewalt der Besatzung in die israelische Gesellschaft zurückschlagen: die Zerstörung der demokratischen Grundrechte, die Infragestellung aller demokratischen Normen im alltäglichen Leben, die perverse Gewöhnung an Gewalt und Tod. Er denunziert die verbale Verrohung von Medien und Politikern, den Einfluss des Kriegszustands auf Schule, Universität und Kultur. Warschawski diagnostiziert den Verfall des Rechtsstaats sowie den der Gesellschaft, die mit der »vorbeugenden Selbstverteidigung« einhergehen. Unverhältnismäßige Gewalttätigkeit in Armee und zivilem Leben bewirken das rapide Abdriften der politischen Klasse nach rechts.
Warum ist die Euphorie der Oslo-Verträge so schnell verflogen? Wie wurden aus den palästinensischen Mitbürgern innere Feinde? Wird Israel ein fundamentalistischer Staat, der gegen die Mauer des Hasses prallt und der, in der Allianz mit den USA, zur »Ausrottung des Terrorismus« auf eine Katastrophe zurast?

Zu den Autoren
Michael Warschawski

Michael Warschawski, 1949 in Straßburg geboren, ging 1965 nach Jerusalem. 1967–71 studierte er Philosophie an der Jerusalemer Hebräischen Universität. 1984 Gründer des Alternative Information Center (AIC). Seit 1992 Mitglied des Friedensblocks Gush Shalom. Seit 2001 vertritt er das AIC im International Council of the World Social Forum.

Weitere Titel in der Edition Nautilus:
An der Grenze
Der 33-Tage-Krieg

Pressestimmen

»… überaus spannend, ja aufregend, weil es realistisch ist.«
die tageszeitung

»… von einer bedrückenden Folgerichtigkeit und von einer notwendigen Radikalität.«
Deutschlandfunk

Textauszug

Ich gehe nur ins Kino, wenn man mir verspricht, dass der Film ein »Happy end« hat, ich mag wirklich keine Geschichten, die schlimm enden. So ist es noch milde ausgedrückt, dass es mir sehr schwergefallen ist, dieses Buch zu schreiben, das Israels wahnsinnige Jagd in die (Selbst-) Zerstörung aufzuzeigen versucht. Jedes Kapitel, jeder Absatz, jedes Beispiel, das den Horror der gegenwärtigen Situation deutlich macht, hat mich beim Schreiben Tränen gekostet. Tränen der Wut angesichts der grenzenlosen Gewalt der Repression und der Dehumanisierung des anderen; aber auch Tränen der Trauer angesichts des Verfalls einer Gesellschaft, die die meine ist und in der meine Enkelkinder aufwachsen werden.
Natürlich hätte ich weit lieber vom Licht am Ende des Tunnels gesprochen, neue Hoffnungen geweckt und die Phänomene des Widerstands beschrieben, die es in Israel immer noch gibt: Müssen wir nicht alles tun, um nicht jede Hoffnung zu verlieren? Aber es scheint mir unredlich, stets alles ausgewogen darzustellen und immer wieder jenen Refrain anzustimmen, den wir bei den Pfadfindern sangen: »Auch die dunkelste Wolke hat einen goldenen Saum.« Wer hat noch nie eine vollkommen schwarze Wolke, ohne den mindesten goldenen Saum, gesehen?
In »An der Grenze« habe ich mir die Frage nach dem Punkt gestellt, an dem es kein Zurück mehr gibt: Wann ist einem klar, dass eine Schlacht verloren ist, dass das Böse diese Runde gewonnen hat und dass es der Generation unserer Kinder und Enkelkinder obliegen wird, einen neuen Wiederaufbauversuch zu machen?

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