Politisches Sachbuch

Raoul Vaneigem

Handbuch der Lebenskunst für die jungen Generationen


Neuauflage
Broschur, 320 Seiten
€ (D) 19,90
€ (A) 20,50

ISBN 978-3-89401-584-8

Erschienen Ende August 2008
Handbuch der Lebenskunst für die jungen Generationen
Inhalt

Diese neuartige »Fibel des Klassenkampfes« erschien 1967 mit einem Skandal und wurde umgehend zum meistgeklauten Buch Frankreichs. Mit leidenschaftlicher Subjektivität und radikaler Kritik der bestehenden Verhältnisse verknüpft diese umfassende Kritik der modernen Formen der Entfremdung die Bereiche Politik, Kunst und Alltagsleben zu einer explosiven Mischung, die 1968 zum Ausbruch kam.

Ein Schlüsselwerk der aufständischen Geschichte von 1967-68 ist das Handbuch der Lebenskunst. Neben Guy Debords Gesellschaft des Spektakels prägte es die Parolen auf den Mauern und Plakaten des Mai 68.
Der poetische, witzige, zornige und radikale Stil Vaneigems ist aus der modernen Gesellschaftskritik nicht mehr wegzudenken. Seine provozierenden Thesen gegen die Verkümmerung der Emotionen, gegen Warengesellschaft und Patriarchat, gegen die ganze Welt der Ökonomie, setzen auf Spontaneität, individuelles Erleben und die Kostenlosigkeit der Bedürfnisse. Die Perspektive der Macht, mit ihrer Hierarchie, Aufopferung und Arbeit, soll umgekehrt werden in eine Perspektive der Selbstbestimmung, Kreativität, Spontaneität und Poesie. Die radikale Subjektivität findet ihre Verwirklichung in der von allen gemachten Geschichte.

Weitere Titel zum Thema:

Lutz Schulenburg (Hg.)
Das Leben ändern, die Welt verändern!
1968 – Dokumente und Berichte

Raoul Vaneigem
An die Lebenden
Streitschrift gegen die Welt der Ökonomie

Zum Autor
Raoul Vaneigem

Raoul Vaneigem, geb. 1934 in Lessines (Belgien), studierte 1952-1956 an der Freien Universität Brüssel. 1961-1970 Mitglied der Situationistischen Internationale, gilt neben Guy Debord und Asger Jorn als ihr einflussreichster Theoretiker. Veröffentlichte 1967 Traité de savoir-vivre à l'usage des jeunes générations (dt. Erstausgabe 1972), 1979 Le Livre des plaisirs (Buch der Lüste, 1984), 1990 Adresse aux vivants sur la mort que les gouverne et l'opportunité de s'en défaire (An die Lebenden, 1998) und ca. 15 weitere Werke (2008 erscheint seine Autobiografie bei Gallimard). Lebt als freier Autor in Belgien.

»Eine Welt von Genüssen ist zu gewinnen. Wir haben dabei nichts zu verlieren als die Langeweile!«
Raoul Vaneigem

Weitere Titel in der Edition Nautilus:
Zwischen der Trauer um die Welt und der Lust am Leben

 

Pressestimmen

»... Eine Streitschrift, die nicht umsonst bei ihrer Erstveröffentlichung in Frankreich zu einem Skandal geführt hat.«
Jan Bruckschwaiger, unique Wien

 

 

Textauszug

Ich denke nicht daran, den erlebten Inhalt dieses Buches Leser spüren zu lassen, die nicht ganz bewusst darauf ausgehen, ihn zu neuem Leben zu erwecken. Ich erwarte, dass er sich verliert und in dem Geist einer allgemeinen Bewegung wiederfindet, so wie ich mir Hoffnung mache, dass die gegenwärtigen Bedingungen aus der Erinnerung der Menschen verschwinden werden. Die Welt ist neu zu machen: All die Spezialisten ihrer Rekonditionierung werden es nicht verhindern. Von diesen Leuten, die ich nicht verstehen will, ist es besser, nicht verstanden zu werden. Von den anderen erbitte ich Wohlwollen, mit einer Bescheidenheit, die ihnen nicht entgehen wird. Ich hätte gewünscht, dass ein solches Buch den Köpfen zugänglich ist, die dem Jargon der Ideen in geringstem Ausmaß verfallen sind. Ich hoffe, dass ich daran nur relativ gescheitert bin. Eines Tages werden aus diesem Chaos Formeln heraustreten, die direkt auf unsere Feinde zielen. Bis dahin mögen die Sätze, die immer wieder zu lesen sind, ihre Wirkung tun. Der Weg zur Einfachheit ist am komplexesten, und gerade hier war es nützlich, den Banalitäten nicht alle Wurzeln auszureißen, um sie in anderen Boden zu verpflanzen, wo wir sie zu unserem Nutzen kultivieren können. Niemals habe ich beansprucht, Neues zu enthüllen, Unveröffentlichtes auf den Kulturmarkt zu werfen. Eine winzige Berichtigung des Wesentlichen zählt mehr als hundert nebensächliche Neuerungen. Neu ist nur die Richtung der Strömung, die die Banalitäten fortschwemmt. Da unsere Kenntnisse an sich banal sind, nützen sie nur denjenigen, die es selbst nicht sind. Die moderne Welt muss lernen, was sie bereits weiß, und mit Hilfe der Praxis durch eine ungeheure Verschwörung von Hindernissen hindurch werden, was sie bereits ist. Der Banalität entkommt man nur dadurch, dass man sie manipuliert, beherrscht, in Träume versenkt, dem beliebigen Spiel der Subjektivität ausliefert. Ich habe der Subjektivität jeden Vorzug gegeben, aber niemand soll mir das vorwerfen, ohne vorher abzuschätzen, wie sehr die objektiven Bedingungen der heutigen Welt die Subjektivität begünstigen. Alles fängt bei der Subjektivität an, nichts bleibt bei ihr stehen.

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