Christoph Twickel
GENTRIFIDINGSBUMS oder Eine Stadt für alle
Originalveröffentlichung
Broschur, 128 Seiten
€ (D) 9,90
€ (A) 10,20
ISBN 978-3-89401-726-2
Erschienen August 2010
»Eine unübersichtliche Multitude, die neue Strategien erprobt und neue politische Spielräume jenseits von kulissenhafter Anwohnerbeteiligung und linksradikalem Puritanismus eröffnet: Bewegungen für das Recht auf Stadt müssen Tools erfinden, um Schneisen in die unternehmerische Stadt zu schlagen. Auch dieses Buch will ein solches Werkzeug sein.« Christoph Twickel
Wenn draußen nur noch das leise Raspeln von Rollkoffern auf dem Pflaster zu hören ist, wo sich früher die Nachbarn mit der Hupe rausgeklingelt haben; wenn das Bauschild vor dem Apartment-Rohbau das Viertel als »bunt und frech« anpreist; wenn die Suche nach einem WG-Zimmer zur Castingshow wird; wenn die Ballonseidenanzug-Träger an den Stadtrand ziehen; wenn der türkische Elektrohöker einem Flagshipstore weicht und selbst nachts um halb zwei noch Leute mit aufgeklapptem Macbook in der Bar sitzen: Dann ist es allerhöchste Zeit, sich Gedanken zum Thema Gentrifizierung zu machen.
Eine Linke könne heute nur aus einer Bewegung hervorgehen, die gegen Gentrifizierung und die Rendite kämpft, meint der italienische Philosoph Toni Negri. Genau dies geschieht derzeit in Hamburg: Eine unübersichtliche »Multitude« macht sich auf, an den Grundfesten der neoliberalen Metropole zu rütteln. Mitten in der Premium 1A-Lage der innerstädtischen Shopping- und Office-Zone besetzen Künstler und Aktivisten in Hamburg ein halbverfallenes ehemaliges Arbeiterquartier. Das »Gängeviertel« wird zur Besetzung der Herzen, die nostalgische Senioren und postautonome Wursthaarträger zusammenführt im Kampf gegen Investorenarchitektur und Verdrängung. In einem Manifest mit dem Titel »Not In Our Name, Marke Hamburg« verwahrt sich fast die gesamt Kulturszene dagegen, zum Standortfaktor für eine Stadt zu werden, deren Sahnelagen nur den Besserverdienenden zustehen. Schrebergärtner und Baumschützer, Kiez-Rentner und prekäre Desktop-Jobber, freie Künstler und Mieter-Aktivisten: Überall ist plötzlich vom »Recht auf Stadt« die Rede.
Aus dem Inhalt:
• Inés oder Profit Center in der Problemzone
• »Wir können gar nicht anders.« Interview mit Christoph Schäfer
• Vom Unternehmen Stadt zur Image City
• Künstler rein, Arme raus. Kultur als Standortfaktor
• Komm in die Gänge oder Wunder in der Stadt der Tiefgaragen
• »Wir wollten in das Herz der Stadt.« Ein Gespräch über das Gängeviertel
• Auf dem Weg zu einer Stadt für alle

© Dirk Pudwell
Christoph Twickel, Jahrgang 1966, Journalist und Buchautor, hat die Hamburger »Recht auf Stadt«-Bewegung als Journalist begleitet und ist als Mitinitiator und Sprecher von »Not In Our Name, Marke Hamburg« zu einem ihrer Protagonisten geworden. Er bereist Lateinamerika seit 1988. Seine Tätigkeit als freier Korrespondent hat ihn nach Mexiko, Panama, Kuba und Venezuela geführt. Arbeitet als freier Autor unter anderem für die tageszeitung, die Frankfurter Rundschau, die Frankfurter Sonntagszeitung, Brand Eins oder das Greenpeace Magazin.
