Gilbert Achcar
Die Araber und der Holocaust
Der arabisch-israelische Krieg der GeschichtsschreibungenAus dem Englischen von
Sophia Deeg und Birgit Althaler
Deutsche Erstausgabe
Klappenbroschur, 368 Seiten
€ (D) 29,90
€ (A) 30,80
ISBN 978-3-89401-758-3
Erschienen Mai 2012
Es gibt kaum ein explosiveres Thema als »Die Araber und der Holocaust« – das Terrain ist vermint, voller Vorwürfe und Gegenvorwürfe: Die einen werden beschuldigt, den Holocaust zu verleugnen; den anderen wird vorgeworfen, die eigene Tragödie auszubeuten und die der Gegenseite zu ignorieren.
In seiner wegweisenden Untersuchung hat der Politikwissenschaftler Gilbert Achcar das Geflecht der unvereinbar scheinenden Narrative und ihre Rolle im Nahost-Konflikt untersucht. Er analysiert die verschiedenen arabischen Reaktionen auf den Nationalsozialismus, von den ersten drohenden Vorzeichen des Völkermords an den Juden über die Gründung Israels und die von Massenvertreibungen begleitete Zerstörung des historischen Palästina bis zur Gegenwart, und stellt sie in ihren jeweiligen historischen und politischen Kontext. Er kritisiert jede Geschichtsschreibung und politische Propaganda, die durch Antisemitismus und Holocaust-Leugnung motiviert sind. Berechtigte Kritik, darauf besteht Achcar, muss einhergehen mit ehrlicher Selbstkritik.
Achcars Buch wirkt befreiend, weil es Möglichkeiten der Verständigung eröffnet, die seit Jahren durch einen erbitterten internationalen Propagandakrieg verschüttet werden.

© Anne Alexander
Gilbert Achcar, geb. 1951, ist Professor für Entwicklungspolitik und Internationale Beziehungen an der School of Oriental and African Studies in London. Er hat Philosophie und Sozialwissenschaften in Paris und Beirut studiert. 2003-2007 war er Forschungsbeauftragter am Centre Marc Bloch in Berlin. Achcar publiziert über Internationale Beziehungen, besonders in Nahost und Nordafrika.
Weitere Titel in der Edition Nautilus:
Der 33-Tage-Krieg
aus seinem Buch Die Araber und der Holocaust:
»Gilbert Achcar bearbeitet eine atemberaubende Zahl hochbrisanter Themen, ohne argumentativ abzustürzen. Damit ist ihm nicht nur ein Kunststück, sondern so etwas wie ein politisches Kunstwerk gelungen.«
Martin Forberg, Süddeutsche Zeitung
»Achcar argumentiert sachlich und betrachtet beide Seiten
auf einer breiten Quellenbasis. Damit schafft er eine Diskussionsgrundlage, der
eine breite Rezeption zu wünschen ist. Immer wieder stellt der Politologe dabei
das grundsätzliche Verhältnis zwischen Israelis und Palästinensern dar, das von
der Nakba, also der Vertreibung der Palästinenser durch die Israelis 1948, und
eben vom Holocaust geprägt ist. (...) Für den Frieden im Nahen Osten ist solch
eine Aufarbeitung von Geschichte und Gegenwart unerlässlich wichtig. Deswegen
ist die nicht immer einfache Lektüre des Buches von Gilbert Achcar
uneingeschränkt zu empfehlen.«
Helge Buttkereit, Deutschlandfunk Andruck
»Es gibt Bücher, die verändern den Umgang mit den Themen,
die sie behandeln, für die Zukunft. (...) Dabei ist schwer zu sagen, was man am
Autor mehr bewundern muss, die materialreiche und dennoch klare und
übersichtliche Darstellung, seine Ehrlichkeit, seine schier unglaubliche
Belesenheit (...) oder seine Sprachkenntnisse.«
Peter Blastenbrei, Titel-Magazin
»Seine fakten- und facettenreiche Aufarbeitung dieses heiklen Themas will zu einem Dialog zwischen Arabern und Israelis auf der Grundlage gemeinsamer Werte Humanismus und Internationalismus beitragen. Weshalb er im Interesse des gegenseitigen Verstehens auch hofft, dass ein(e) israelische Wissenschaftler(in) bald eine gründliche Untersuchung der israelischen Rezeption der ›Nakba‹ vorlegen wird.«
