Hans-Christian Dany
Speed
Eine Gesellschaft auf DrogeOriginalveröffentlichung
Broschur, 192 Seiten
€ (D) 14,90
€ (A) 15,40
ISBN 978-3-89401-569-5
Erschienen Februar 2008

Das Buch stellt die schillernde Wirkung dieser Droge in ihrem Zwiespalt dar, indem es die Entwicklungsgeschichte des Amphetamin vom späten 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart nacherzählt, von seiner extremen Leistungssteigerung bis zur schnellen Abhängigkeit und Zerstörung.
Durch die Ausleuchtung der gesellschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Zusammenhänge wird deutlich, warum das ehemalige Asthmamittel von der deutschen Wehrmacht als Stimulans für Soldaten genutzt werden konnte und nach Kriegsende als erstes Antidepressivum vermarktet wurde.
Detailliert untersucht der Autor den Einfluss der Droge auf die Arbeiten von Künstlern wie Judy Garland, Philip K. Dick, Jean Paul Sartre, Andy Warhol, Elvis Presley oder Johnny Rotten. Es geht um Beschleunigung und Produktivitätssteigerung der Arbeitskraft, Grenzüberschreitung in der Kreativität, Körpergestaltung und um gute Gründe, nüchtern zu bleiben.
Inhaltsverzeichnis
Hans-Christian Dany, geboren 1966 in Hamburg. Künstler, Autor, Kurator, Berater. Lebt in Hamburg. Studium der Freien Kunst an der HfbK Hamburg. Seit 1989 zahlreiche Veröffentlichungen in Büchern, Katalogen und internationalen Zeitschriften, u.a. in Springerin, Neue Zürcher Zeitung, Texte zur Kunst, Vogue, Die Beute. Seit 1991 regelmäßige Ausstellungsbeteiligungen, u.a. Kunsthalle Hamburg, Shedhalle Zürich, Kunsthalle Wien, Kunstverein Baden Baden. Gründer und Mitherausgeber verschiedener Zeitschriften. Längere Auslandsaufenthalte in Rio de Janeiro und in Brüssel, Tätigkeit als Gastdozent an mehreren Kunsthochschulen und Akademien. 2002 Einzelausstellung in der Hamburger Kunsthalle.
»Er schreibt, wie Deix zeichnet, seine Romane sind Karikaturen, treffend in der Überzeichnung. Und kein anderer schafft so lakonisch vernichtende Landschaftsschilderungen... Da hat einer, selten im Genre, eine Sprache.« Thomas Widmer, Weltwoche
»Höher war die gesellschaftliche Akzeptanz eines Rauschmittels wohl noch nie. Misstrauisch beobachtet Hans-Christian Dany den Aufstieg der Droge Speed zum Breitband-Dopingmittel der Leistungsgesellschaft – und empfiehlt Abstinenz: Es gibt Gründe, schreibt er, ›nüchtern zu bleiben‹. Darauf kann man sich nach der Lektüre einigen.
Kolja Mensing, Deutschlandradio Kultur
»Das Buch liest sich wie eine bisher unterdrückte oder zumindest geheime Geschichte der Gesellschaften des 20. Jahrhunderts und hat in seiner Leichtigkeit gar nichts von dem in diesem Bereich ja auch immer wieder gern bemühten Enthüllungsjournalismus.«
Ole Frahm, The Thing Hamburg
»Dany versteht es als einer der wenigen Autoren in Deutschland, Wissen amüsant zu verbreiten.«
Nadja Geer, Spex
»In seinem Buch setzt sich der Hamburger Künstler und Autor Hans-Christian Dany mit den Anwendungen von Amphetamin, aber auch von ähnlichen Wirkstoffen wie Kokain und LSD auseinander; er verabreicht den Stoff in gut konsumierbaren Dosen, hält Fakten und Anekdoten in einem stilistisch ausgewogenen Verhältnis.
