Politisches Sachbuch

Klaus Gietinger

Der Konterrevolutionär

Waldemar Pabst – eine deutsche Karriere

Mit einem Vorwort von Karl Heinz Roth

Originalveröffentlichung
Gebunden mit SU,
544 Seiten, 70 SW-Abbildungen
€ (D) 39,90
€ (A) 41,10

ISBN 978-3-89401-592-3

Erschienen Januar 2009
Der Konterrevolutionär
Inhalt

Waldemar Pabst, Offizier und Rüstungsfabrikant, geboren 1880, gestorben 1970, war über Jahrzehnte hinweg die Verkörperung der Gegenrevolution. Er bezeichnete sich selbst stolz als »Faschisten«, war aber stets bestrebt, im Hintergrund zu bleiben – und wurde nie dafür verurteilt, dass er »mit Billigung höheren Ortes«, so Pabst selbst, Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ermorden ließ.
Klaus Gietinger hat zahlreiche bisher unveröffentlichte Dokumente über Pabst aufgespürt, u.a. in Moskauer Archiven, in Archiven der Staatssicherheit sowie in Pabsts Nachlass. Er belegt Pabsts umfangreiche Zusammenarbeit mit der Führungsriege der SPD, sein Bündnis mit dem sozialdemokratischen Oberbefehlshaber Noske und dessen Billigung des Mordes an Luxemburg und Liebknecht.
Gietinger weist außerdem nach, dass Pabst Staatsstreichpläne hegte und am Kapp-Putsch beteiligt war. Pabst hatte schon 1920 bis 1923 konspirative Kontakte zur bayerischen Rechten, zu Mussolini und zu den faschistischen Pfeilkreuzlern in Ungarn. Er wurde unter Hitler Wehrwirtschaftsführer und koordinierte die Rüstungsindustrie. 1943-55 lebte er in der Schweiz. Zurück in Deutschland setzte er seine Karriere als Rüstungslobbyist und Händler von Tretminen, Billigraketen und Napalmbomben fort. Waldemar Pabst ist eine Schlüsselfigur der deutschen Konterrevolution.

»Es gelang dem Autor nicht nur, die Lebensgeschichte Pabsts umfassend auszuloten, sondern auch die wichtigsten Netzwerke der Konterrevolution und des europäischen Faschismus zu rekonstruieren. Seiner unbefangenen Neugier und seinem unbändigen Erkenntnisinteresse haben wir ein Forschungsergebnis zu verdanken, das überholte Denkmodelle hinter sich lässt, mit Tabus bricht und neue Maßstäbe setzt.«
Karl Heinz Roth

Zum Autor
Klaus Gietinger

Klaus Gietinger, geb. 1955. Sozialwissenschaftler, Drehbuchautor und Regisseur. Er war Mitbegründer der Westallgäuer Filmproduktion und ist Produzent bei Igerfilm GmbH, zudem Autor und Regisseur zahlreicher Kinoproduktionen (Daheim sterben die Leut (1984), Schön war die Zeit (1988), Heinrich der Sänger (2001) und Fernsehspiele. Er schrieb und inszenierte diverse Tatorte. Zuletzt erschienen von ihm als Co-Autor die Bücher Wozu muss einer der Bluthund sein. Zum 50. Todestag von Gustav Noske (1997), Inselkrimi Bahnhof Landau sowie Die Zukunft der Bahn (2004).

Weitere Titel in der Edition Nautilus:
Eine Leiche im Landwehrkanal

Pressestimmen

»Gietinger tut, was renommierte Historiker versäumt (vielleicht sogar gemieden) haben: Er versucht akribisch genau zu rekonstruieren, wie die verhängnisvolle Nacht des 15. Januar 1919 abgelaufen ist, wie es nach dem Kaisersturz und dem vermeintlichen Sieg der Revolution am 9. November 1918 zu einer solchen Tat kommen konnte und wie das Verhängnis danach seinen Lauf nehmen konnte: die Eskalation der Gewalt. Das Ergebnis seiner Recherchen ist beeindruckend: Niemand hat so genau die Hintergründe der unheilvollen Entwicklung Deutschlands nach dem Kaisersturz beschrieben wie der gelernte Sozialwissenschaftler Klaus Gietinger. (...) Wer verstehen will, wie nach dem Ende des Ersten Weltkrieges jene politische Konstellation entstand, die 1933 zu Hitler führte, der sollte dieses Buch lesen.«
Winfried Sträter, Deutschlandradio Kultur

»Die Wahrheit über den Doppelmord- keiner hat sich um ihre Erforschung so verdient gemacht wie der Drehbuchautor und Regisseur Klaus Gietinger. (...) 90 Jahre nach dem Mord an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht  ist es an der Zeit, dass sich die deutsche Sozialdemokratie mit dem dunkelsten Kapitel ihrer Geschichte auseinandersetzt – ohne Wenn und Aber.«
Volker Ulrich, Die Zeit