Weitere Titel in der Edition Nautilus:
Hugo Chávez
Läden, Schuppen und Kaschemmen
»Wer demnächst Hamburg besucht, möge bitte dieses Büchlein als ›Reiseführer‹ mitnehmen.«
Olaf Sobczak, politische ökologie
»Wer wissen möchte, was in Hamburg tatsächlich passiert, der sollte das Buch von Christoph Twickel lesen. (...) Das Akademische, Nebulöse fehlt dem Buch völlig.«
Iris Hellmuth, Hamburger Abendblatt
»Christoph Twickel, kritischer Beobachter, Kommentator und Mitinitiator aktueller Protestbewegungen wie ›Not in Our Name, Marke Hamburg‹, analysiert die Entwicklungen in seinem neuen Buch mit großer Genauigkeit und Leidenschaft.«
FO, Szene Hamburg
»Twickel ist ein kurzweiliges Buch gelungen, pointiert, provokant und umfassend recherchiert, das sich eignet, Bewusstsein für die Kräfte zu schaffen, die hinter der neuen Pracht unserer Städte walten – eine Lektüre, die sich empört. Zugleich aber eine Ermutigung, Stadt wieder als Gemeinswesen zu begreifen und das Recht auf Mitsprache einzufordern.«
Lisa Baumann, Oya 16
»Wer sich schon länger mit Gentrifizierung befasst, wird in diesem Buch nichts Neues lesen. Für alle anderen ist es ein parteiisches, unterhaltsam geschriebenes Buch zu einem wichtigen Thema unserer Zeit.«
TVM, Kreuzer – Das Leipzig Magazin
»Als versierter Jorunalist hat Twickel das Buch nicht für jene geschrieben, die ohnehin im Thema drinstecken, sondern für alle, die dazustoßen wollen. Neues ist dem Buch folglich nicht zu entnehmen, das Alte aber ist gut und schwungvoll aufbereitet.«
MAP, taz Nord
»Wer für die kritische Begleitung der marktorientierten Stadtentwicklung noch Argumente und Denkanstöße braucht, findet in Christoph Twickels erhellender Flugschrift das geeignete Rüstzeug.«
Thomas Hummitzsch, Die Gazette – Das politische Kulturmagazin, Nr. 28
»Die vorliegende Schrift verdient jeden Respekt. Wiewohl als Polemik gedacht und verfasst, erweist sie sich als kenntnisreich sowohl in der Empirie als auch in den Konzepten. (...) In sieben bzw. acht Kapiteln unterschiedlichen Charakters entfaltet Christoph Twickel auf engem Raum die Facetten des ›Gentrifidingsbums‹ und legt damit ein kleines großes Buch vor.«
Dr. Stefan Hochstadt, Raumplanung Nr. 153
»Twickels Rückschau schwankt in ihrem Ton zwischen Sachlichkeit und Emotion, Wissenschaft und Plauderei, Analyse und Anekdote (...). So gelingt es ihm, komplexe gesellschaftspolitische Sachverhalte des Phänomens Gentrifizierung mit der miefigen Hamburger Lokalpolitik und den verrücktesten Widerstandsaktvitäten zu verknüpfen. Ihm gelingt es zu zeigen, wie man mit zivilgesellschaftlichen Prozessen politische Dummheiten entlarvt.«
Thomas Hummitzsch, Glanz & Elend
»Twickel, selbst Sprecher der Initiative ‚Not in our name, Marke Hamburg’, die sich mit einem viel beachteten Künstlermanifest in die Debatte eingeschaltet hat, will nicht missionieren. Vielmehr scheint die ›zögerliche Dissidenz‹, die der Autor bei den Gängeviertel-Leuten als habituelles Erfolgsrezept ausgemacht hat, auf sein Buch abgefärbt zu haben.«
Velten Schäfer, Neues Deutschland
»Arbeiter- und Migrantenviertel oder das Hamburger Schanzenviertel sind im Laufe der letzten Jahrzehnte zu begehrten Wohnlagen geworden. Die Mieten steigen rasant, Leidtragende sind die, die das nicht mehr bezahlen können. Greenpeace-Magazin-Autor Christoph Twickel hat den Protest gegen die Aufwertung von Szenevierteln am Beispiel Hamburg untersucht und beantwortet die häufig gestellte Frage: Was ist eigentlich Gentrifizierung?«
Greenpeace-Magazin 6/2010
»Christph Twickel hat mit ›Gentrifidingsbums oder Eine Stadt für alle‹ eine interessante, gute lesbare Einführung in die Thematik vorgelegt.«
David Templin, Analyse und Kritik
»Auf gerade einmal 120 Seiten bietet Twickels kleines Brevier der Gentrifizierung und der dagegen angetretenen Bewegung, mit einem Schwerpunkt auf Hamburg, die Möglichkeit, sich schnell und umfassend in das vergleichsweise komplexe Thema einzulesen. (...) Die Stärke an Twickels Buch ist der leichte, erzählende Stil. (...) Christoph Twickel schreibt in seinem Vorwort, es gehe darum, Schneisen in die unternehmerische Stadt zu schlagen, die Tools dazu müsse man aber noch erfinden. Sein Buch hat den Anspruch, genau so ein Tool zu sein und diesem Anspruch wird es auf ebenso kämpferische wie sympathische Art gerecht.«
Der Freitag