Fritz Keller, Bücherschau
»Achcar hat ein wichtiges Buch geschrieben. Er formuliert nachvollziehbar und verständlich. Der Leser kann sich in die arabische Sichtweise einfühlen, auch wenn einige Sachverhalte zu positiv dargestellt scheinen. Gleichzeitig ermöglicht der Autor, über den Holocaust-Diskurs neu zu reflektieren. Ein Wort, das eine so gewaltige Grausamkeit beinhaltet, darf trotzdem nicht die Kommunikation für die Gegenwart und für den Frieden verhindern.«
Claudia Panzer, Radio Mephisto 97.6
»Das Buch besticht durch seine empirische Breite, analytische Tiefe und die Ausgewogenheit seiner Urteile. Ein echtes Standard-Werk auf diesem Gebiet.«
Hermann Dworczak, akin-pd (Wien)
»›Der gesunde Verstand ist die bestverteilte Sache der Welt›, so lautet das Descartes-Zitat, das Achcar seinem Schlusskapitel voranstellt. Wenn dem so wäre, so muss ein ernüchterndes Fazit nach der Lektüre des hochspannenden Buches lauten, dann dürfte es so etwas wie Opferkonkurrenz nicht geben. Da sie nun aber offensichtlich doch existiert und da sie zudem von allen Seiten politisch instrumentalisiert wird, wird auch Achcars überaus überzeugendes Beispiel für Differenzierung und Empathie sowie sein abschließender Appell für eine friedliche Lösung des Nahostkonflikts weitgehend ungehört verhallen. Und das in jeder Hinsicht zu Unrecht.«
Matthias Lemke, pw-portal
»Der Professor für Entwicklungsstudien und internationale
Beziehungen an der School of Oriental and African Studies in London weist in
seinem Buch der politischen Klasse dienliche Geschäftsfälschungen zurück und
zeigt gleichzeitig Wege zum friedlichen Dialog zwischen Juden und Arabern auf.
(...) Mit seiner Studie ermutigt Achcar die progressiven Kräfte in beiden
Lagern, die bellizistischen Hardliner und vorläufigen historischen Sieger
wieder in die Schranken zu weisen und deren Hasspropaganda zum Verstummen zu
bringen.«
Susann Witt-Stahl, Hintergrund
»Gilbert Achcar hat ein überfälliges Buch zu einem
explosiven Thema geschrieben: die Haltung der arabischen Welt zum Holocaust.
Das Werk des Libanesen ist nun auch auf Deutsch erschienen und dürfte bald zum
Standardwerk avancieren. (...) Der Autor vermag ein Gegenbild zu der populären
Meinung zu zeichnen, die davon ausgeht, dass die gesamte ›Umma‹ dem
Nazi-Sympathisanten und Jerusalemer Großmufti Haddsch Amin al-Husseini gefolgt
sei. Dass es Achcar gelungen ist, dieses dichte und widersprüchliche
Meinungsmosaik zusammenzusetzen, macht seine Pionierarbeit zu einer mehr als
lohnenden Lektüre.«
Dominik Peters, Zenith
»Mit ›Die Araber und der Holocaust‹ haben wir ein Buch zur
Hand, auf das wir noch für Jahre zurückgreifen werden, um die Mythen zu
zertrümmern, die durch eine verzerrte Geschichtsschreibung immer aufs Neue vor
uns aufgebaut werden.«
Manfred Ecker, linkswende.org
»›Die Araber und der Holocaust‹ macht deutlich, wie
historische Fakten manipuliert werden können, um politische Ziele zu erreichen.
Das Ziel dieses Buches ist hingegen nichts Geringeres, als die Wahrheit zu
zeigen.«
Nelly El Achkar, Marx21
»Dies
ist ein großes Buch. Es packt ein für die Araber sehr heikles Thema an, es tut
das offen und selbstkritisch, es dient sich nicht denen an, die Aufklärung im
Mund führen, um ihre hegemoniale Politik zu rechtfertigen, und es hält strikt
an einer universalistischen Perspektive fest. Und es ist ein gewichtiger
Beitrag zur modernen arabischen Geistesgeschichte.«
Alexander
Flores, Inamo – Informationsbulletin Naher und Mittlerer Osten
»In
diesem Buch wendet sich Achcar einem höchst explosiven Thema erstmalig zu: Der
Haltung der Araber zum Holocaust, von der Machtergreifung der Nazis bis heute.
