Politisches Sachbuch

Eric Hazan

Reise nach Palästina

Notizen aus Nablus, Kalkilia und Hebron

Aus dem Französischen übersetzt von Sophia Deeg
Mit einem Vorwort von Michael Warschawski

Deutsche Erstausgabe
Broschur, 96 Seiten
€ (D) 10,–
€ (A) 10,30

ISBN 978-3-89401-570-1

Erschienen Februar 2008
Reise nach Palästina
Inhalt

Der durch sein Buch Die Erfindung von Paris bekannt gewordene Autor Eric Hazan berichtet eindringlich über die israelische Besatzung in Palästina.
Während einer längeren Reise mit Stationen in Nablus, Kalkilya und Hebron im Sommer 2006 erfährt Hazan, welche Hoffnungen mit der Hamas und welche Enttäuschungen mit der Fatah verbunden sind, er skizziert die Auswirkungen der Mauer und die Konfrontation mit den israelischen Siedlern. Und vor allem zeigt er an vielen Beispielen, dass der Widerstand gegen die Besatzung nicht vom Hass diktiert wird, sondern aus einem ungläubigen Erstaunen gegenüber den Schikanen der Kollektivbestrafung eines ganzen Volkes entsteht. Mit kritischer Distanz und viel Sympathie schildert Eric Hazan seine Eindrücke.
Mit einem Vorwort von Aktivist und Autor Michael Warschawski ist Reise nach Palästina ein Porträt dieser eingezäunten Bevölkerung, die zugleich mit der Realität des Krieges und dem Traum von Frieden lebt.

Zum Autor
Eric Hazan

Eric Hazan ist Arzt, Autor, Übersetzer und Gründer des Verlags La Fabrique. Er lebt in Paris. Auf Deutsch erschien zuletzt: Die Erfindung von Paris.


Pressestimmen

»... Bietet ... Einblicke in den Alltag und das Denken mehr oder weniger typischer Palästinenser.«
Ulrich Gutmair, die tageszeitung

»... Veranschaulicht einen wesentlichen Aspekt der Beziehung zwischen Israel und dem palästinensischen Volk.«
Rashid Khalidi

Textauszug

Der Kontrollpunkt auf der Straße von Ramallah nach Nablus, den man passieren muss, um in die Stadt zu kommen, ist nachts nicht besetzt. Wer von der Seite der „Bösen" passieren will, den lässt man durch. Der schlechte Ruf von Nablus ist nicht von gestern. Bereits Ende der dreißiger Jahre, zur Zeit des arabischen Aufstands, sang man: „Nablus, Stadt der Seifen, Nablus, Stadt der Kuchen, Nablus, Refugium des Widerstands". Seit mit Beginn der Intifada die Medien daraus „ein Terroris­tennest" gemacht haben, wird die Stadt von den Besatzungstruppen in einer Weise bestraft, wie sie ihresgleichen im Westjordanland und darüber hinaus sucht. Auch ohne Mauern, Stacheldraht und Wachtürme ist Nablus umzingelt.

Die Stadt liegt mitten in einem tiefen Tal. An den beiden äußeren Enden sind die großen Durchgangsstraßen durch Kontrollpunkte blockiert, Hawarra im Süden auf der Route nach Ramallah und Jerusalem und Beit Iba am nordwestlichen Ausgang nach Kalkilia und Dschenin. Die weniger bedeutenden Straßen, die in die benachbarten Dörfer führen, werden entweder durch die Armee überwacht (die rund um die Stadt sieben Checkpoints unterhält), oder sie sind durch Betonblöcke oder Metallgitter unpassierbar gemacht worden, die engsten aber durch Erdaufschüttungen oder Gräben. Von Y.s Terrasse aus, der in Nablus mein Gastgeber und Begleiter sein wird, kann man im Dunkeln auf den beiden Bergkämmen, die sich oberhalb der Stadt erheben, die Lichter und die Hochantennen der israelischen Militärbasen erkennen. Zwischen den letzten Wohnhäusern und den Militärstützpunkten zieht sich eine breite Sicherheitszone an den Hängen entlang. Dort steht weder ein Gebäude noch wächst ein Strauch oder Baum, und alles ist durch Scheinwerfer ausgeleuchtet, so dass auf jeden geschossen werden kann, der es versuchen sollte, die Kontrollpunkte zu umgehen. Diejenigen, die noch keine dreißig sind, werden an den Kontrollpunkten systematisch durchsucht. (Das ist derzeit so. Zu anderen Zeiten dürfen überhaupt nur die Kinder unter 16 und die verheirateten Männer über 50 passieren.) So kommt es, dass seit der Wiederbesetzung der Westbank im Frühjahr 2002 viele der 160.000 Bewohner von Nablus die Stadt nicht mehr verlassen haben.

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