»Gietinger hat nun eine umfangreiche Biografie über jenen Hauptmann Waldemar Pabst vorgelegt, die kaum noch Fragen offen lässt, auch nicht die nach dem Namen des Offiziers, der die tödliche Kugel in den Kopf der vorher bewusstlos geschlagenen Rosa Luxemburg jagte.«
Uwe Soukup, Tagesspiegel

»Gietinger hat mit seiner Arbeit mindestens drei große Verdienste erworben: Das erste besteht darin, schon bekannte, aber in ihrem Zusammenhang nicht ausreichend gewürdigte Details miteinander zu einem kohärenten Bild zu verknüpfen. (...) Sodann liefert Gietinger, in Anlehnung an die bahnbrechenden Studien John Hornes und Alan Kramers, einen sehr einleuchtenden Erklärungsansatz für die Ursachen und Hintergründer der noch nie ausreichend thematisierten, heute kaum noch vorstellbaren Gewalt, mit der Freikorps und Regierungstruppen die sich formierende Protest- und Aufstandsbewegung niederschlugen. (...) Das dritte Verdienst bestehe in der minutiösen Rekonstruktion des Ablaufes der Novemberrevolution und seiner nachfolgenden Ereignisse, insbesondere des folgenschweren Bündnisses zwischen Mehrheitssozialdemokraten und Militärs.«
Joachim Schröder, Sozialwissenschaftliche Literatur Rundschau

»Gietinger zeichnet nicht nur ein detailliertes Panorama von Organisation und Organisationen der Gegenrevolution nach 1918, sondern auch eine deutsche Karriere in vier Systemen nach. Erschreckend, wie gut sich Pabst mit jedem der Systeme letztlich arrangieren konnte.«
Thilo Scholle, Argumente

»Diese Arbeit ist ein Standardwerk moderner Geschichtsschreibung, das hohe Maßstäbe setzt.«
Jürgen Tremper, Nordkurier

»Mit ›Der Konterrevolutionär‹ legt Autor Klaus Gietinger die erste ausführliche Biografie über Waldemar Pabst, eine Schlüsselfigur der deutschen Konterrevolution, vor. Ebenfalls lesenswert sind seine akribischen Recherchen zum Mord an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht – ›Eine Leiche im Landwehrkanal‹.«
Andreas Hauser, Echo

»›Der Konterrevolutionär‹ ist ein engagiertes, ein äußerst wichtiges Buch, dem man möglichst viele Leser wünscht. Denn Klaus Gietinger behebt Wissenslücken gleich im Dutzend. Unbestritten ist es sein Verdienst, ein in jeder Hinsicht dunkles Kapitel der deutschen Vergangenheit erhellt zu haben.«
Olaf Schmidt, Kreuzer – Beilage zur Leipziger Buchmesse

»Es ist das große Verdienst von Gietinger, dass er nicht mit den von Pabst organisierten und von Noske – und dem Reichspräsidenten Ebert – gedeckten Morden an Luxemburg und Liebknecht am 15. Januar 1919 schließt, sondern auch untersucht, wie es weiterging. Denn die Bälle wurden Jahrzehnte lang weitergereicht.«
Heinrich Senfft, Universitas, Orientierung in der Wissenswelt

»Eine umfangreiche Biografie, die ein für manche unliebsames Kapitel deutscher Geschichte aufarbeitet.«
Buchkultur Wien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Der Erste Weltkrieg und Pabsts künftige Partner (1914-1918) • Die Weiße Garde • Die Rote Garde – SPD-Führung und preußischer Militarismus • Revolution im November – Konterrevolution im Winter (1918) • Die Geburt des deutschen Faschismus aus der Ermordung der Revolution (1919) • Die Ermordung Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts • Kalkulierte Massaker 1919 • Pabsts politische Haltung auf dem Höhepunkt seiner Macht • Auf dem Weg zur durchmilitarisierten Gesellschaft • Die Rechnung wird präsentiert (1919/1920) • Der erste Putschversuch • Nationale Vereinigung – Zentrum der Konterrevolution • Der Kapp-Putsch • Ähnlichkeiten & Unterschiede: Völkische SPD und Faschismus • Unser Mann in Tirol (1920-1931) • Pabst und die Tiroler Heimatwehr • Die Stresemann-Connection – Geheimagent des Reichsaußenministers • Die Achse Budapest-Innsbruck-Rom • Versuch einer faschistischen Internationale (1931-1933) • Die Weiße Internationale • Pabst und das Ende der österreichischen Demokratie • Kriegsvorbereitung und Krieg (1933-1941) • Aufstieg als Rüstungsmanager • Wehrwirtschaftsführer an der Seite von General Thomas • In der Schweiz (1941-1955) • Auslandshandel GmbH und Sfindex • Alte Kameraden und alte Pläne • Wieder in (West-)Deutschland (1951-1970) • Vergangenheit, die nicht vergeht ...

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