... Selbst diejenigen, die nicht mit allem, was Achcar schreibt,
übereinstimmen, werden anerkennen, dass er sich mutig mit einem Thema befasst,
das in der arabischen Welt in den letzten Jahren zu einem Tabu geworden ist.«
Eldad
Beck, Yedioth Ahronoth und The
Jerusalem Report
»Dieses
Buch ist die erste umfassende Studie eines arabischen Historikers, die das
Verhältnis der Araber – in all ihrer Diversität – zum Holocaust analysiert. Dr.
Ulrike Freitag, Direktorin des Zentrums Moderner Orient in Berlin, bezeichnet sie als ›eine sehr wichtige Studie,
einerseits wegen der Menge an Informationen, die sie enthält, und andererseits,
weil es eine Diskussion zu diesem Thema in der arabischen Welt anstoßen wird‹.«
Samir
Grees, Deutsche Welle Arabic
»Dieses
Buch sollte jeder lesen, der sich für den arabisch-israelischen Konflikt interessiert,
insbesondere palästinensische und arabische Führer. ... Es erscheint zu einer
Zeit, da wir es dringend brauchen, einer Zeit, in der der
arabisch-palästinische Diskurs eine gründliche Erneuerung auf der Basis einer
vielschichtigen humanistischen Vision benötigt.«
Khaleb
Hroub, Al-Hayat
»Eine
einfühlsame und scharfsinnige Erkundung eines bedeutenden Aspekts des
Nahost-Konflikts – eines Aspekts, dem wir üblicherweise nur in wütenden
Schlachtrufen begegnen. Gilbert Achcars Buch, das akribische Gelehrsamkeit mit
einem bezaubernden Stil kombiniert, ist ein beachtlicher Beitrag zum
gegenseitigen Verständnis, an welchem es immer noch mangelt.«
Peter
Novick, Autor von Nach dem Holocaust. Der Umgang mit dem Massenmord
»In
dieser Studie legt Gilbert Achcar ein enormes Maß an falscher
Wissenschaftlichkeit bloß und stellt arabische Ansichten zu Holocaust und Juden
in ihren konkreten historischen und intellektuellen Kontext. Es ist eine
gelehrte, scharfsinnige und höchst originelle Studie, die dringend benötigtes
Licht auf ein Gebiet wirft, das dazu neigt, von Parteilichkeit und Propaganda
dominiert zu werden.«
Avi
Shlaim, Autor von Hinter der Eisernen Mauer: Israel und seine Beziehungen
zur arabischen Welt
»Grundlegende
Lektüre für jeden, der sich um ein ausgewogenes Verständnis der Stellung der
Juden und des Holocausts im heutigen arabischen Denken bemüht. Ob man mit
Gilbert Achcar nun in jedem Punkt übereinstimmt oder nicht, er setzt einen
angenehmen und gut informierten Kontrapunkt zu Karikaturisten, Hasspredigern
und Angstschürern jeglicher Überzeugung. Seine Stimme ist die Stimme der
Mäßigung in einem bitteren Konflikt, und sie ist um so wertvoller, da sie von
der Geschichte und dem Idiom des arabischen Mittleren Ostens durchdrungen ist.«
Michael
R. Marrus, Autor von The Holocaust in History
»Dies
ist ein Text von atemberaubender Empathie, der eines der schmerzvollsten und
emotionsgeladensten Themen der modernen Welt mit Sachlichkeit,
Einfühlungsvermögen und großer Gelehrsamkeit untersucht. Gilbert Achcar kombiniert
die dem Historiker eigene tiefgehende Kenntnis der Funktionsweisen des
arabischen politischen Diskurses mit einem hervorragenden Verständnis für den
Stellenwert jedes Aspektes dieses Themas. Diese richtungsweisende Studie
stellt einen begrüßenswerten Fortschritt in der oft trügerischen und
mittelmäßigen Lehre dar, die zu dem wichtigen Thema „Die Araber und der
Holocaust“ bisher produziert wurde.«
Rashid
Khalidi, Autor von The Iron Cage: The Story of the Palestinian Struggle for
Statehood
»Die
Araber und der Holocaust ist eine
durchdringende Analyse der vielfältigen Haltungen zu und Entgegnungen auf
Nationalsozialismus, Antisemitismus und Holocaust in der Arabisch sprechenden
Welt. Das Buch widerlegt überzeugend simple Vorstellungen einer einseitigen,
monolithischen, von Rassisten- und Neonazihass auf alle Juden angetriebenen,
Holocaust-leugnenden Arabisch sprechenden Welt und führt gekonnt vor Augen,
dass es niemals eine arabische
Lesart des Holocaustes gegeben hat.«
Francis
R. Nicosia, Autor von Zionismus und Anti-Semitismus im Dritten Reich
»Gilbert
Achcars sorgfältiger, gut recherchierter und höchst begrüßenswerter Beitrag zu
einem der explosivsten Themen der palästinensisch-israelischen
Geschichtsschreibung ist ein mutiges Unterfangen. Er behandelt die Beziehung
zwischen Palästina und dem Holocaust der Nazis durchdacht, mit gründlicher
Wissenschaftlichkeit und akribischer Analyse.«
Naseer
Aruri, Mitglied des Palästinischen Nationalrates und Autor von Palestine and
Palestinians: A Social and Political History
»Aus
einem von Misstrauen und schierer Propaganda geprägten Gebiet ragt Gilbert
Achcars Buch als wissenschaftlich, fair und anständig heraus.«
Idith
Zertal, Autorin von Nation und Tod. Der Holocaust in der israelischen
Öffentlichkeit
»Einleuchtend
und scharfsinnig.«
Stephen
Howe, The Independent
»Achcar
beherrscht sowohl die arabischen als auch die westlichen Quellen seines Themas.