Matthias Dusini, Falter (Wien)
»Hans-Christian Danys Buch ›Speed‹ ist eine eigenwillige und faszinierende Kulturgeschichte des Aufputschmittels Amphetamin. (...). ›Speed‹ ist keine Ansammlung verpeilter Drogen-Stories, sondern eine Annäherung an den Fetisch Geschwindigkeit, den Dany als großes Glücksversprechen des zwanzigsten Jahrhunderts ausmacht. Leistung, Disziplin und Effizienz sind die Schlüssel-Sehnsüchte, welche die neurochemische Optimierung stillen soll. Mit einer Flucht aus der Wirklichkeit oder gar künstlichen Paradiesen hat der Kult der Beschleunigung nicht viel gemein. Es geht meist recht freudlos um die Verbesserung der Arbeitskraft.«
Felix Denk, Süddeutsche Zeitung
»Die kinematischen Erzählstrukturen, die Dany verwendet, um die Flugbahn jener Substanz zu beschreiben, die im Laufe der Geschichte Geschichte schreibt, sich in ständig wandelnder Gestalt stets als sinister Aufwind unter die Nasenflügel der Gesellschaft schiebt, zeichnen ein gestochenes scharfes, jedoch in keinster Weise glorifizierendes Bild einer Droge als Medium. (...) Ein ungemein dichtes (sic!) Buch über das 20. Jahrhundert – in jedem Fall empfehlenswert.«
Style 100 (Berlin), magazin for life
»Das 190 Seiten schlanke und gleichwohl informationsgesättigte Buch weist Amphetamin als kulturellen Faktor ersten Ranges aus. Die Droge als apokrypher Verständnisschlüssel zu einer Gesellschaft der ständig beschleunigten Objekte – ein Schmiermittel für Autobahn und Daten-Highway, für Leistungssex und Blitzkrieg.«
Ronald Düker, Literaturen
»Dany beschreibt gut und lesbar und detailreich die Wirkung und Auswirkung einer weit verbreiteten Droge, ohne dabei Partei zu ergreifen. Die zusammengetragenen Informationen sprechen für sich und am Ende der Lektüre könnte klar sein, dass Nüchternheit der beste Rausch ist.«
Grow! Hanf-Magazin
»Nicht immer bemüht sich Hans-Christian Dany, durch Empirie zu belegen, was in der Diskurs-Theorie so schön zusammen passt. Aber wirklich ankreiden mag man ihm das nicht. Zu sehr ist sein Schreib- und Analysestil am Geist der fröhlichen Wissenschaft geschult, der auf poetische Sprachbilder mehr gibt als auf Fußnoten. Gerade in diesem unakademischen Zwischenraum aber wird oft der Blick auf die Zukunft frei.«
Nils Michaelis, Berliner Zeitung
»Manchmal werden in ›Speed‹ die Argumente des Autors durchaus etwas wackelig. Aber wie Dany die Verschränkung von Erfolgszwang, Versagensängsten und dem Drang zur unhinterfragten Nachhaltigkeit in einer sich rasant Richtung Auseinanderfall des sozialen Gefüges beschreibenden Zivilgesellschaft erläutert, das hat durchaus seine zwingenden Momente.«
Christian Schachinger, Der Standard (Österreich)
»Eine Drogenkulturgeschichte, die auch deutliche literarische Züge trägt. Was sie sehr viel spannender und sicher auch um einiges lesbarer macht als manch trockenes Sachbuch.«
Michael Saager, Die Wochenzeitung
»Der Hamburger Künstler und Kritiker Hans-Christian Dany hat ein ausgezeichnet recherchiertes und großartiges Buch veröffentlicht, das über die engere Geschichte der Amphetamine hinaus eine im besten Sinn ausufernde Materialanhäufung der mannigfaltigen Aspekte des Drogengebrauchs zur Verfügung stellt. Eher gleicht es einem weit gefächerten, transnationalen und transdisziplinären Kulturgeschichte der Amphetamine: Geschichten und Beispiele aus dem Kunstfeld stehen neben der populären Aufarbeitung von Sachverhalten aus der Chemie, die neuere Pop- und Filmgeschichte neben der Kritik der Pharmaindustrie und anderer militärisch-ökonomischer Komplexe. Die Modegeschichte steht neben der Literatur.«
Gerald Raunig, Freitag