Seine tiefgreifende Untersuchung arabischer Quellen ist besonders ertragreich
bei der Korrektur der vielen Verzerrungen, die von Polemikern zu dem Zweck in
Umlauf gebracht worden sind, Araber und Muslime als Antisemiten darzustellen
... Politische Entscheidungsträger täten gut daran, Gilbert Achcars Ruf zu
einer ausgewogeneren Annäherung an die Tragödien, die den
palästinisch-israelischen Konflikt so unlösbar machen, Beachtung zu schenken.«
Eugene
Rogan, Times Literary Supplement
»Dies
ist eine erfrischende und originelle Studie, die deutlich zeigt, dass
muslimischer Antisemitismus weder universell noch unvermeidlich ist und dass ihm
mit platten Erklärungen nicht beizukommen ist.«
The
Economist
»Gilbert
Achcars Die Araber und der Holocaust ist eine faszinierende, feinsinnige und originelle Analyse
israelischer und arabischer historischer Narrative.«
Simon
Sebag Montefiore, BBC History Magazine
»Eine
systematische und wissenschaftliche Widerlegung der allzu vereinfachenden
Mythen, die um die Gründung Israels entstanden sind ... das bisher beste Buch
zum Thema.«
Tariq
Ali, The Guardian
»[Achcars]
Buch ist ein wichtiges Werk, sogar – oder vielleicht insbesondere – für
diejenigen, die nicht mit ihm übereinstimmen.«
Derek
Penslar, Jewish Review of Books
»Achcar
versucht nicht so sehr, einen ausgrenzenden arabisch-israelischen Krieg von
Narrativen neu zu deuten, als vielmehr zu erklären, warum Ausgrenzungen abzulehnen
sind.«
George
Wilkes, Journal of Jewish Studies
»Dies
ist ein äußerst gut recherchiertes und informatives Werk, einfühlsam
argumentiert und anregend. Es sei als bedeutender wissenschaftlicher Beitrag
zum Verständnis eines der hartnäckigsten Konflikte der Welt wärmstens
empfohlen.«
James
Anderson, Australian Journal of International Affairs
»Gilbert Achcars Buch dürfte zum Standardwerk künftiger
Auseinandersetzung mit der längst fälligen Konjunktion von Arabern und dem
Holocaust im Kontext des Nahostkonflikts werden.«
Moshe Zuckermann
»Die gegenseitige Anerkennung der Shoah und der Nakba muss weitere Fortschritte machen, damit eine echte Verständigung stattfinden kann.«
Die Grundvoraussetzung jeglicher Kommunikation ist die Fähigkeit, seinGegenüber zu verstehen: mit anderen Worten, sich in seine Position zu versetzen – was wiederum die intellektuelle Disziplin erfordert, vorübergehend die eigene Perspektive zu verlassen. Nichts ist einem Dialog abträglicher als die vorgefasste Annahme, der oder die andere sei in seinem oder ihrem Wesen oder Denken unveränderlich. Die Stereotypisierung des anderen geht immer Hand in Hand mit einer Stereotypisierung von sich selbst. Generell ist das, was dabei herauskommt, eine Karikatur des anderen und eine Idealisierung seiner selbst, selten ist es umgekehrt.
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